Schulleiter: Vom Traumberuf zum verschmähten Job

Vorarlberg / 19.07.2019 • 08:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Gerhard Frontull ist seit 19 Jahren Direktor an der Bildungsanstalt für Elementarpädagogik in Feldkirch. Er hat Erklärungen dafür, warum Schulleiterposten nicht mehr attraktiv sind. VN/HÄMMERLE

BAfEP-Direktor Gerhard Frontull sieht überbordende Verwaltung und Scheu vor Verantwortung als Hauptgründe.

Dornbirn Schuldirektoren genossen in der Vergangenheit hohes Ansehen. Sie zählten neben dem Pfarrer und dem Bürgermeister zu den Führungspersonen eines Dorfes. Warum ist das so anders geworden? Gerhard Frontull, Direktor der Bildungsansalt für Elementarpädagogik in Feldkirch, versucht, darauf Antworten zu geben.

Sind Sie noch so gerne Direktor wie vor 19 Jahren, als Sie Ihr Amt am Institut St. Josef in Feldkirch angetreten haben?

Ja, ich bin es noch. Die Freude ist noch dieselbe. Ich kann gestalten, ich pflege Umgang mit vielen verschiedenen Menschen. Es ist ein schönes Gefühl, Jugendliche in ihrer Entwicklung zu begleiten und mit ihnen am Schluss einen tollen Erfolg feiern zu können. Besonders erfüllend ist es, wenn du junge Menschen auch in Krisen erlebst, aus denen sie später herauskommen, und am Schluss halten sie ein Maturazeugnis in der Hand.

Das scheinen nicht alle potenziellen Schulleiter so zu sehen, sonst gäbe es ein größeres Interesse an diesem Beruf. Es wird immer schwieriger, gute Direktoren zu finden.

Das stimmt, leider.

Warum ist es so?

Dafür gibt es meiner Meinung nach mehrere Gründe. Schuldirektoren werden heutzutage von der Bürokratie und dem Verwaltungsaufwand fast erschlagen. Als Direktor musst du Statistiken machen, Behördenverfahren unterstützen, Qualitätsberichte verfassen. Das sind alles Dinge, die ich persönlich gar nicht gerne mache, aber machen muss. Vor allem, wenn du das Gefühl hast, dass viel von dem, was du da an Papier erarbeitest, bald einmal in einem Papierkorb landet.

Gibt es noch andere Gründe, warum der Job eines Schuldirektors speziell in Vorarlberg unattraktiv geworden ist?

Ich denke, dass heutzutage einfach nicht mehr so viele Menschen bereit sind, große Verantwortung zu übernehmen. Wenn du eine Schule übernimmst, dann bist du ja nicht nur für die Schüler zuständig, sondern auch für deine engsten Mitarbeiter, die Lehrer. Das wollen sich viele einfach nicht mehr antun. Als Schuldirektor hast du Verantwortung für einen längeren Zeitraum zu übernehmen. Natürlich mag auch die Entlohnung eine Rolle spielen, warum das Interesse am Schulleiterposten nachgelassen hat.

Es hat in jüngster Zeit vereinzelt Konflikte zwischen Elterngruppen und einzelnen Lehrpersonen gegeben. Wie schwierig sind solche Situationen für einen Direktor?

Ich habe das wahrgenommen. Solche Dinge passieren aber eher an Pflichtschulen. Diesbezüglich bin ich froh, dass ich Direktor an einer Schule bin, wo 15- bis 19-jährige Schülerinnen sind, mit denen man Probleme direkt besprechen kann. Wir haben bei uns an der BAfEP auch eine gute Kultur des Miteinanders, wenn es um Probleme geht. In der Unterstufe ist der Einfluss von Eltern viel größer. Sicher nicht immer leicht für einen Direktor.

Was sollte man tun, um den Beruf eines Direktors wieder attraktiver zu machen?

Direktoren gehören verwaltungsmäßig mehr entlastet. Ich habe ja noch eine Sekretärin, in vielen Volksschulen gibt es das nicht. Da kann der Direktor/die Direktorin die ganze Verwaltung mit dem Papierkram selber machen. Ein Direktor muss wieder mehr Schwerpunkte im pädagogischen Bereich setzen können und sich auf die Menschenführung an der Schule konzentrieren. Eine bessere Bezahlung wäre natürlich auch wichtig.

Was alles hat sich in den 19 Jahren Ihrer Direktorentätigkeit an der Schule und bei den Schülern verändert?

Schulen sind autonomer geworden. Man findet als Direktor heute mehr Raum zur Gestaltung vor. Das ist positiv. Bezüglich Schüler ist mir als Deutschlehrer aufgefallen, dass das Sprachniveau gesunken ist. Anderseits können sich Schülerinnen und Schüler heutzutage viel besser präsentieren als früher. Was die Lehrer anbelangt: Sie sind viel mehr zur Zusammenarbeit angehalten und müssen in Teams arbeiten. Das ist natürlich auch eine Folge der Zentralmatura.

Sie gehen mit Ende des Jahres in Pension. Was würden Sie im Rückblick als Direktor heute anders machen?

Da fällt mir nicht viel ein. Allerdings denke ich daran, was ich alles an Ideen nicht umgesetzt habe. Da hätte ich gerne das eine oder andere, was ich im Kopf habe, noch realisiert.

Ihre Gedanken über die Schulpolitik?

Ich habe alle schulpolitischen Aktivitäten genau mitverfolgt. Was mir nicht gefällt, ist diese permanente Unruhe, die man in die Schulen hineinträgt. Kaum wechselt die Regierung, wird wieder vieles anders. Man lässt keine Kontinuität zu.

Zur Person: Gerhard Frontull

Gerhard Frontull (63) ist seit 19 Jahren Direktor an der Bildungsanstalt für Elementarpädagogik in Feldkirch. Vorher unterrichtete er am BG Feldkirch Rebberggasse. Frontull studierte in Innsbruck Deutsch und Geschichte Lehramt. Er hat zwei Kinder und vier Enkel.