Claudia Gamons erste Monate als Europaabgeordnete

Vorarlberg / 21.07.2019 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Claudia Gamon vor dem Europaparlament in Brüssel. VN/Prock

Am 26. Mai wurde die Nenzingerin Claudia Gamon ins Europaparlament gewählt. Langsam ist sie in Brüssel angekommen.

Brüssel Um die Mickey-Mouse-Bar in Brüssel ranken sich viele Mythen. Das Café im Europa-Parlament trage den Namen als Replik auf die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher, erzählen manche. Sie soll das EU-Parlament einst als „Mickey-Mouse-Parlament“ bezeichnet haben. Claudia Gamon hat eine unpolitischere Erklärung: „Die Sessel des Cafés sehen aus wie Mickey Mouse.“

Claudia Gamon ist in Brüssel angekommen. Die Nenzingerin sitzt seit zwei Monaten für die Neos im Europaparlament, sie ist eine von 751 Abgeordneten. Schon jetzt ist sie begeistert. „Die Abgeordneten hier sind auf Konsens eingestellt und sehr konstruktiv und sachorientiert. Das ist man gar nicht gewohnt, wenn man aus dem österreichischen Parlament kommt“, erzählt sie. Nach der Wahl am 26. Mai ging es sofort turbulent los: Auf Fraktionssitzungen folgte die erste Sitzung im Parlament in Straßburg, anschließend die Hearings mit Ursula von der Leyen, bevor sie vom Parlament gewählt wurde.

Im Zentrum des Parlamentsgebäudes befindet sich ein Fernsehstudio und ein technisch top ausgestatteter Tisch für die Eigenproduktion von Videos für soziale Netzwerke. Jeder Abgeordnete kann sich hier einmieten. Von hier aus ist es nicht weit in den Neos-Klub. Links, rechts, links, links, rechts … die Gänge sind verwinkelt. Schwarze Plastikboxen stehen vor den Büros der Abgeordneten. „Hier können wir die Sachen reinpacken, die zur Plenarwoche nach Straßburg müssen.“

Gamon in ihrem aktuellen Büro. An diesem Tisch arbeiten derzeit drei Menschen.
Gamon in ihrem aktuellen Büro. An diesem Tisch arbeiten derzeit drei Menschen.

Eine Arbeitswoche eines EU-Parlamentariers sieht in der Regel so aus: Eine Woche Fraktionssitzungen (Brüssel), eine Woche Ausschusssitzungen (Brüssel), eine Woche Parlamentssitzungen (Straßburg), eine Woche im Wahlkreis (in Gamons Fall Österreich). Dass das Parlament einmal pro Woche zügeln muss, liegt an Frankreich. Entscheidungen, die in Brüssel getroffen wurden, hat Frankreich schon vor dem europäischen Gerichtshof beeinsprucht.

Man kennt sich bereits

In den Klubräumen läuft Gamon Guy Verhofstadt über den Weg. Sie grüßen sich, lachen und reden kurz. Im Parlament gibt es ein „Buddysystem“. Neue Bedienstete und neue Abgeordnete werden von Alteingesessenen herumgeführt, diese stehen für Fragen bereit. Gamon und ihr Mitarbeiter Christian Bitschnau (ebenfalls aus Vorarlberg) haben die Führung bereits hinter sich, doch richtig eingezogen sind sie in ihr Büro noch nicht. Ein Aufrollbanner mit dem alten Neos-Logo lehnt an der Wand, drei Personen teilen sich den quadratischen Tisch in der Mitte des Raums, in der Ecke stehen Kisten, ein Kunstwerk aus dem Bregenzerwald wartet noch darauf, an die Wand gehängt zu werden. „Die Büroräume werden renoviert. Erst dann ziehen wir ein“, schildert Gamon.

Die Nenzingerin sitzt im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie. Er gilt als arbeitsintensiv und technisch, allerdings auch als Ausschuss, der die meisten Begehrlichkeiten von Lobbyisten weckt. Schließlich behandelt er Telekommunikationsthemen, die Energiepolitik und alle Fragen, die Euratom betreffen. Die Lobbyisten sind schnell, wie Claudia Gamon berichtet: „Ich war überrascht, wie viele E-Mails ich bekomme.“ 

Der Weg von ihrem Büro zur Mickey-Mouse-Bar ist nicht weit. „Untertags ist es hier ziemlich voll“, erzählt Gamon. Lobbyisten wird man hier vergebens suchen. Für geheimere Treffen existiert ein anderes Kaffee in den unteren Stockwerken. Dort darf man nur mit Einladung eines Europaabgeordneten rein.