Chefermittler über Räuber und Pistolen

20.07.2019 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Norbert Schwendinger über spektakuläre Raubserien und wie die „Glock“ die Dienstwaffe der Polizei wurde. VN/Paulitsch
Norbert Schwendinger über spektakuläre Raubserien und wie die „Glock“ die Dienstwaffe der Polizei wurde. VN/Paulitsch

VN-Serie Teil 3: Der Leiter der Mordkommission erzählt.

Schwarzach Im Jahr 1991 wechselte Norbert Schwendinger von der Gendarmerie zur Kriminalabteilung. Sein neues Aufgabengebiet: Dienst in der Gruppe „Raub und Diebstahl“.

Kaum die Gendarmenuniform abgelegt, wurde der frischgebackene Kriminalist schon mit der ersten Raubserie konfrontiert. „Es begann mit Überfällen auf eine Bank, dann auf Würstelstände und so weiter. Es war damals eine große Serie, die sich quer durch das Land zog“, erinnert sich Schwendinger heute.

Telefonüberwachung

Die Suche nach Hinweisen führte zu einer Waffe. Und auch in die Schweiz, wo die dortigen Behörden den entscheidenden Tipp bezüglich dieser Waffe lieferten. Gleichzeitig war da noch ein sogenannter Informant aus der Bande, der sich anbot „zu plaudern“. Allerdings wollte dieser „Informant“ die Kripo damit nur in die Irre führen und auskundschaften, wie der Stand der Ermittlung war. Was er nicht ahnte: Er führte damit ungewollt tatsächlich zur Aufklärung der Raubserie, denn: „Er war einfach nicht glaubwürdig. Wir besorgten uns deshalb die Genehmigung zur Telefonüberwachung. Das führte schließlich zur Verhaftung dieses angeblichen Zeugen noch während der Gerichtsverhandlung und zur Verurteilung seiner Mittäter“, erzählt Schwendinger.

„Ein erstes Mal im Meer“

Manchmal führten die Ermittlungen auch ins Ausland. Einmal nach Slowenien. „Damit ergab sich für einen meiner Kollegen die Chance ein erstes Mal im Meer zu schwimmen“, so eine amüsante Anekdote des Dornbirner Pensionisten in spe.

Im Jahr 1996 übernahm Schwendinger die Leitung der „Diebstahlsgruppe“. Ein sonderbarer, außergewöhnlicher Fall stand an. „Da war eine ganze Bande von Grenzgängern. Einer von ihnen hatte die Angewohnheit, nur in bewohnte Häuser einzubrechen. Außerdem stahl er nach jedem Einbruch ein Fahrzeug, fuhr damit zum Tatort, ließ es dort stehen und schnappte sich das nächste Auto“, erinnert sich der 60-Jährige. „Den entscheidenden Tipp zu seiner Identifizierung lieferte die Spurensicherung, und zwar einen Fingerabdruck des Täters im Inneren der Hülle einer CD, die er gestohlen hatte.“ Dennoch sei man seiner nicht gleich habhaft geworden. „Er lieferte uns halsbrecherische Verfolgungsjagden, wurde aber schließlich während einer Routinekontrolle gefasst“, erinnert sich Schwendinger. Daraufhin wurde die ganze Bande gesprengt. Man wies ihr sagenhafte 22 Raubüberfälle und 500 Einbruchdiebstähle nach.

Ein weiterer Einbrecher wurde geschnappt, bevor der Geschädigte überhaupt bemerkt hatte, dass sein Geschäft ausgeräumt worden war. „In der Wohnung des Verdächtigen war so viel Diebesgut gestapelt, dass wir mehrere Fahrzeuge brauchten, um das Material überhaupt abtransportieren zu können.“

Die neue Dienstwaffe

Der Dornbirner Kriminalist war nebenher auch Schießausbildner und Personalreferent. Im Jahr 1991 stand eine neue Dienstpistole zur Debatte. „Während es in Wien eine klare Präferenz für eine belgischen Waffe gab, forderte ich die österreichische Glock-Pistole, weil sie einfach die bessere Waffe war. Aufgrund dessen habe ich einen außergewöhnlichen Weg eingeschlagen und die damaligen Nationalräte Erich Schwärzler und Gottfried Feuerstein mobilisiert, um beim Ministerium zu intervenieren. Das hat einen bundesweiten Wirbel ausgelöst mit dem Ergebnis, dass man sich für die Glock entschied. Und darauf bin ich heute stolz“, sagt Schwendinger. Seither hat sich die „Glock“ als weltweit meistbenützte Behördenpistole etabliert.

Am nächsten Samstag lesen Sie über die Ermittlungen im Mordfall Frastanz, eines der grausamsten Verbrechen in der Kriminalgeschichte Vorarlbergs.