Gericht: Freispruch für „blutrünstigen“ Angeklagten

Vorarlberg / 19.07.2019 • 09:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Aus der Anklage wegen des Verbrechens der schweren Nötigung resultierte für den 28-jährigen Syrer ein Freispruch. HOFER

23-jährige Syrerin beschuldigte ihren Geliebten, dass er ihr mit „abstechen wie ein Schaf“ drohte.

Feldkirch Schon Conny Francis sang davon, dass die Liebe ein seltsames Spiel ist. Die Schlagersängerin und ihr Gassenhauer aus den frühen 1960er-Jahren wird dem in Bludenz lebenden Pärchen, das nun in Feldkirch vor Richterin Sonja Nachbaur stand, aber eher weniger ein Begriff sein. Gemeinsam ist aber, dass in Anlehnung an den Songtitel auch das amouröse Abenteuer zwischen der 23-Jährigen und ihrem 28-jährigen Angebeteten mitunter bizarre Blüten triebt. Schon allein die Frage, ob sie denn tatsächlich ein Paar sind, spaltet beim aus Syrien stammenden Duo offenbar ihre Herzen. Er sagt nein, sie sagt ja. Fakt scheint, dass beide nicht ohne einander sein können.

Besonderer Liebestrank

Doch allein deswegen landet man nicht vor Gericht. Wohl aber, wenn man vor seiner Geliebten vermeintlich mit einem Messer fuchtelt und sie mit dem Satz bedroht: „Jetzt entscheidest du, ob du bei mir bleibst oder stirbst.“  Oder sie – wie angeblich ebenso passiert – damit einschüchtert, sie wie ein Schaf zu schlachten und ihr Blut zu trinken. Glücklicherweise verwandelte sich der Angeklagte nicht in einen Vampir und nahm von dem besonderen Liebestrank Abstand. Dennoch musste er sich wegen schwerer Nötigung und gefährlicher Drohung vor Gericht verantworten. Die Frau, die seit acht Monaten in Österreich lebt und der Liebe wegen von Syrien hierherkam, hatte den angeblichen Vorfall angezeigt.

Rückzieher

Beim Prozess wollte sie von den schweren Anschuldigungen allerdings nichts mehr wissen. „Alles was ich gesagt habe, ist nicht wahr. Ich dachte nicht, dass meine Aussagen solche Konsequenzen verursachen würden“, verblüffte sie mit einem ungewöhnlichen Geständnis. Alles was sie wollte, sei nur, ihm einen Denkzettel zu verpassen. Streit hätte es zwar mehrmals gegeben, aber nur so wie es „unter normalen Leuten“ üblich ist.

„In unserer Kultur hat man auch viel zu viel Respekt vor Frauen, um so etwas zu tun“, argumentierte der bereits seit längerer Zeit in Bludenz lebende Syrer. Der Verehrte vermutete, dass sich die junge Verliebte aus rasender Eifersucht an ihm rächen wollte, weil er mit anderen Mädchen via Smartphone kommuniziert hatte. Es gab einen Freispruch. Nun ist es sie, die mit einem Strafverfahren wegen schwerer Verleumdung rechnen muss. Noch im Gericht fragte er nach, mit welcher Strafe sie nun rechnen müsse. Über den Daumen gepeilt mit 1000 bis 2000 Euro, kam die Antwort. Viel Geld für die junge Frau, die ein Einkommen von 300 Euro im Monat angibt. CRO