Gericht: Drei Jahre Haft für Trafikräuber

Vorarlberg / 02.08.2019 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die beiden jungen Männer als Angeklagte vor Gericht. Sie wurden nach nur kurzer Flucht verhaftet. Eckert
Die beiden jungen Männer als Angeklagte vor Gericht. Sie wurden nach nur kurzer Flucht verhaftet. Eckert

Nach Überfall auf Hörbranzer Trafik im Mai müssen die Täter für eine Weile einsitzen.

Christiane Eckert

Feldkirch Im Mai suchten Polizeibeamte die Gemeinden Hörbranz, Hohenweiler und Umgebung ab. Ein ungewöhnliches Bild: Der Hubschrauber kreiste, Einsatzkräfte der Polizei waren auf Feldwegen, in Wäldern und auf Nebenstraßen zu sehen. Der Grund: Ein bewaffneter Raubüberfall auf eine Tabaktrafik mitten in Hörbranz am helllichten Tag. Im ersten Moment konnten weder Fahnder noch Opfer einschätzen, ob es sich um Schwerkriminelle oder jugendliche Dilettanten handelte. In dem Fall waren es zwei Leiblachtaler im Alter von 18 und 20 Jahren, in dem kleinen Ort bekannt und unauffällig. Was sie zu dem Raub getrieben hat, ist schwer verständlich. Sie hatten zwar keinen Job, aber keiner von ihnen ist spiel- oder drogensüchtig. Offenbar spielten auch Langeweile und eine gewisse Naivität eine Rolle. Nun mussten sich die beiden vor Gericht verantworten.

Dazugelernt

Seit Mai sitzen die beiden, die einen recht jugendlichen Eindruck machen, erstmals im Gefängnis. Der 18-Jährige ist zwar groß gewachsen, wirkt aber regelrecht kindlich. „Das Unrechtsbewusstsein ist in dieser Zeit gewachsen“, sagt Verteidigern Olivia Lerch. Sie bittet auch das Gericht, das zeitweilige Grinsen ihres Mandanten zu entschuldigen. Er sei so nervös, dass er seine Mimik nicht im Griff habe. Wie dumm die Tat war, zeige schon der Umstand, dass die beiden ein Moped benutzten, das jeder im Ort kannte. Dass alles von der Videokamera festgehalten wurde, wurde den beiden zum Verhängnis. Der eine wartete mit dem Moped vor der Trafik, der andere bedrohte im Geschäftslokal eine Angestellte und die Chefin mit einer Waffe. Er repetierte sie, um Eindruck zu schinden. „Das sollte Angst machen“, hatten beide Täter zuvor besprochen. Und das machte es auch. Die Frauen gaben 4400 Euro Beute heraus und die Räuber verschwanden.

Späte Folgen

Die 58-jährige Kioskbetreiberin sagt als Zeugin aus. Zunächst dachte sie, sie habe den Vorfall ganz gut weggesteckt. Doch dann kamen die Schlafstörungen, Schwindel und die Gedanken, die immer und immer wieder um diesen bewaffneten Raub kreisten. Die Frauen stehen wieder in der Trafik, aber sie haben oft ein ungutes Gefühl, das so schnell auch nicht verschwinden wird. Beide Opfer sind in Therapie. Ihnen werden als Teilschmerzensgeld jeweils 1000 Euro zugesprochen. Opfervertreterin Anita Einsle wehrt sich dagegen, dass die Tat seitens der Verteidigung als „Dummheit“ und als „unbedacht“ dargestellt wird. „Ein Mensch in dem Alter kann sich vorstellen, dass man vor einer Waffe Angst hat, wenn man damit bedroht wird. Es war klar: Möglichst viel Angst führt zu möglichst viel Geld“, so Einsle. Sie wünscht sich eine hohe Strafe für die zwei Räuber.

Keine Entschuldigung

Wie schwer sich das Opfer heute noch tut, ist im Saal spürbar. Die Frau will die Männer nicht einmal ansehen: „Bitte nicht!“, meidet sie die Gesichter. Die Entschuldigung der beiden kann sie nicht annehmen und dazu zwingt sie auch niemand. Die Burschen machen einen betroffenen Eindruck. „So weit haben wir nicht gedacht“, sagen sie. Das Urteil, drei Jahre unbedingte Haft für beide Angeklagten, ist nicht rechtskräftig.