Mutter als Quälgeist

Vorarlberg / 19.07.2019 • 22:27 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Pensionistin soll ihren Junior sogar mit Windeln malträtiert haben, die sie vor seine Türe warf. symbol
Die Pensionistin soll ihren Junior sogar mit Windeln malträtiert haben, die sie vor seine Türe warf. symbol

Pensionistin nervte ihren Sohn angeblich mit diversen schrägen Aktionen.

feldkirch Es ist 8.45 Uhr am Landesgericht Feldkirch, die Strafsache wird aufgerufen, doch die 65-jährige Angeklagte erscheint nicht. Dabei hat sie per SMS mehrfach mitgeteilt, dass sie sich schon sehr auf die Verhandlung freue. Zwei Opfervertreter, Staatsanwältin und Richter, sie alle sind umsonst da, so wie die Zeugen auch. Die Beschuldigte anzurufen, ist schwierig, denn sie hat unzählige Nummern angegeben. „Somit muss der Prozess leider vertagt werden“, so Rechtsanwalt Florin Reiterer, der eines der Opfer vertritt. Es geht um gefährliche Drohung, versuchte Nötigung, Stalking und Täuschung. Genervte Betroffene sind der Sohn der Angeklagten und seine ehemalige Freundin. Beide mussten laut Strafantrag bislang einiges mitmachen.

Keine Ruhe

Die verschiedenen aufreibenden Aktivitäten der Angeklagten dauern angeblich seit Jänner 2018 an. Dauerklingeln an der Türe des Sohnes, Nachfahren mit dem Auto, Besuche an dessen Arbeitsplatz und Abstellen von verschiedenen Gegenständen vor der Wohnung, in der Tiefgarage, auf dessen Auto und Motorrad. Einmal waren es Papierkonfetti, dann Tierfutter, dann wieder Schnapsflaschen oder Windeln. Auch Fotos und unzählige Briefe deponierte die Frau im Briefkasten des jungen Mannes. Dann noch Anrufe und Sprachnachrichten. Die Palette ist breit und hatte nun eine Anzeige gegen die bislang Unbescholtene zur Folge. Mit den illegal benutzten Daten ihres Sohnes soll die Dame bewirkt haben, dass der Sohn plötzlich diverse Nummern nicht mehr anrufen konnte und sein Account gesperrt wurde.

Auch Ex-Freundin betroffen

Auch die ehemalige Freundin wurde offenbar Ziel von beharrlichen Verfolgungshandlungen. Die Vorgangsweise – fast ident wie beim Sohn. Die Staatsanwaltschaft klagt die Pensionistin weiters wegen Verleumdung an. Einmal soll die Beschuldigte nämlich die Polizei alarmiert haben, dass ihr Sohn mit dem Auto ohne funktionierende Bremsen auf der Straße unterwegs sei. Die Beschuldigung war frei erfunden. Beim Finanzamt ging angeblich ebenfalls eine Meldung ein, ihr Sohn würde „schwarz“ arbeiten. Was den Geisteszustand der Frau betrifft, wurde Gerichtspsychiater Reinhard Haller mit einem Gutachten beauftragt. Eine psychotherapeutische Behandlung scheint demnach angebracht. Beim nächsten Prozesstermin wird man sich allerdings erst einmal die Angeklagte anhören müssen, was sie zu der ganzen Sache zu sagen hat. EC