Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Mit Bildbeschreibung

23.07.2019 • 10:59 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Kommentator ist ein ehrenwerter Beruf. Meist erläutert er dem Zuschauer Dinge, die der nicht sieht, oder er erzählt Hintergründe. Bei Adelshochzeiten im Fernsehen etwa. Seltener am Theater. Das ist auch gut so.

Montagabend, Landestheater. Der Vorhang hebt sich. Zwei Schauspieler beginnen ihr Stück. Da mischt sich von hinten eine ältliche Damenstimme dazwischen: „Der louft all hin und her!“ „Luag, jetzt stoht er.“ Böse Blicke prallen an ihr ab. „Jetzt züht er d’Hosa us.“ Es ist wie Fernsehen für Sehbehinderte. „So dünne Füaßle!“ Mit Bildbeschreibung. „Luag, wie er tanzt…“ Vermutlich tut sie das zu Hause auch. Erklärt dem Gatten, was er sieht. Plappert vielleicht in wachsender Lebensgefahr, und merkt es gar nicht.

Nach drei Stunden endet das Stück. Dramatisch. Atemlose Stille erfüllt das Theater. Auch die Dame schweigt. Ist sie eingeschlafen? Es wird ihr doch nichts passiert sein! So beschließen Don Quijote und Sancho Pansa in Frieden ihren Dialog. Aber das letzte Wort hat sie. Es fällt im Schlussapplaus und lautet: „Jetzt ischt as us!“