Strittiges Kunstwerk – Anrainer Günther Rauch gegen Bregenzer Kreisverkehr

Vorarlberg / 25.07.2019 • 09:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
So könnte der Kreisverkehr in der Bregenzer Strabonstraße mit der Skulptur aussehen. VISUALISIERUNG STADT BREGENZ

Günther Rauch ist sich sicher, dass es einen besseren Platz für das Kunstwerk „Wir alle hoffen …“ gibt.

Bregenz Am Kreisverkehr in der Bregenzer Strabonstraße herrscht reges Treiben. Mitarbeiter der Stadt asphaltieren. Es stehen nur mehr die Markierungsarbeiten aus. Diese Sanierungs- und Renovierungsarbeiten des Straßenbelags begrüßt Günther Rauch. Was den Anrainer allerdings auf die Barrikaden treibt, ist die von der Stadt geplante Platzierung des Kunstwerks „Wir alle hoffen …“ direkt im Kreisverkehr. „Ich sehe diesen geplanten Standort für das Kunstwerk kritisch. Mir ist klar, dass es schwer ist, einen richtigen Standort zu finden. Aber es muss doch für ein hochwertiges Kunstwerk einen geeigneteren Platz geben. Ansonsten ist das ein Armutszeugnis für die Kulturhauptstadt Bregenz“, wettert Günther Rauch.

Skulptur als Klettergerüst

Zur Vorgeschichte des Kunstwerks: Im Vorfeld des Jubiläums „100 Jahre Rieden-Vorkloster mit Bregenz“ hatte die Stadt 2018 einen Wettbewerb für ein Kunstwerk ausgeschrieben. Die Jury entschied sich einstimmig für den Entwurf „Wir alle hoffen …“ von Veronika Dirnhofer und Josef Jakob. Ende April 2019 wurde die Installation dann im Park Mariahilf der Öffentlichkeit übergeben. Kurz nach der Errichtung musste es aber wieder abgebaut werden, da es Kinder vom nahegelegenen Spielplatz zu einem Klettergerüst umfunktionierten. Mit dem Abbau begann die Suche nach einem geeigneten Platz für die Skulptur. Sie sollte im Stadtteil Rieden-Vorkloster bleiben und der Standort sollte nicht gut zugänglich sein. Als eine Option, die diese Vorlagen erfüllte, stellte sich der besagte Kreisverkehr an der Ecke Strabonstraße/Holzackergasse heraus. „Wir haben zwölf Standorte durch unsere Fachabteilungen prüfen lassen und dieser Standort ist der geeignetste. Nach der Prüfung gab es auch einen einstimmigen Beschluss aller Parteien im Stadtrat“, heißt es von der Stadt Bregenz.

„Es muss für ein hochwertiges Kunstwerk doch einen anderen Standort geben.“

Günther Rauch, Anrainer

Warum das eine Option ist, leuchtet Günther Rauch nicht ein. Auch nicht nach einem Gespräch mit Stadtvertretern Ende Juni. Seiner Argumentation zufolge verdient das Kunstwerk einen besseren Platz, weil es beim Vorbeifahren von den motorisierten Verkehrsteilnehmern nicht gewürdigt werden könne und auch vom Verkehr ablenke. Der 60-jährige Bregenzer sieht auch die Sicherheit des Schulwegs bzw. der Kinder gefährdet. Seiner Meinung nach lasse sich der Nachwuchs nicht davon abhalten, die Straße zu überqueren, um im Kreisverkehr auf der Skulptur herumzuklettern. „Auf dem Weg in den Kindergarten, in die Volks- und Mittelschule passieren unzählige Kinder von umliegenden Siedlungen diesen stark frequentieren Kreisverkehr. Und wie bitte soll man einem Sechsjährigen erklären, dass er nicht auf das Kunstwerk klettern darf“, zählt Rauch ein weiteres Gegenargument auf. Zahlreiche Autos und Mofas hätten das während der Baustelle geltende Fahrverbot ignoriert und seien einfach durchgefahren, weiß er aus eigener Beobachtung. Und da wolle die Stadt Kinder vom Klettern abhalten? Vonseiten der Stadt Bregenz werden die Eltern angesprochen: „Zu dem Kreisverkehr führt kein Zebrastreifen. Wir wollen schon auch an die Eigenverantwortung der Eltern appellieren. Zudem geht es auch um die Diskussion, wie man mit Kunst in der Öffentlichkeit umgeht.“

Informationsveranstaltung

Ob das Kunstwerk im Kreisverkehr seinen endgültigen Platz findet, wird sich diesen Donnerstag herausstellen. Um 18.30 Uhr gibt die Stadt Bregenz bei einer Informationsveranstaltung im Gemeinschaftshaus Vorkloster bekannt, was mit dem Kunstwerk passiert und stellt das Begrünungskonzept für den Kreisverkehr vor. Günther Rauch ist dabei und hat die Hoffnung auf einen geeigneteren Standort nicht verloren.

Ursprünglich stand die Skulptur im Park Mariahilf. VN/Steurer
Ursprünglich stand die Skulptur im Park Mariahilf. VN/Steurer