Killerkeime auf dem Vormarsch

03.08.2019 • 05:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Gabriele Hartmann ist froh, über eine gute Laborinfrastruktur zu verfügen. KHBG
Gabriele Hartmann ist froh, über eine gute Laborinfrastruktur zu verfügen. KHBG

Auch in Vorarlberger Spitälern werden multiresistente Bakterien immer wieder zum Problem.

Feldkirch Nur einen Tag verbrachte der Mann auf der Station eines ägyptischen Krankenhauses, doch die wenigen Stunden reichten, um sich multiresistente Keime einzufangen. Ähnlich erging es einem Vorarlberger, der nach einem Unfall in einem türkischen Spital behandelt werden musste. Kurz danach wurde er ins Landeskrankenhaus Feldkirch überstellt. Dort sind die Ärzte immer noch bemüht, die gestörte Mikrobenflora zu sanieren. Multiresistente Erreger sind so etwas wie ein medizinischer Albtraum, weil mit herkömmlichen Antibiotika oft nur schwer in den Griff zu bekommen. Auch in den hiesigen Spitälern stellen diese Killerkeime ein immer wiederkehrendes Problem dar.

Engmaschige Überwachung

Als Risikopatienten gelten Personen, die häufig ins Krankenhaus müssen und viele Antibiotikatherapien hinter sich haben, und solche, die aus anderen, vor allem ausländischen Gesundheitseinrichtungen kommen. „Sie werden ausnahmslos auf multiresistente Keime getestet“, betont OÄ Gabriele Hartmann. Sie leitet im Landeskrankenhaus Feldkirch das Institut für Krankenhaushygiene und Infektionsvorsorge. Pro Woche werden 10 bis 15 Abstriche durchgeführt. Es können aber auch 50 bis 60 sein. Um nicht gleich auf die mit deutlich mehr Nebenwirkungen verbundenen Reserveantibiotika zurückgreifen zu müssen, erfolgt bei betroffenen Patienten eine engmaschige Überwachung. „Sobald es möglich ist, setzen wir die Antibiotikabehandlung ab“, erklärt Hartmann, denn je länger Antibiotika nötig sind, umso resistenter werden die Keime. Hoch dosiert, aber kurz, lautet deshalb das Credo.

Gabriele Hartmann ist gefragt. Zigmal während einer halben Stunde schrillt das Telefon. Am Apparat sind Ärzte, die mit ihr das weitere Vorgehen zu einer Antibiotikatherapie besprechen wollen. Diese Zusammenarbeit ist Hartmann wichtig. Sie besucht deshalb regelmäßig die Intensivstation und einmal wöchentlich die Kinderintensivstation. Alle Krankenhäuser verfügen zudem über Hygienefachkräfte. Kurze Wege und direkte Verbindungen seien für die Patientenversorgung von Vorteil. Es brauche aber auch die mikrobiologischen Laborkapazitäten vor Ort, um schnell reagieren zu können. Sowohl mit dem Personalstand wie mit der Infrastruktur ist Gabriele Hartmann zufrieden.

Bewusstsein schaffen

Obwohl sich resistente Keime häufen, spricht sie in Bezug auf die Krankenhäuser im Land noch von einer Insel der Seligen. „Wir haben keine Transplantationsstation“, nennt sie einen Grund. Patienten, die eine Transplantation hinter sich haben, müssen anfangs hoch dosiert mit Immunsuppressiva behandelt werden, die das Immunsystem herunterfahren. Treten dann vermehrt Infektionen auf und werden immer wieder Antibiotika verabreicht, ist das Risiko für das Auftreten von Resistenzen erhöht. Viele Patienten bringen die Keime sogar schon mit ins Krankenhaus. Haut, Rachen oder Darm sind mit den Bakterien besiedelt, ohne dass die Personen erkranken. Erst Antibiotika rüsten die Keime hoch. „Das ist ein natürliches Verhalten. Auch Bakterien wollen überleben“, sagt Gabriele Hartmann. Deshalb müsse es oberstes Ziel sein, die Anwendung von Antibiotika kurz zu halten, ohne dass der Patient leidet. Hinweise, eine Antibiotikapackung aufzubrauchen, sind laut der Hygienikerin überholt. Sie hat bereits 1998 damit begonnen, dieses Bewusstsein in der Ärzteschaft zu verankern. Inzwischen ist es verwurzelt. Regelmäßige Schulungen und eine Hygiene-Ordnung tragen dazu bei, dass es so bleibt.

Isolation bei positivem Befund

Bekannt für Antibiotikaresistenzen sind vor allem Ägypten, Griechenland, die Türkei und Indien. Wer von einem Krankenhaus aus diesen Ländern in ein Vorarlberger Krankenhaus transferiert wird, bei dem werden als erste Maßnahme Abstriche aus Nase, Rachen und Enddarm genommen. Ist der Befund positiv, wird der Patient sofort isoliert. Der bekannteste Keim ist der MRSA, noch mehr gefürchtet jedoch das Carbapenem-resistente Bakterium. „Mit dem kann schon ein einzelner Patient einen großen Ausbruch verursachen“, weiß Gabriele Hartmann. In Österreich mache der Keim aber glücklicherweise noch kaum Probleme. Über eine von Natur aus hohe Resistenz verfügt der Acinetobacter, ein Keim, der äußerst schwer zu behandeln ist. Hilft nichts, sind Reserveantibiotika der letzte Ausweg. „Die wenden wir jedoch nur an, wenn vorher genau geprüft wurde, ob eine Indikation gegeben ist“, betont Hartmann.