Der öffentliche Sektor als Jobmotor

Vorarlberg / 30.07.2019 • 08:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die KHBG zählt zu den größten Arbeitgebern in Vorarlberg.  khbg

Die KHBG zählt zu den größten Arbeitgebern in Vorarlberg.  khbg

14.100 neue öffentliche Stellen seit dem Jahr 2000.

Schwarzach Ein Renner unter den politischen Botschaften lautet derzeit: Sparen im System. Damit sollen Verwaltungsausgaben reduziert werden, öffentliche Leistungen aber unberührt bleiben. Wer Verwaltungsausgaben senken möchte, landet rasch beim Personal. Michael Diettrich hält das für ein Problem, denn das System, an dem gespart werden soll, stelle einen wesentlichen volkswirtschaftlichen Faktor dar. Diettrichs Fazit: „Zugespitzt könnte man behaupten, der Jobmotor in Vorarlberg war nicht die Industrie, sondern die öffentliche Hand.“

„Wer schafft die Arbeit? Die Wirtschaft schafft die Arbeit!“, rief die ehemalige Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) einst ins Plenum des Nationalrats. Allerdings nicht nur die Wirtschaft. Eine Auswertung der Zahlen der Statistik Austria zeigt: Zwischen den Jahren 2000 und 2016 ist die Zahl der Erwerbstätigen im Land um 37.600 gestiegen. Davon entfallen 4400 auf den Handel, 3700 auf die Industrie und Warenproduktion und 2700 auf Beherbergung und Gastronomie. 14.100 der neuen Stellen befinden sich im öffentlichen Sektor, wie Diettrich vorrechnet. 1000 davon in der öffentlichen Verwaltung, 4400 im Bereich Erziehung und Unterricht und 8700 im Gesundheits- und Sozialwesen.

Öffentliche Institutionen können nicht einfach Personal einstellen, wie es ihnen beliebt. Die Landesregierung muss jährlich einen Beschäftigungsrahmenplan beschließen. 2018 sind darin 4900 Vollzeitäquivalente, im Jahr 2010 waren es noch 4400. Vollzeitäquivalent bedeutet, dass alle Beschäftigten zusammen in Vollzeitstellen umgerechnet werden. Die Zahl der Angestellten ist wesentlich höher. In der Landesverwaltung arbeiten aktuell 1934 Angestellte in 1680 Vollzeitstellen, wie Markus Vögel, Personalchef des Landes, erklärt. Im Jahr 2016 waren es 1879 Menschen. 2018 gab das Land dafür 133,8 Millionen Euro an Personalkosten aus.

KHBG größter Arbeitgeber

Der Großteil der Landesbediensteten arbeitet in den Landeskrankenhäusern: 2018 waren es 4371 Beschäftigte in rund 3300 Vollzeitstellen. Die KHBG (Krankenhausbetriebsgesellschaft) zählt somit zu den größten Arbeitgebern des Landes. KHBG-Chef Gerald Fleisch spricht von einem Balanceakt. Einerseits müsse wirtschaftlich gearbeitet, andererseits ein Gesundheitssystem aufrecht erhalten werden. „Das Augenmaß ist wichtig.“ In zehn Jahren ist der Mitarbeiterstand um 500 gewachsen. „Manche sagen, das sei viel, für andere ist es viel zu wenig“, fährt Fleisch fort.

In Jahren, in denen die Wirtschaft nicht lief, sprang die öffentliche Hand ein. Zum Beispiel 2008 bis 2010, als die Industrie 1000 Stellen abbaute, kamen 1700 öffentliche dazu. Für Diettrich steht fest: „Ohne die Kompensation wäre die Arbeitslosigkeit in Vorarlberg noch heute deutlich höher.“ Schrumpft die Wirtschaft, ist es für öffentliche Stellen einfacher, Personal zu finden. Die KHBG zum Beispiel beschäftigt IT-Techniker und 500 kaufmännische Mitarbeiter. „Wenn die Konjunktur wächst, können wir oft nicht mithalten“, betont Fleisch.

Arbeitsmarkt seit 2000

37.600 Beschäftigungsverhältnisse enstanden in Vorarlberg zwischen den Jahren 2000 und 2016

14.100 davon im öffentlichen Sektor, 4400 im Handel, 3700 in der Produktion und Industrie, 2700 in der Gastronomie und Beherbergung

8700 der öffentlichen Stellen befinden sich im Gesundheits- und Sozialwesen, 4400 im Bereich Erziehung und Unterricht, 1000 in der Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung

24,1 Millionen Arbeitsstunden kamen dazu. Davon wuchs der öffentliche Sektor um 11,6 Millionen Stunden, private Dienstleistungen und Freiberufe um 9,6 Millionen Stunden