Zahlreiche Missstände bei Integra aufgedeckt

02.08.2019 • 10:17 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Brigitte Eggler-Bargehr fand klare Worte zur Integra. VOL.At/Mayer
Brigitte Eggler-Bargehr fand klare Worte zur Integra. VOL.At/Mayer

Landesrechnungshof spricht von laschen Kontrollen und großen Lücken.

Bregenz Berechnend oder schlicht und einfach nur naiv? Auf diese Frage fand selbst Brigitte Eggler-Bargehr im Zusammenhang mit der Prüfung der Arbeitsinitiative Integra keine schlüssige Antwort. So viel stellte die Direktorin des Landesrechnungshofs aber fest: „Bei einigem war den Verantwortlichen die Tragweite ihres Handelns wohl nicht bewusst.“ Dafür sprach ihr einleitender Satz Bände: „Die Integra zeigt, was strukturelle Schwächen und mangelnde Kontrolle alles ermöglichen.“ So wurden beispielsweile private Strafmandate aus Geldern der Integra bezahlt. Besonders enttäuscht zeigte sich Eggler-Bargehr jedoch darüber, dass entgegen den Beteuerungen der Geschäftsführer nicht alles offengelegt wurde. „Das hat unser Vertrauen in die bereitgestellten Informationen stark beeinträchtigt“, räumte sie bei der Präsentation des Prüfberichts ein. Entsprechend kritisch gingen die Prüfer über die Bücher und förderten allerlei Missstände zutage. Inzwischen wurde vonseiten der Gesellschafter mit dem Aufräumen begonnen.

31 Empfehlungen

Dringenden Handlungsbedarf ortet der Landesrechnungshof vor allem im Finanz- und Personalbereich. Dort wurde, wie auch der Geschäftsführer in einer Stellungnahme schrieb, äußerst hemdsärmelig agiert. „Dieser Begriff trifft es genau“, meinte auch Brigitte Eggler-Bargehr. Fehlende Abrechnungen, großzügige Sozialleistungen, etwa bei der Privatnutzung von Firmenfahrzeugen und eine schlampige Kassaführung sind nur einige der Mängel, die aufgedeckt wurden. Der Landesrechnungshof kritisierte außerdem, dass es nach der Verschmelzung mit anderen Sozialorganisationen zu keiner einheitlichen Vorgehensweise gekommen sei. „Die Bereiche Arbeit und Bildung wurden weiterhin separat geführt“, kreidete Eggler-Bargehr an. Insgesamt 31 Empfehlungen hat der Landesrechnungshof der Integra zur dringenden Umsetzung ins Stammbuch geschrieben.

Hotelaufenthalt bezahlt

Ins Rollen kam der Fall, nachdem bekannt geworden war, dass ein verurteilter Millionenbetrüger mit noch offener Haftstrafe bei der Integra in einflussreicher Position arbeitet. Die Geschäftsführer hatten zwar immer bestritten, dass Mika S. in einer Bereichsleitung tätig ist, der Rechnungshof stellte jedoch fest, dass ihm sehr wohl eine Sonderrolle zukam. Immerhin entfiel ein Viertel des Umsatzes auf seinen Arbeitsbereich. Brigitte-Eggler Bargehr betonte auch, dass sich der entstandene finanzielle Schaden in Grenzen hält und nichts unrechtmäßig war. Ein Kopfschütteln entlockte ihr jedoch der Umstand, dass die Eltern von Mika S. zum Kennenlernen in ein Hotel nach Liechtenstein eingeladen wurden und die Integra den Aufwand zahlte. „So etwas habe ich noch nicht gesehen“, meinte sie schmunzelnd.