Hinter den Kulissen: Von Kohlekraft und Schwimmbad-Wahlkampf

Vorarlberg / 27.07.2019 • 16:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Foto zur Neos-Kohleaktion führte Online zu einer Modediskussion über Kurzarmhemden. NEOS

Gegenteiltaktik Die hohe Politik lässt es sich meistens nicht nehmen, die Festspieleröffnung in Bregenz zu besuchen. Gerade in Wahlkampfzeiten genießt die politische Spitze die medialen Scheinwerfer, das an diesem Tag auf alle Besucher gerichtet ist. Die Übergangsregierung muss sich keiner Wahl stellen, sie fehlte fast geschlossen. Außen- und Kulturminister Alexander Schallenberg (50) bildete die Ausnahme. Von den Bundesparteichefs verschlug es lediglich Beate Meinl-Reisinger (41, Neos) und Werner Kogler (57, Grüne) an den Bodensee. Die SPÖ war zwar mit Geschäftsführer Thomas Drozda (54) und der zweiten Nationalratspräsidentin Doris Bures (56) prominent vertreten, die Chefin fehlte aber. Pamela Rendi-Wagner (48) versucht es offenbar mit ungewohnten Wegen. Sie verzichtete auf das Rampenlicht und plant, Rigoletto erst zur letzten Vorstellung am 18. August zu besuchen.

Kohlekraft Wahlkampf bedeutet, mit ungewöhnlichen Mitteln auf eigene Belange und Standpunkte aufmerksam zu machen. Auch die Neos sind kreativ unterwegs. Heute, Samstag, sind Nationalratskandidat Gerald Loacker (45) und Bezirkskoordinator Sasha Petschnig (40) auf dem Bludenzer Markt anzutreffen. Denn sie ärgern sich: „Skandale und Machenschaften haben die Politik in den letzten Monaten geprägt. Letztendlich müssen die Bürgerinnen und Bürger zahlen“, heißt es in der Einladung. Die Neos wollen den Bürgern deshalb symbolisch ihre Kohle zurückgeben; und zwar in Form von Grillkohle. Für den Klimaschutz kann diese Aktion allerdings nicht gewertet werden, bläst ein durchschnittlicher Holzkohlegrill doch 6,7 Kilogramm CO2 in die Luft. Loacker muss jedenfalls rennen: Nachdem der ehemalige Kurier-Chef Helmut Brandstätter (64) auf Platz zwei der Bundesliste antritt, rutscht Loacker auf Rang fünf. 2017 wäre er damit gerade noch im Nationalrat gelandet. Je nach Konstellation könnte sein Sitz also wackeln. Außer er holt das Landesmandat. Dafür sind aber über zwölf Prozent der Stimmen nötig.

Schwarzes Bad Vor dem Wahlkampf ist man in Bludenz nirgends sicher. So laden die JVP und der Landtagswahlkandidat Christoph Thoma (45, ÖVP) Mitte August zum einer Veranstaltung mit dem Titel „Pool&Politics“ in das Schwimmbad Val Blu. Eine super Idee, fanden die Junos. Also wollten auch sie eine Veranstaltung im stadteigenen Bad abhalten. Das Val Blu habe abgesagt, empört sich nun Junos-Chefin Fabienne Lackner (21). Der Schwimmbadbetreiber betone nämlich, nur für das reine Freizeitvergnügen da zu sein, nicht für politische Veranstaltungen. Am Freitagabend dann die Meldung: Der Badebetreiber hat auch die Junos zu dieser Veranstaltung eingeladen, unter der Bedingung, kein Werbematerial zu verteilen. Die Junos nehmen gerne teil, heißt es. Und: „Dass die Veranstaltung mit dem Titel „Pool&Politics“ (JVP) zu der öffentlich geladen wird, anscheinend nicht als politische Werbung – die offensichtlich im Freibad untersagt ist – eingestuft wird, nehmen wir verwundert zur Kenntnis.“