Mord in Frastanz: Bizarre Stunden der Anspannung

Vorarlberg / 27.07.2019 • 07:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Norbert Schwendinger schildert die Ermittlungen nach der grausamen Bluttat an einer schwangeren Frau in Frastanz. PAULITSCH

VN-Serie Teil 3: Der Leiter der Mordkommission erzählt.

Frastanz Am 4. November 2015 um 4 Uhr morgens drang ein 26-jähriger Mann aus der Dominikanischen Republik in das Schlafzimmer seiner gleichaltrigen Ex-Freundin in Frastanz ein, erwürgte die im achten Monat schwangere Frau und zündete den Leichnam anschließend an.

Was zunächst nach einem gewöhnlichen Brandeinsatz der Feuerwehr aussah, entpuppte sich noch in denselben Morgenstunden als eines der grausamsten Verbrechen in der Kriminalgeschichte Vorarlbergs. Und zwar Schritt für Schritt.

„Richtiges Einsatzteam“

Norbert Schwendinger, Chef der Mordkommission, erinnert sich lückenlos: „Ich hatte damals Journaldienst, die Mitteilung über den Vorfall kam am frühen Morgen herein. Es war irgendwie ein günstiger Zufall, da gleichzeitig mit mir ein Kollege von der Brandermittlung und ein weiterer von der Spurensicherung Dienst hatte. Wir waren somit das richtige Einsatzteam und machten uns sofort zum Tatort auf.“

„Es war irgendwie ein günstiger Zufall, da gleichzeitig mit mir ein Kollege von der Brandermittlung und ein weiterer von der Spurensicherung Dienst hatte.“

Chefermittler Norbert Schwendinger

Zunächst sei völlig unklar gewesen, woran die Frau gestorben war. Doch eines machte die Ermittler stutzig: Die Wohnungstüre war eingeschlagen worden. „Die Feuerwehr versicherte uns aber, dass dies nicht während ihres Einsatzes geschehen war“, so der Chefermittler. Und: „Wir haben dann sofort die Staatsanwaltschaft informiert, um eine Obduktion zu veranlassen. Dank unserer guten Kontakte zur Gerichtsmedizin in Innsbruck wurde sie noch am selben Vormittag durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass jemand die Frau erwürgt hatte, während er mit beiden Beinen auf ihrer Brust kniete.“

Ein erster Hinweis

Der Kreis um die böse Ahnung schloss sich weiter, als noch am selben Morgen der Hinweis einging, dass das Opfer in letzter Zeit enorme Probleme mit ihrem Ex-Freund hatte. Eben jenes 26-jährigen Dominikaners, der in Liechtenstein wohnhaft war. Schwendinger: „Zeitgleich haben wir also unsere Kollegen in Liechtenstein informiert.“

Die Ermittler im Fürstentum wurden sofort aktiv. In Eigenregie begannen sie, den Verdächtigen zu observieren. „Sie nahmen dabei wahr und hielten fotografisch fest, wie der Mann sein Auto gründlich reinigte und etwas daraus auslud.“ Auch konnte festgestellt werden, dass der Dominikaner mit hoher Wahrscheinlichkeit Stunden zuvor mit dem Auto seiner Mutter zwei Mal die Grenze zu Vorarlberg überquert hatte. Die Verdachtsmomente erhärteten sich zunehmend. „Schließlich haben wir über die Staatsanwaltschaft seine Verhaftung angeregt. Der Zugriff durch die Liechtensteiner Kollegen erfolgte noch am selben Tag, just in jenem Moment, als der Verdächtige wegfahren wollte“, sagt der Vorarlberger Kriminalist rückblickend. Beamte der Vorarlberger Mordgruppe waren bei einer Einvernahme in Liechtenstein anwesend. Doch der Tatverdächtige habe geschwiegen.

Beweisstück Smartphone

Bei einer Hausdurchsuchung der Wohnung des Verdächtigen sollte in der Garage schließlich ein Beweisstück sichergestellt werden, dass den Verdächtigen stark belasten würde. Es war das Smartphone des Opfers. Ein Handy, mit dem die Frastanzerin am Vorabend nachweislich noch telefoniert hatte und das der Dominikaner, der behauptete, schon länger nicht mehr in Frastanz gewesen zu sein, augenscheinlich verschwinden lassen wollte.

Zwei Jahre nach der Tat, am 5. Dezember 2017, wurde Fabricio P. zu lebenslanger Haft verurteilt. Stiplovsek
Zwei Jahre nach der Tat, am 5. Dezember 2017, wurde Fabricio P. zu lebenslanger Haft verurteilt. Stiplovsek

Fazit: „Zwei Jahre lang sind wir jeder Kleinigkeit nachgegangen. Ich hatte dabei eine besondere Beziehung zur Familie des Opfers, denn für sie war die Zeit bis zum Prozess sehr belastend. Schließlich haben sich die Indizien so sehr verstärkt und wurden so hieb- und stichfest, dass das Verfahren vor Gericht zu einem Schuldspruch führte.“ Der Dominikaner, bis zum Schluss nicht geständig, wurde am 5. Dezember 2017 vom Schwurgericht in Feldkirch zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein Urteil, das nicht nur die Angehörigen des Opfers, sondern auch Schwendinger erleichterte.