Eine haarige Angelegenheit

Vorarlberg / 01.08.2019 • 18:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bei der Marschbewertung gehe es darum, dass die Kapelle bei ihren künftigen Auftritten „ein würdiges, schönes Auftreten gegenüber der Bevölkerung hat“, sagt Erik Brugger. VN
Bei der Marschbewertung gehe es darum, dass die Kapelle bei ihren künftigen Auftritten „ein würdiges, schönes Auftreten gegenüber der Bevölkerung hat“, sagt Erik Brugger. VN

Beim Bundesmusikfest in Tirol geriet man sich wegen einer Frisurenvorgabe in die Haare. Mittendrin war ein Vorarlberger.

Geraldine Reiner

WEißenbach, Schwarzach In Tirol ist ein haariger Streit entbrannt. Der Schauplatz: das Bundesmusikfest in Weißenbach. Am Sonntag zeigten dort über 30 Kapellen beim Marschmusikwettbewerb ihr Können. Das wäre an und für sich nichts Besonderes, wenn da nicht die Haare gewesen wären. Auch ein Vorarlberger spielte dabei eine gewisse Rolle.

Was war passiert? Der Außerferner Musikbund hatte den Musikantinnen laut der Tiroler Tageszeitung (TT) nahegelegt, lange Haare zusammengebunden zu tragen. Dies sei eine Vorgabe des Trachtenverbandes Tirol. Wer sich nicht daran halte, müsse beim Erscheinungsbild mit Punkteabzügen rechnen. Einige empfanden das als „Respektlosigkeit Frauen gegenüber“. Am Ende erklärte der Außerferner Bezirksstabsführer Roland Hohenrainer gegenüber der TT, dass die Bürgermusikkapelle Reutte den dritten Platz verfehlt habe, weil auf dem Bewertungszettel die Haare explizit als Mangel angeführt gewesen seien. Der Juryvorsitzende, der Tiroler Landesstabsführer Robert Werth, widersprach: „Abzüge für offenes Haar gibt es nicht und wird es, solange ich Landesstabsführer bin, auch nicht geben. Das würde auch die persönliche Freiheit eines jeden einschränken und das will sicher keiner.“

In der Jury in Weißenbach saß auch der Vorarlberger Landesstabsführer Erik Brugger. Sein Tiroler Kollege habe ihn informiert, dass einige deswegen „heiß“ seien, allerdings sei auch sehr viel aufgebauscht worden. Er selbst habe vermerkt, dass es empfehlenswert wäre, die Haare zusammenzubinden, Punkte habe er dafür aber keine abgezogen. Generell sei es so, dass es in den Richtlinien des Blasmusikverbandes keine Haar-Klausel gebe. „Allerdings hätte der Trachtenverband schon gerne, dass die Haare dementsprechend getragen werden. Die meisten Kapellen beziehen ja auch eine Förderung vom Landestrachtenverband, wenn sie sich eine Tracht anschaffen“, erläutert Brugger. Bei der Vorbereitung würde man die Musikanten darauf hinweisen, dass das Zusammenbinden Sinn mache, auch darum, „weil die Haare während des Wettbewerbs stören können. Egal ob Frauen oder Männer, alle werden gleich behandelt“, unterstreicht der Landesstabsführer.

Empfehlungen

Der Vorarlberger Trachtenverband spreche lediglich Empfehlungen aus, sagt Geschäftsführerin Ulrike Bitschnau. Nicht, um den Leuten lästig zu tun, sondern weil alles seinen Sinn habe. Zum einen sei es ein Schutz, da Shampoo, Festiger oder Haarspray einen Film auf der Tracht hinterlassen würden. „Speziell wenn man etwas Besticktes anhat, dann geht das kaputt“, betont Bitschnau. Zum anderen sehe es aufgeräumter aus. Bei den Herren werde der Punkt Frisur in den Empfehlungen deshalb nicht angeführt, „weil ich noch nie einen Musikanten gesehen habe, der die Haare offen hat. Da setzt man das einfach voraus.“

„Speziell wenn man etwas Besticktes anhat, dann geht das kaputt.“