Motor der Fachhochschulen

Vorarlberg / 04.08.2019 • 18:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Die FH wurden eine Erfolgsgeschichte.“ VN
„Die FH wurden eine Erfolgsgeschichte.“ VN

Ein-Personenhaushalt in Schruns, kleinere Reisen, Besuche des Montagsforums.

SCHRUNS „Seit 2007 bin ich Witwer. Ich führe mein Haus in Schruns als Ein-Personenhaushalt und bin sehr glücklich. Noch immer habe ich sehr gute Beziehungen zur Fachhochschule (FH)“. Das erläutert der emeritierte Universitätsprofessor für Geodäsie und Photogrammetrie, Günther Schelling (96).

„Mein hohes Alter verdanke ich meinen Ahnen, meinen sportlichen Aktivitäten wie Kunstturnen, Leichtathletik, Skifahren, Tennis und einer die Gesundheit fördernden Lebensweise. Bedauerlich ist aber, dass der Großteil meiner Freunde verstorben ist“, fährt Schelling fort, dessen Lebensmotto ist: „Sich auf alles gut vorbereiten und sich bietende Chancen nutzen.“ Er unternimmt noch kleinere Reisen, liest Fachliteratur und ist regelmäßiger Besucher des Montagsforums. „Ich bin 1923 in Dornbirn geboren und habe eine schöne Kindheit verbracht. Dann war ich vier Jahre im Krieg und bin nach englischer Kriegsgefangenschaft zum Studienbeginn 1945 zurückgekehrt. Das erste Jahr war ich an der Universität Innsbruck und bin dann an die Universität Graz gewechselt, wo ich das Absolutorium in Mathematik und Darstellender Geometrie erhielt“, erinnert sich Schelling. Daneben absolvierte er ein Zweitstudium der Geodäsie an der Technischen Universität (TU) in Graz in der Rekordzeit von vier Semestern und war dort vier Jahre Assistent. Nach einem Studium der Photogrammetrie in Delft kam der Ruf der Illwerke, für das Unternehmen die Vermessungsarbeiten zu übernehmen. „Ich habe dieses Angebot angenommen, allerdings unter der Bedingung, selbstständig bleiben zu können. So habe ich als Externist 25 Jahre die Vermessungsarbeiten der Illwerke durchgeführt“.

Im Jahre 1980 wurde Schelling von der TU in Graz eingeladen, sich um eine Professur für Allgemeine Geodäsie und Photogrammetrie zu bewerben. Er wurde Institutsleiter, Dekan und Rektor. Schelling fährt fort: „Im Studienjahr 1989/1990 wurde ich von Minister Erhard Busek ersucht, an der TU Graz einen fachhochschulartigen Studienversuch zu etablieren und am Technikum Vorarlberg in Dornbirn durchzuführen.“ Mit diesem Schritt wurde Dornbirn zur Wiege des österreichischen FH-Wesens.

„Der Studienversuch erforderte den Beschluss des akademischen Senats. Dabei zeigte sich, dass die Hochschülerschaft, die meisten Dozenten und Assistenten und einige Professoren das Projekt ablehnten. Sie befürchteten eine Konkurrenzierung, konnten aber umgestimmt werden“, erläutert Schelling. Der Studienversuch sollte als Studienrichtung „Automatisierungstechnik“ eingerichtet werden. Der Studienplan wurde u. a. den Vorarlberger Initiatoren unter Landesrätin Elisabeth Gehrer, Hofrat Hubert Regner und dem Leiter des Technikums Vorarlberg, Markus Linhart, vorgestellt. 1992 startete dann der „Fachhochschulartige Studienversuch Fertigungsautomatisierung“ gemeinsam mit der TU Graz in Dornbirn. 1994 wurden aus dem Verein Technikum Vorarlberg die FH-Studiengänge Vorarlberg und mit 45 Studierenden startete „Fertigungsautomatisierung“ als erster FH-Diplomstudiengang.

Präsident des FH-Rates

Mit dem FH-Studiengesetz 1993 wurde die Entwicklung der FH in Österreich gesichert. Damals wurde auch ein FH-Rat eingerichtet, dessen Präsident Schelling wurde und bis 1999 blieb. Bereits im ersten Jahr wurden in Österreich zehn FH-Studiengänge geschaffen. „Bei der Entwicklung der Studienpläne war mir der Kontakt zu den Unternehmern wichtig. Heute haben sich die FH neben den Universitäten etabliert, haben hinsichtlich der Qualifizierung der Absolventen einen ausgezeichneten Ruf und die Unis hatten keinen Rückgang der Studierenden zu verzeichnen“, so Schelling abschließend. Er wurde für seine Aktivitäten vielfach geehrt. Darunter mit höchsten Auszeichnungen der Bundesländer, dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse sowie dem Ehrenring der Stadt Dornbirn. EE

Zur Person

Günther Schelling

Geboren 1923 in Dornbirn

Ausbildung Studium an den Unis Innsbruck und Graz.

Beruflicher Werdegang Universitätsassistent, Zivilingenieur für Vermessungswesen, Universitätsprofessor an der TU-Graz, Präsident des FH-Rates.