Da rollt etwas auf uns zu

Vorarlberg / 26.07.2019 • 22:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Markus Hager präsentiert den E-Scooter made in Vorarlberg: SAEM.  VN/STEURER

Der E-Scooter-Boom hat Vorarlberg erreicht. Ein Überblick.

Geraldine Reiner

Bregenz, Dornbirn Plötzlich waren sie da: die E-Scooter auf Vorarlbergs Straßen. Mehrere Verleihe buhlen bereits um Kunden. Demnächst werden auch die ersten elektrisch angetriebenen Tretroller „made in Vorarlberg“ ausgeliefert.

Holmi hat am vergangenen Freitag in Kooperation mit der Stadt 20 Rollmis in Dornbirn aufgestellt. Weitere Städte in Vorarlberg seien in Planung. Marcel Loschin (33) und Andrea Voithofer (33) waren schon vorher da. Die beiden Salzburger sind seit 2015 in Vorarlberg, seit Mitte Juni vermieten sie E-Scooter in Bregenz. „Wir fanden es einfach eine coole Sache und nachdem es noch keine gab, haben wir uns gedacht, wir machen da kurzfristig was auf“, erzählt der Rent-a-scoot-Chef. Zwei der acht Tretroller wurden über den Sommer an den Fahrradverleih am See vermietet, die restlichen können beim Hotel Messmer ausgeliehen werden.

18 Cent pro Minute

Ortswechsel nach Dornbirn. Die Roller von Holmi, die Rollmis, fallen durch ihre rote Farbe auf, müssen vor der Fahrt aber erst einmal über die App gesucht werden. Das Entsperren kostet einen Euro, pro Minute fallen weitere 18 Cent an. Parkt man den E-Scooter in der bevorzugten Parkzone, bekommt man fünf Prozent Rabatt. Bei einer längeren Spritztour läppert sich dennoch einiges zusammen. Auch Rent-a-scoot wollte ursprünglich in Dornbirn einen Verleih aufbauen, doch dann kam Holmi dazwischen. „Nach Bregenz dürften die Sharinganbieter so schnell nicht kommen, weil Bregenz das saubere Stadtbild wahren will. Und auch wenn dem so sein sollte, für Touristen bleiben wir sicherlich interessant, weil wir auf die Dauer gesehen einfach günstiger sind“, sagt Marcel Loschin, der für eine Stunde neun Euro, für einen halben Tag 27 Euro und für einen ganzen Tag 39 Euro verlangt.

Marcel Loschin fährt auf den Ninebot von Segway ab. „Man muss sich  relativ genau einlesen, welche E-Scooter überhaupt zugelassen sind.“   VN/Paulitsch
Marcel Loschin fährt auf den Ninebot von Segway ab. „Man muss sich relativ genau einlesen, welche E-Scooter überhaupt zugelassen sind.“  VN/Paulitsch

Herkömmliche E-Scooter wie der Ninebot von Segway bringen an die zwölf Kilo auf die Waage. Markus Hager war das zu viel. „Es ist einfach extrem unangenehm, mit einem Tretroller im Bus zu fahren, wenn er so sperrig und schwer ist“, berichtet er aus der Praxis. Gemeinsam mit Mechatronik-Studienkollege Christian Krüse (35) hat der 28-jährige Bezauer daher vor knapp drei Jahren das Projekt SAEM ins Leben gerufen. Im Jänner wurde der E-Scooter aus Vorarlberg auf der Boot in Düsseldorf präsentiert. In ein bis zwei Monaten sollen die ersten 20 Vorbestellungen im Rahmen einer Limited Edition ausgeliefert werden und im Herbst die ersten Serienversionmodelle. Der 2300 Euro teure Flitzer wiegt nur knapp sechs Kilo. Der Akku ist handgepäcktauglich. Lenk- und Klappmechanismus sind patentiert. Das Planetengetriebe sorgt für eine hohe Übersetzung. Trittbrett und Griffe sind aus Holz. Die Steuersignal wird vom Display drahtlos zum Controller übertragen. Was möglich ist, wird in der Region produziert. „Es ist uns sehr wichtig, wie produziert wird. Wir haben auch im Plan, dass wir eine etwas größere Version machen“, verrät der SAEM-Cogründer.