Die schleichende Gefahr durch Killerkeime

Vorarlberg / 02.08.2019 • 18:51 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gabriele Hartmann ist Keimen wie dem Carbapenem-resistenten Bakterium auf der Spur. vlk
Gabriele Hartmann ist Keimen wie dem Carbapenem-resistenten Bakterium auf der Spur. vlk

Auch in Vorarlberger Spitälern werden multiresistente Bakterien zum Problem.

FELDKIRCH Nur einen Tag verbrachte der Mann auf der Station eines ägyptischen Krankenhauses, doch die wenigen Stunden reichten, um sich multiresistente Keime einzufangen. Ähnlich erging es einem Vorarlberger, der nach einem Unfall in einem türkischen Spital behandelt werden musste. Kurz danach wurde er ins Landeskrankenhaus Feldkirch überstellt. Dort sind die Ärzte derzeit immer noch bemüht, die gestörte Mikrobenflora zu sanieren.

Multiresistente Erreger sind so etwas wie ein medizinischer Albtraum, weil mit herkömmlichen Antibiotika oft nur schwer in den Griff zu bekommen. Auch in den heimischen Krankenhäusern stellen diese Killerkeime ein immer wiederkehrendes Problem dar.

Als Risikopatienten gelten Personen, die häufig ins Krankenhaus müssen und viele Antibiotikatherapien hinter sich haben, und solche, die aus anderen, vor allem ausländischen Gesundheitseinrichtungen kommen. „Sie werden ausnahmslos auf multiresistente Keime getestet“, betont Oberärztin Gabriele Hartmann. Sie leitet im Landeskrankenhaus Feldkirch das Institut für Krankenhaushygiene und Infektionsvorsorge.

Überwachung

Pro Woche werden 10 bis 15 Abstriche durchgeführt. Es können aber auch 50 bis 60 sein. Um nicht gleich auf die mit deutlich mehr Nebenwirkungen verbundenen Reserveantibiotika zurückgreifen zu müssen, erfolgt bei betroffenen Patienten eine engmaschige Überwachung. „Sobald es möglich ist, setzen wir die Antibiotikabehandlung ab“, erklärt Hartmann, denn je länger Antibiotika nötig sind, umso resistenter werden die Keime. Hoch dosiert, aber kurz, lautet deshalb das Credo. Gabriele Hartmann ist als Spezialistin gefragt. Zigmal während einer halben Stunde schrillt das Telefon. Am Apparat sind Ärzte, die mit ihr das weitere Vorgehen zu einer Antibiotikatherapie besprechen wollen. Diese Zusammenarbeit ist der Oberärztin wichtig. Sie besucht regelmäßig die Intensivstation und einmal wöchentlich die Kinder-Intensivstation. Alle Krankenhäuser verfügen zudem über Hygienefachkräfte. Kurze Wege seien für die Patientenversorgung von Vorteil. Es brauche aber auch die mikrobiologischen Laborkapazitäten, um schnell reagieren zu können. Sowohl mit dem Personalstand wie mit der Infrastruktur ist Hartmann zufrieden.

Risikofaktor

Obwohl sich resistente Keime häufen, spricht sie in Bezug auf die hiesigen Krankenhäuser noch von einer Insel der Seligen. „Wir haben keine Transplantationsstation“, nennt sie einen Grund. Patienten, die eine Transplantation hinter sich haben, müssen anfangs hochdosiert mit Immunsuppressiva behandelt werden, die das Immunsystem herunterfahren. Treten dann vermehrt Infektionen auf und werden immer wieder Antibiotika verabreicht, ist das Risiko für das Auftreten von Resistenzen erhöht.

Viele Patienten bringen die Keime schon mit ins Spital. Haut, Rachen oder Darm sind besiedelt, ohne dass die Personen erkranken. Erst Antibiotika rüsten die Keime hoch. „Das ist ein natürliches Verhalten. Auch Bakterien wollen überleben“, sagt Gabriele Hartmann. Deshalb müsse Ziel sein, die Anwendung von Antibiotika kurz zu halten, ohne dass der Patient leidet. Hinweise, Antibiotikapackungen fertig zu nehmen, sind laut der Hygienikerin überholt. Sie hat 1998 damit begonnen, dieses Bewusstsein in der Ärzteschaft zu verankern. Inzwischen ist es verwurzelt. Schulungen und eine Hygiene-Ordnung tragen dazu bei, dass es so bleibt.