Bizarre Stunden der Anspannung

Vorarlberg / 26.07.2019 • 22:41 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Ein brutaler Mord in Frastanz bleibt Norbert Schwendinger besonders im Gedächtnis haften.

Frastanz Am 4. November 2015 um 4 Uhr morgens drang ein 26-jähriger Mann aus der Dominikanischen Republik in das Schlafzimmer seiner gleichaltrigen Ex-Freundin in Frastanz ein, erwürgte die im achten Monat schwangere Frau und zündete den Leichnam anschließend an.

Was zunächst nach einem gewöhnlichen Brandeinsatz der Feuerwehr aussah, entpuppte sich noch in den Morgenstunden als eines der grausamsten Verbrechen in der Kriminalgeschichte Vorarlbergs.

„Richtiges Einsatzteam“

Norbert Schwendinger, Chef der Mordkommission, erinnert sich lückenlos: „Ich hatte damals Journaldienst, die Mitteilung über den Vorfall kam am frühen Morgen herein. Es war irgendwie ein günstiger Zufall, da gleichzeitig mit mir ein Kollege von der Brandermittlung und ein weiterer von der Spurensicherung Dienst hatte. Wir waren somit somit das richtige Einsatzteam und machten uns sofort zum Tatort auf.“

Zunächst sei völlig unklar gewesen, woran die Frau gestorben war. Doch eines machte die Ermittler stutzig: Die Wohnungstür war eingeschlagen worden. „Die Feuerwehr versicherte uns aber, dass dies nicht während ihres Einsatzes geschehen war“, so der Chefermittler. Und: „Wir haben dann sofort die Staatsanwaltschaft informiert, um eine Obduktion zu veranlassen. Dank unserer guten Kontakte zur Gerichtsmedizin in Innsbruck wurde sie noch am selben Vormittag durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass jemand die Frau erwürgt hatte, während er mit beiden Beinen auf ihrer Brust kniete.“

Ein erster Hinweis

Der Kreis um die böse Ahnung schloss sich weiter, als noch am selben Morgen der Hinweis einging, dass das Opfer in letzter Zeit enorme Probleme mit ihrem Ex-Freund hatte. Eben jenem 26-jährigen Dominikaner, der in Liechtenstein wohnhaft war. Schwendinger: „Zeitgleich haben wir also unsere Kollegen in Liechtenstein informiert.“

Die Ermittler im Fürstentum wurden sofort aktiv. In Eigenregie begannen sie, den Verdächtigen zu observieren. „Sie nahmen dabei wahr und hielten fotografisch fest, wie der Mann sein Auto gründlich reinigte und etwas daraus auslud.“ Auch konnte festgestellt werden, dass der Dominikaner mit hoher Wahrscheinlichkeit Stunden zuvor mit dem Auto seiner Mutter zwei Mal die Grenze zu Vorarlberg überquert hatte. Die Verdachtsmomente erhärteten sich zunehmend. „Schließlich haben wir über die Staatsanwaltschaft seine Verhaftung angeregt.

Der Zugriff durch die Liechtensteiner Kollegen erfolgte noch am selben Tag, just in jenem Moment, als der Verdächtige wegfahren wollte“, sagt der Vorarlberger Kriminalist rückblickend. Beamte der Vorarlberger Mordgruppe waren bei einer Einvernahme in Liechtenstein anwesend. Doch der Tatverdächtige habe geschwiegen.

Beweisstück Smartphone

Bei einer Hausdurchsuchung der Wohnung des Verdächtigen sollte in der Garage schließlich ein Beweisstück sichergestellt werden, dass den Verdächtigen stark belasten würde. Es war das Smartphone des Opfers. Ein Handy, mit dem die Frastanzerin am Vorabend nachweislich noch telefoniert hatte und das der Dominikaner, der behauptete, schon länger nicht mehr in Frastanz gewesen zu sein, augenscheinlich verschwinden lassen wollte.

Fazit: „Zwei Jahre lang sind wir jeder Kleinigkeit nachgegangen. Ich hatte dabei eine besondere Beziehung zur Familie des Opfers, denn für sie war die Zeit bis zum Prozess sehr belastend. Schließlich haben sich die Indizien so sehr verstärkt und wurden so hieb- und stichfest, dass das Verfahren vor Gericht zu einem Schuldspruch führte.“

Der Dominikaner, bis zum Schluss nicht geständig, wurde am 5. Dezember 2017 vom Schwurgericht in Feldkirch zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein Urteil, das nicht nur die Angehörigen des Opfers, sondern auch Schwendinger erleichterte.

Zur Person

Norbert Schwendinger

Chefermittler in 28 vollendeten und 60 versuchten Mordfällen in Vorarlberg)

Geboren 5. Dezember 1958

Familie in Lebensgemeinschaft, zwei Kinder

Laufbahn 1979 bis 1991: Gendarmeriebeamter auf den Dienststellen Höchst und Lochau; 1991 bis 1996: Kriminalbeamter bei den Abteilungen Raub und Diebstahl; 1996 bis 2008: Leiter der Diebstahlsgruppe im Landeskriminalamt; 2008 bis 1. August 2019: Leiter der Abteilung LKA 1 Leib/Leben (Mordkommission); am 1. August geht der 60-Jährige in Pension

Lesen Sie im nächsten Teil: Das unfassbare Verbrechen an dem kleinen Cain.