Integra muss intern kräftig ausmisten

Vorarlberg / 02.08.2019 • 18:41 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Brigitte Eggler-Bargehr: „So etwas habe ich noch nie gesehen.“VN/Steurer
Brigitte Eggler-Bargehr: „So etwas habe ich noch nie gesehen.“VN/Steurer

Landesrechnungshof stieß bei Prüfung auf viele Missstände. 31 Empfehlungen zur raschen Umsetzung.

BREGENZ Berechnend oder einfach nur naiv? Auf diese Frage fand selbst Brigitte Eggler-Bargehr im Zusammenhang mit der Prüfung der Arbeitsinitiative Integra keine schlüssige Antwort. So viel stellte die Direktorin des Landesrechnungshofs (LRH) aber fest: „Bei einigem war den Verantwortlichen die Tragweite ihres Handelns wohl nicht bewusst.“ Dafür sprach ihr einleitender Satz Bände: „Die Integra zeigt, was strukturelle Schwächen und mangelnde Kontrollen alles ermöglichen.“ So wurden etwa private Strafmandate aus Geldern der Integra bezahlt. Besonders enttäuscht zeigte sich Eggler-Bargehr jedoch darüber, dass entgegen den Beteuerungen der Geschäftsführer nicht alles offengelegt wurde. „Das hat unser Vertrauen in die bereitgestellten Informationen stark beeinträchtigt“, räumte sie bei der Präsentation des Prüfberichts ein. Entsprechend kritisch gingen die Prüfer über die Bücher und förderten allerlei Missstände zutage. Inzwischen wurde von den Gesellschaftern, die VN berichteten, schon mit dem Aufräumen begonnen. Ein nicht in der Buchhaltung aufscheinendes Sparbuch kostete einen der Geschäftsführer bereits den Job. Zudem wurde die Stelle eines kaufmännischen Leiters ausgeschrieben.

Großzügige Sozialleistungen

Die Prüfung umfasste die Jahre 2016 bis 2018 und da die Bereiche Organisation, Kontrolle und Finanzen. Der Handlungsbedarf ist laut LRH groß. Es wurde, wie auch der Geschäftsführer in einer Stellungnahme schrieb, äußerst hemdsärmelig agiert. „Dieser Begriff trifft es genau“, meinte Eggler-Bargehr. Fehlende Abrechnungen, großzügige Sozialleistungen (etwa bei der Privatnutzung von Firmenfahrzeugen) und eine lasche Führung der 16 Handkassen sind nur einige der Mängel, die ans Tageslicht kamen. Sie wurden möglich, weil die 2013 aus der Verschmelzung mit anderen Sozialorganisationen entstandene Integra Vorarlberg die Tätigkeitsfelder nie zusammengeführt hat. „Jeder Geschäftsführer leitete seine Teilbereiche weiterhin wie separate Unternehmen“, kreidete die LRH-Chefin an. An dieser Situation müsse sich bald etwas ändern. Insgesamt 31 Empfehlungen hat der Landesrechnungshof der Integra zur dringenden Umsetzung ins Stammbuch geschrieben.

Ins Rollen kam der Fall, nachdem bekannt geworden war, dass ein verurteilter Millionenbetrüger mit noch offener Haftstrafe bei der Integra in einflussreicher Position arbeitet. Die beiden Geschäftsführer hatten zwar immer bestritten, dass dieser in einer Bereichsleitung tätig ist, der Rechnungshof stellte jedoch fest, dass ihm sehr wohl eine Sonderrolle zukam. Immerhin entfiel ein Viertel des Umsatzes auf seinen Arbeitsbereich. Gleichzeitig betonte BrigitteEggler-Bargehr, dass sich der entstandene finanzielle Schaden insgesamt in Grenzen hält und nichts unrechtmäßig war. Ein Kopfschütteln entlockte ihr jedoch der Umstand, dass die Eltern des fragwürdigen Mitarbeiters zum Kennenlernen in ein Hotel nach Liechtenstein eingeladen wurden und die Integra den Aufwand zahlte. „So etwas habe ich noch nicht gesehen“, meinte sie. VN-MM

Ich halte die Arbeit der Integra mit Blick auf den Vorarlberger Arbeitsmarkt für äußerst wertvoll. Insofern macht es Sinn, dass das Land die Integra mit Steuergeldern fördert. Ich halte es aber für wichtig, dass von Seiten des Unternehmens die umfassende Zusage besteht, die Anregungen des Rechnungshofs rasch umzusetzen. Roland Frühstück, ÖVP-Klubobmann

Ich halte die Arbeit der Integra mit Blick auf den Vorarlberger Arbeitsmarkt für äußerst wertvoll. Insofern macht es Sinn, dass das Land die Integra mit Steuergeldern fördert. Ich halte es aber für wichtig, dass von Seiten des Unternehmens die umfassende Zusage besteht, die Anregungen des Rechnungshofs rasch umzusetzen. Roland Frühstück, ÖVP-Klubobmann

Wir haben den Landesrechnungshof um Überprüfung der Vorwürfe gegen das sozialökonomische Unternehmen Integra ersucht und sind erleichtert, dass sich sowohl die Betrugsvorwürfe als auch viele andere, parteipolitisch motivierte Unterstellungen als unwahr herausgestellt haben. Wir werden die Empfehlungen des Rechnungshofs umsetzen. Rainer Keckeis, AK-Direktor

Wir haben den Landesrechnungshof um Überprüfung der Vorwürfe gegen das sozialökonomische Unternehmen Integra ersucht und sind erleichtert, dass sich sowohl die Betrugsvorwürfe als auch viele andere, parteipolitisch motivierte Unterstellungen als unwahr herausgestellt haben. Wir werden die Empfehlungen des Rechnungshofs umsetzen. Rainer Keckeis, AK-Direktor

Unternehmen, die so wie die Integra zum überwiegenden Teil über Steuergelder finanziert werden, haben ordentlich zu arbeiten. Die festgestellten Defizite unterstreichen den Handlungsbedarf. Hier gibt es noch Diskussionsbedarf, und wir werden uns im Rahmen eines Kontrollausschusses umfassend mit dem Bericht auseinandersetzen. Daniel Allgäuer, FPÖ-Klubobmann

Unternehmen, die so wie die Integra zum überwiegenden Teil über Steuergelder finanziert werden, haben ordentlich zu arbeiten. Die festgestellten Defizite unterstreichen den Handlungsbedarf. Hier gibt es noch Diskussionsbedarf, und wir werden uns im Rahmen eines Kontrollausschusses umfassend mit dem Bericht auseinandersetzen. Daniel Allgäuer, FPÖ-Klubobmann

Um all dies im Detail zu klären, braucht es meines Erachtens einen Kontrollausschuss. Vor allem die Geschäftsführung und der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung haben hier Rede und Antwort zu stehen. Zudem fordere ich die Verantwortlichen der Integra auf, bis zur Kontrollausschusssitzung eine Stellungnahme zu den 31 Empfehlungen abzugeben. Michael Ritsch, SPÖ-Klubobmann

Um all dies im Detail zu klären, braucht es meines Erachtens einen Kontrollausschuss. Vor allem die Geschäftsführung und der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung haben hier Rede und Antwort zu stehen. Zudem fordere ich die Verantwortlichen der Integra auf, bis zur Kontrollausschusssitzung eine Stellungnahme zu den 31 Empfehlungen abzugeben. Michael Ritsch, SPÖ-Klubobmann