Wolf ist erstmals auf der Abschussliste

Vorarlberg / 17.07.2019 • 16:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Salzburger Antrag auf Wolfsabschuss kann Folgen haben.AP
Salzburger Antrag auf Wolfsabschuss kann Folgen haben.AP

In Salzburg stellen Bauern Antrag auf Tötung eines Tieres. Vorarlberger Wildbiologe zeigt dafür Verständnis.

Bregenz Aktuell gilt nach wie vor: Der Wolf genießt innerhalb der EU absoluten Schutz. Doch damit könnte es bald einmal vorbei sein. Da gibt es nämlich nicht nur den Schulterschluss der Arge-Alp-Länder bei der Forderung nach einer Reduzierung des absoluten Schutzstatus, im Bundesland Salzburg haben jetzt Almbauern aus der Region Großarl bei der Behörde erstmals einen offiziellen Antrag auf Abschuss eines sogenannten Problemwolfs gestellt. Das Raubtier hat vom 24. Juni bis 13. Juli 24 Schafe ­getötet und vier verletzt. Zehn weitere Nutztiere sind abgängig.

„Wir haben in unserer Wolfsmanagementplanung festgelegt, dass ein Wolf, der innerhalb kurzer Zeit in geschützten Bereichen oder in Bereichen, wo kein Schutz möglich ist, 25 Nutztiere reißt, entnommen werden soll. Diese Situation haben wir hier“, begründet der Wolfsbeauftragte des Landes Salzburg, Hubert Stock (56), den Antrag der Almbauern von Großarl. „Wir“, das sind in Salzburg laut Stock auch Vertreter von Naturschutzorganisationen und der Landwirtschaft.

WWF kritisiert scharf

Dass die Behörde dem Antrag stattgibt, kann sich der Wolfsbeauftragte durchaus vorstellen. „Aber es ist wahrscheinlich, dass der Antrag beeinsprucht wird und es deshalb lange dauern kann, bis er umgesetzt werden kann“, befürchtet Stock.

Scharfe Kritik am Antrag kommt schon jetzt vom World Wildlife Fund. Der WWF findet diesen „skandalös“ und schießt scharf gegen den verantwortlichen Agrar-Landesrat Josef Schwaiger und kündigt Widerstand an. „Ein Freibrief für Abschüsse auf Basis willkürlich gewählter Risszahlen verstößt aus unserer Sicht gegen die relevante EU-Richtlinie“, heißt es in einer WWF-Aussendung.

Freilich sieht Stock den Wolf in Salzburg als wachsendes Problem. „Seit der Wolf bei uns wieder aufgetaucht ist, verzeichnen wir rund 60 gerissene Nutztiere. Wir müssen ihn wie jedes andere Wildtier behandeln.“

Verständnis bei Schatz

Hubert Schatz (54), Wildbiologe des Landes Vorarlberg, kann die Position seines Kollegen aus Salzburg nachvollziehen. „Wölfe, die trotz gesetzter Maßnahmen wie Behirtung und Umzäunung in Schutzbereiche eindringen, müssen entnommen werden können.“ Schatz glaubt, dass die Entnahme (Fachbegriff für Abschuss) von Problemwölfen langfristig die Art selbst schützt. „Wenn einzelne Wölfe, die Nutztiere reißen oder die Scheu vor menschlichen Siedlungen verlieren, nicht entnommen werden dürfen, kommen alle Wölfe in Verruf und das Image des bösen Wolfes entsteht.“

Die Schutzmaßnahmen stoßen nach Ansicht von Schatz auf Grenzen. Und den möglichen Einsatz von großen Hirtenhunden sieht der Wildbiologe problematisch. „Die mögen zwar eine effektive Waffe gegen Wölfe sein, sie können aber auch für Menschen gefährlich werden. In Tourismusgebieten ist so etwas natürlich unerwünscht“, betont Schatz.

Neues Jagdgesetz

Freilich sieht auch die Novelle zum Vorarlberger Jagdgesetz die Bewilligung von Maßnahmen gegen Großraubwild für den Fall der „Verhütung ernster Schäden in der Tierhaltung oder ernster Gefahren für die Gesundheit oder das Leben von Menschen durch Großraubwild“ vor. Noch sind solche Maßnahmen bei uns nicht in Erwägung gezogen worden. Auch weil es zuletzt nur wenige Vorfälle mit Wölfen gab.

Mit dem konkreten Abschussantrag für einen Problemwolf an die Behörde nimmt Salzburg jedoch eine Vorreiterrolle ein.