Pechsträhne für Cannabisbauern

Vorarlberg / 26.07.2019 • 22:41 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Einer der beiden Angeklagten vor Gericht, sie wurden im Rahmen einer Diversion zu Geldbußen verdonnert. Eckert
Einer der beiden Angeklagten vor Gericht, sie wurden im Rahmen einer Diversion zu Geldbußen verdonnert. Eckert

Erst setzten Dürre und Diebe der Plantage zu und zuletzt setzte es noch eine Geldbuße.

Feldkirch Am Anfang informierten sich die beiden Oberländer noch über Botanik, Wachstum und Aufzuchtbedingungen. Am Kummenberg, mitten in der Wildnis, zwischen Gestrüpp und Bäumen, pflanzten sie dann ihre 20 Stecklinge in den Waldboden. Zunächst goss man noch fleißig, doch in der unwegsamen Gegend, wo man nur mühsam vorankommt und sich kaum einen Weg durch das Dickicht bahnen kann, war dies anstrengend. Bepackt mit zwei Rucksäcken voll mit PET-Flaschen brachten der 31-jährige Erst- und der 38-jährige Zweitangeklagte den Pflanzen Wasser. Doch dann machte der eine Arbeitslose einen Monat lang Urlaub. „Ich gebe zu, dass ich das Gießen dann ziemlich schleifen habe lassen“, gesteht der andere beim Prozess am Landesgericht Feldkirch, dass er die Wasserschlepperei satthatte.

Pflanzen verdörrt

So gingen von den 20 Pflanzen zehn zugrunde. Die zehn weiteren kämpften sich durch. Doch dann kam der nächste Rückschlag. Diebe hatten das Grundstück gefunden und fünf Stauden gestohlen. Die Unbekannten hatten jeweils die gesamte Pflanze ausgegraben. „Wir haben quasi eine Noternte durchführen müssen, damit die anderen nicht auch noch geklaut werden“, erinnert sich einer der beiden. Der verbleibende Rest ergab rund 50 Gramm Cannabis. „Das haben wir innerhalb der nächsten Monate verraucht“. Aus einer Pflanze habe man nur noch Tee machen können, die Ernte sei alles andere als ertragreich gewesen. „Es stimmt, vor der Polizei haben sich meine Mandanten noch herauszureden versucht, aber heute geben sie zu, was sie gemacht haben“, so Verteidigerin Astrid Nagel. „Wir haben uns dieses Gelände ausgesucht, weil es so schwer zugänglich war, im Garten kann man ja schließlich kein Cannabis anbauen. Da zeigen ja die Nachbarn auf dich“, erklärt einer der Oberländer. Angefangen habe das Ganze, weil er nach einem Bandscheibenvorfall Schmerzen gehabt habe.

Weil sie das Gras nur für den Eigenkonsum verwenden und keinen Handel betreiben wollten, kommen die beiden bei dieser Menge mit einer Diversion davon. Mit jeweils 580 Euro Geldbuße sollte die Sache vom Tisch sein. EC