Finanzpolizei beendet brasilianische Beschäftigung auf der Alpe Zamang

Vorarlberg / 24.07.2019 • 18:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Betrieb auf der Alpe Zamang geht wie gewohnt weiter. VN/STEURER

Zwölf Jahre lang arbeitete eine brasilianische Familie auf der Alpe in St. Gallenkirch. Nun musste sie gehen, sie hatte keine Arbeitserlaubnis.

St. Gallenkirch Zwölf Jahre lang wurde diese Geschichte gerne erzählt: Eine brasilianische Familie bewirtschaftet die Alpe Zamang in St. Gallenkirch. Die Familie spricht Montafoner Dialekt, stellt prämierten Käse her, viele Gäste können nicht glauben, dass sie es gerade mit Brasilianern zu tun haben. Im Sommer arbeiten sie hier, im Winter sind sie zu Hause auf dem eigenen Bauernhof. Vergangene Woche fand diese Geschichte ein jähes Ende. Um 7.30 Uhr klopfte die Finanzpolizei an die Tür der Alpe: Die Familie musste sofort die Arbeit einstellen, sie war ohne Bewilligung angestellt. Nun muss sie das Land verlassen.

Die Alpe Zamang liegt auf 1860 Metern. Die Helfer aus Brasilien sorgten für den reibungslosen Betrieb. Von rund 500 Alpen im Land nutzen zehn Alpen die Möglichkeit, Menschen aus Brasilien anzustellen. Dafür muss beim AMS ein Ersatzkräfteverfahren absolviert werden. Das heißt: Nur wenn kein Inländer, EU-Ausländer oder Drittstaatsangehöriger mit Aufenthaltsbewilligung für den Job gefunden werden kann, dürfen in bestimmten Berufen Menschen aus Drittstaaten angestellt werden. Für diese Fachkräfte gibt es jedoch nur ein gewisses Kontingent, es darf also nur eine bestimmte Zahl an Drittstaatsangehörigen über diese Art der Rot-Weiß-Rot-Karte beschäftigt werden.

Im Vorjahr ist das den Betreibern der Alpe Zamang zum Verhängnis geworden. Laut VN-Informationen stellte das AMS im vergangenen Jahr keine Bewilligung mehr aus. Der Alpbetreiber meldete die Familie dennoch an. Im September, zu Saisonende, flog die Sache auf, eine Geldstrafe sei verhängt worden, heißt es. Heuer wollte der Betreiber die Familie erneut anstellen. Allerdings sah das AMS keine Möglichkeit, die Gesetze seien eindeutig. Das Land Vorarlberg und das AMS suchten mit den Betreibern eine Lösung, selbst der ehemalige AMS-Chef Anton Strini wurde für die Sache reaktiviert. Am Ende ließen die Gesetze aber keinen Spielraum, eine Bewilligung blieb aus.

Allen Warnungen zum Trotz flog der Alpbetreiber die Familie wieder ein. In der Vorwoche stand deshalb die Finanzpolizei vor der Alptür, schließlich waren die Senner zum zweiten Mal ohne Beschäftigungsbewilligung angestellt. Die Familie musste die Alp verlassen und kam für kurze Zeit woanders unter. Diese Woche muss sie ausreisen.

Dem Betreiber droht eine Anzeige der Finanzpolizei wegen illegaler Beschäftigung, auch die Landespolizei könnte wegen des Aufenthaltsdelikts Anzeige erstatten. Die Finanzpolizei möchte sich auf VN-Anfrage zu laufenden Verfahren und konkreten Amtshandlungen nicht äußern. Auch von der Alpe Zamang war niemand zu einer Stellungnahme bereit. „Kein Kommentar“, hieß es auf VN-Anfrage. Nur so viel: Der Alpbetrieb gehe wie gewohnt weiter.