Gericht: Acht Jahre Haft wegen Kindesmissbrauchs

Vorarlberg / 25.07.2019 • 16:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte zeigte sich vor Gericht sehr betroffen über die vorgeworfenen Taten. ECKERT

Jugendbetreuer vergriff sich 20 Jahre lange an Buben und nutzte deren Vertrauen aus.

Christiane Eckert

Feldkirch Zerknirscht sitzt der 47-Jährige vor dem Schöffensenat am Landesgericht Feldkirch. Die Situation: vorgeführt aus dem Gefängnis, der Saal voller Menschen, Medienauflauf, Eltern der Opfer und wissend, dass gleich intimste Fragen gestellt werden. „Mein Mandant ist kein brutaler Mensch, er war sich der Tragweite seines Tuns nicht bewusst“, sagt Verteidigerin Nadja Luger in ihrem Eröffnungsplädoyer. Das Gutachten von Reinhard Haller spricht von klassischer Pädophilie und sieht beim Angeklagten eine Wiederholungsgefahr gegeben.

Jugendliche missbraucht

Der Angeklagte begann seine Tätigkeit als Jugendbetreuer in Altach im Jahr 1998. Wenig später kam es zu den ersten Übergriffen. Die Buben mochten den Mann, baten ihre Eltern, mit ihm Ausflüge machen zu dürfen und wollten bei ihm übernachten. Sein Wohnmobil war interessant, die Ausflüge in den Nenziger Himmel, den Bregenzerwald oder an den Gardasee machten Spaß. Zelten, campen, Filme schauen, das alles liebten die Jugendlichen. Als sie immer wieder Annäherungsversuche bemerkten, wankte das Bild. Einmal versuchte der Angeklagte einem Opfer einzureden, es habe alles nur geträumt. Immer wieder berührte und betastete er die Heranwachsenden im Intimbereich und es kam sogar mehrfach zu Oralsex.

Keine Hilfe gesucht

Auf die Frage, warum er sich nicht Hilfe gesucht habe, ringt der 47-Jährige um eine Antwort. Sich einem Verwandten oder Freund anzuvertrauen, schaffte er nicht. Den Rat eines Psychiaters holte er nicht ein, weil er fürchtete, dieser könnte ihn anzeigen. So ging es immer weiter, Jugendliche vertrauten ihm, er missbrauchte sie. Dass ihn heute Selbstvorwürfe quälen, scheint glaubwürdig. Mehrfach bricht er in der Verhandlung in Tränen aus. Als er beim Schlusswort selbst etwas schriftlich Verfasstes vorlesen möchte, muss er ebenfalls immer wieder unterbrechen. Heute scheint ihm bewusst zu sein, was er angerichtet hat. „Vergessen können Opfer solche Vorfälle nie, doch sie können lernen, besser damit umzugehen“, sagt Psychiaterin Gabriele Wörgötter, die sich eingehend mit den psychischen Folgen für die Opfer auseinandersetzte.

Doppelleben

Für die Jugendlichen waren die Vorfälle so schwer zu verstehen, weil der Mann für sie ein echter Kumpel war. Auf der anderen Seite tat er Dinge, die sie ablehnten. „Dass es sich zum Teil um Buben handelte, die dringend einen Vaterersatz oder eine Vertrauensperson suchten, macht besonders betroffen“, so Anita Einsle, die zwei der Buben als Anwältin vertritt. „Dass genau jene Person ihr Vertrauen missbraucht, war für die Kinder schwer zu verkraften“, so Einsle weiter. Aufgeflogen ist der Fall, weil zwei der Opfer nicht länger schweigen konnten und sich in Therapie begaben. Ein Betroffener schrieb auch dem Gericht einen Brief. Das Aufrollen der damaligen Ereignisse wühlte sämtliche Opfer auf, wieder mussten sie sich an Dinge erinnern, die sie vergessen wollten. Das Urteil, acht Jahre Haft, ist nicht rechtskräftig. Schadenersatzzahlungen wurden zum Teil in beträchtlicher Höhe anerkannt, die Haftung für künftige Schäden zugestanden. Das Gericht sprach überdies ein Berufsverbot für den Jugendbetreuer aus.