„Müssen Zack-Zack-Zack-Politik hinter uns lassen“

Vorarlberg / 18.07.2019 • 22:22 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Das beliebte Freibad Felsenau in der Marktgemeinde Frastanz bildete den Schauplatz eines VN-Stammtisches, bei dem einmal die Jugendpolitik ganz im Mittelpunkt der Diskussionen stand. VN/Paulitsch
Das beliebte Freibad Felsenau in der Marktgemeinde Frastanz bildete den Schauplatz eines VN-Stammtisches, bei dem einmal die Jugendpolitik ganz im Mittelpunkt der Diskussionen stand. VN/Paulitsch

VN-Jugendstammtisch in Frastanz war durchwegs von Sachpolitik geprägt.

Frastanz „Die Jugend am Wort zur Landestagswahl.“ Unter diesem Motto stand ein VN-Stammtisch, der im Freibad Felsenau in der Marktgemeinde Frastanz über die Bühne ging. Organisiert wurde die Premiere eines Stammtischs in einem öffentlichen Schwimmbad von den Machern der Poolbar und den Vorarlberger Nachrichten. Neben Christina Metzler (22, VP), Johannes Fitz (29, FP) und Nina Tomaselli (34, Grüne) stellten sich auch Jeannette Greiter (30, SP) und Fabienne Lackner (21, Neos) sowohl Fragen der VN-Redakteure Birgit Entner-Gerhold und Michael Prock als auch jenen aus dem Publikum.

Eines gleich vorweg: Die Diskussionen und mitunter unterschiedlichen Positionen wurden durchwegs auf einer sachlichen Ebene geführt. Verbale Untergriffe, wie sie manchmal im Landtag oder Nationalrat zu erleben sind, legten die Jungpolitiker am Podium nicht an den Tag.

Zukunft der Politik nach Ibiza?

Zum Auftakt standen die Nachwirkungen und Folgen des viel zitierten Ibiza-Videos für die Politik im Mittelpunkt. Was ging den jungen Politikern durch den Kopf, als sie mit dem Inhalt des Videos konfrontiert wurden und sieht es seither mit dem Vertrauen in die Politik aus? „Wir als junge Politiker können klar aufzeigen, dass es um Politik und die Sache und vor allem um die Menschen geht. Für das, was in diesem Video passiert ist, gibt es keine Entschuldigung und keine Worte für eine Rechtfertigung. Ich hoffe, dass dies alle hier am Podium so wie ich sehen und solche Worte nie im Leben in den Mund nehmen“, erklärte Christina Metzler (VP) unter Applaus des Publikums. Für Jeannette Greiter (SP) „verlieren die Menschen durch solche Sachen das Vertrauen in die Politik“.

Greiter plädierte für mehr Miteinander und das Einbeziehen der Bevölkerung in Entscheidungen. Nina Tomaselli (Grüne) hätte, wäre sie im Nationalrat gesessen, Kanzler Sebastian Kurz ebenso das Misstrauen ausgesprochen. „In der jetzigen Krise liegt eine Chance, Politik endlich anders anzugehen. Ein Zauberwort ist für mich Transparenz. Was Transparenz anbelangt, sind wir in Österreich Entwicklungsland. Wir müssen endlich diese Hinterzimmer- und Zack-Zack-Zack-Politik hinter uns lassen“, betonte Fabienne Lackner (Neos).

Mietpreisobergrenze einführen?

Beim Thema Wohnen war man sich einig, dass etwas unternommen werden muss. Sowohl gegen Mieten, die durch die Decke zu gehen drohen als auch gegen den Leerstand tausender bewohnbarer Wohnungen im Land. Für Tomaselli steht jedenfalls fest, „dass am Ende des Tages Sozialwohnungen der beste Mietpreisdämpfer sind“.

Als besonders interessant entpuppten sich die Schlussstatements. Hätten Sie die Kompetenzen einer Landeshauptfrau oder eines Landeshauptmannes: welche jugendpolitische Maßnahmen würden Sie setzen?

Tomaselli würde „in die Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen zum Klimanotstand“ gehen und eine Mietpreisobergrenze im Land einführen“ und Lackner würde sich in der Rolle einer Landeshauptfrau um eine Modernisierung der konservativen Sperrstundenregelung und die Entrümpelung der Baunormen kümmern. Greiter sprach sich gar bundesweit für die Einführung einer Mietobergrenze und eine Überarbeitung der Sperrstundenregelung aus. „Ich würde beschließen, dass Vorarlberg das chancenreichste Land für alle jungen Menschen und in wichtigen Fragen Vorreiter bleibt“, meinte Metzler. Für Fitz sind die Kosten für den Führerschein zu hoch angesetzt, er würde sich als Landeshauptmann für eine Vergünstigung einsetzen.

Die Politik sollte die Interessen der jungen Menschen wahrnehmen. Ich glaube, dass Themen wie der Klimawandel und die Digitalisierung dabei besonders wichtig sind, weil hier die größten Veränderungen geschehen. Lorenz Duelli,  17, Feldkirch, Junos

Die Politik sollte die Interessen der jungen Menschen wahrnehmen. Ich glaube, dass Themen wie der Klimawandel und die Digitalisierung dabei besonders wichtig sind, weil hier die größten Veränderungen geschehen. Lorenz Duelli, 17, Feldkirch, Junos

Die jungen Menschen beteiligen sich heute aktiv an der Politik, wie die Fridays for Future zeigen. Es wäre gut, wenn diese Themen, die junge Menschen einbringen und die ihnen ein Anliegen sind, auch mit dem notwendigen Ernst behandelt würden. Lukas Müller, 22, Feldkirch

Die jungen Menschen beteiligen sich heute aktiv an der Politik, wie die Fridays for Future zeigen. Es wäre gut, wenn diese Themen, die junge Menschen einbringen und die ihnen ein Anliegen sind, auch mit dem notwendigen Ernst behandelt würden. Lukas Müller, 22, Feldkirch

Die Politik sollte sich Ziele setzen, die auch wirklich zeitnah umgesetzt werden können. Dabei sind gerade die Bildung und die Umwelt wichtig, hier ist auf jeden Fall sehr großes Gestaltungspotenzial vorhanden. Selina Pia Fleisch, 21, Rankweil, JVP

Die Politik sollte sich Ziele setzen, die auch wirklich zeitnah umgesetzt werden können. Dabei sind gerade die Bildung und die Umwelt wichtig, hier ist auf jeden Fall sehr großes Gestaltungspotenzial vorhanden. Selina Pia Fleisch, 21, Rankweil, JVP

Ich würde mir wünschen, dass die Bevölkerung aktiver einbezogen wird. Auch bei regionalen Themen wie der Begegnungszone in Wolfurt, sollten Menschen einbezogen werden. Sonst verlieren die Leute das Interesse an der Politik. Angelika Lanker, 21, Kennelbach

Ich würde mir wünschen, dass die Bevölkerung aktiver einbezogen wird. Auch bei regionalen Themen wie der Begegnungszone in Wolfurt, sollten Menschen einbezogen werden. Sonst verlieren die Leute das Interesse an der Politik. Angelika Lanker, 21, Kennelbach

Lieferten sich sachliche Debatte: Jeannette Greiter (l.), Johannes Fitz, Michael Prock (VN), Christina Flatz, Nina Tomaselli sowie Birgit Enther-Gerhold (VN) und Fabienne Lackner.
Lieferten sich sachliche Debatte: Jeannette Greiter (l.), Johannes Fitz, Michael Prock (VN), Christina Flatz, Nina Tomaselli sowie Birgit Enther-Gerhold (VN) und Fabienne Lackner.

Stimmen vom Stammtisch

Da die meisten Menschen in meinem Umfeld nicht blau wählen, haben sich die meisten über das Ibiza-Video sogar eher gefreut. Für mich persönlich war es jedenfalls ein großer Schock. Johannes Fitz, FP

 

Vor Ibiza gab es bereits viele weitere Einzelfälle, vor allem vonseiten der FPÖ und nichts ist passiert. Deshalb war es auch richtig, der ÖVP-FPÖ-Regierung das Vertrauen zu entziehen. Jeannette Greiter, SP

 

Ich will bei der direkten Demokratie keinen Schnellschuss machen, wie es die FPÖ tut. Aber ein partitativer Ansatz könnte sicher eine Möglichkeit sein. Fabienne Lackner, Neos

 

Ich finde es schwierig, wenn laufend 30 Prozent über 100 Prozent bestimmen. Christina Metzler, VP

 

Ich möchte im Wahlkampf alle 96 Gemeinden von A bis Z, von Alberschwende bis Zwischenwasser besuchen, egal wie klein sie sind. Nina Tomaselli, Grüne

 

Ich habe mir vorgenommen, mir selber treu zu bleiben und immer ehrlich zu antworten, das ist nicht immer einfach. Denn die persönliche Meinung deckt sich nicht immer mit der Parteilinie. Johannes Fitz, FP

 

Ich bin 21 und wohne noch bei meinen Eltern. Es wird aber jedenfalls immer schwieriger, aus dem Hotel Mama und Papa auszuchecken. Aus dem Motto „Schaffa, schaffa, Hüsle baua“ wurde „Schaffa, schaffa, teure Miete bezahlen.“ Fabienne Lackner, Neos

 

Mietkauf kann nicht die Lösung sein, sonst würden die vorhandenen Angebote besser angenommen. Nina Tomaselli, Grüne

 

Ich vertraue stärker in die staatliche Pension als in private Pensionsvorsorge. Wer garantiert, dass es diese privaten Pensionsversicherungen noch gibt, wenn ich einmal in Pension gehe. Jeannette Greiter, SP

 

Es kann jedenfalls nicht sein, dass Frauen, die drei Kinder großgezogen haben und damit dem Staat viel Kinderbetreuungskosten erspart haben, durch die Finger schauen. Dieser Einsatz sollte belohnt werden. Christina Metzler, VP

 

Der Mobilitätsbon ist an der Taxilobby gescheitert. Die Parteien waren sich bei diesem Thema alle einig. Nina Tomaselli, Grüne

Vom VN-Stammtisch berichten: Tony Walser, Gernot Schweigkofler (Texte), Roland Paulitsch (Fotos). Die komplette Diskussion zum Nachhören finden Sie auf VN.at