In Haft für Schlag auf Nase

Vorarlberg / 02.08.2019 • 22:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Einer der Angeklagten und seine Verteidigerin Sabine Gantner-Doshi. Eckert
Einer der Angeklagten und seine Verteidigerin Sabine Gantner-Doshi. Eckert

Angeklagter nahm sich den Freund seiner eifersüchtigen Schwester vor.

Feldkirch Das Beweisverfahren hat es in sich, dementsprechend dauert der Prozess am Landesgericht Feldkirch fünf Stunden statt zwei. Es gibt drei Angeklagte und alle haben ihre Version der Geschichte.

Da ist das einstige Liebespaar, der 34-jährige Erstangeklagte und seine 39-jährige, ehemalige Freundin. Die beiden führten offenbar eine krisengeschüttelte Beziehung. Er war noch mit einer anderen Frau verheiratet, hat drei kleine Kinder und die Scheidung war im Gange. Sie war eifersüchtig und genervt von den ständigen Kinderbesuchen und fremden Eheproblemen. Die 39-Jährige führt ein selbständiges Leben, arbeitet in der Schweiz und verdient mit 2500 Euro netto äußerst gut. In „guten Zeiten“ lieh sie dem Freund, der knapp bei Kasse war, über 30.000 Euro, auch das belastete die Beziehung. Eines Tages erreichte sie ihren Freund nicht am Handy. Angeblich setzte sie in solchen Fällen die Familienmitglieder ihres Partners an, sie sollen ihn anrufen. Doch dieses Mal bat sie ihren eigenen, neunfach vorbestraften Bruder, sie persönlich in die Wohnung des Mannes zu begleiten. Offenbar glaubte die 39-Jährige, ihr Freund habe eine andere Frau bei sich in der Wohnung. Der Bruder trat die Türe ein, was ihm als Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung angelastet wird. Danach schlug er dem 34-Jährigen, der gerade mit einem Handtuch aus der Dusche kam, mit der Faust mehrfach ins Gesicht, was eine gebrochene Nase zur Folge hatte.

Version zurechtgereimt

Während des Vorfalls wurde dem Bruder seine Vorstrafensituation bewusst und er überredete den Verletzten, eine ganz andere Geschichte zu erzählen. Die Türe wäre ihm auf die Nase gefallen. Um seinen Überredungskünsten Nachdruck zu verleiten, übte er Druck auf das Opfer aus, drängte und drohte. So erzählten zunächst alle drei das Märchen vom Unfall mit der Türe.

Als die Ehe schließlich beendet war, machte das Opfer reinen Tisch und erzählte die wahre Geschichte. Für seine ursprünglich falschen Angaben wurde er am Landesgericht Feldkirch zu 1280 Euro Geldstrafe verurteilt und seine nunmehrige Ex-Freundin zu 9520 Euro. Deren gewalttätiger Bruder muss für 21 Monate in Haft. EC