Sickergruben schlucken viel Geld

Vorarlberg / 05.08.2019 • 18:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Kanalerneuerungen können auch für Anrainer teuer werden. STD
Kanalerneuerungen können auch für Anrainer teuer werden. STD

Vorgeschriebene Oberflächenentwässerungen kosten Grundeigner bis zu 10.000 Euro.

Dornbirn Wenn vor der eigenen Haustür der Abwasserkanal erneuert wird, kann es sein, dass Anrainern vorgeschrieben wird, auf eigene Kosten eine Versickerungsanlage zu errichten. Der Aufwand kann sich auf 2000 bis 10.000 Euro belaufen. Die Stadt Dornbirn ist allerdings bereit, einen Teil der Investition zu tragen.

Dünne Abwässer

Das Kanalisationsgesetz des Landes sieht vor, Dach- oder Vorplatzwässer in eine Sickergrube auf eigenem Grund und Boden zu leiten. Früher war es genau umgekehrt: Um eine Verdünnung des Abwassers zu erreichen, musste Regenwasser über die Kanalisation entsorgt werden. Seit den 1980er-Jahren fehlen allerdings mit dem Ausfall der Textilindustrie die Großkunden. Die Folge war, dass die Abwässer auf einmal zu dünn waren, was sich negativ auf die Reinigungskosten in der ARA auswirkte. Mit der neuen Verordnung soll die „Suppe“ deshalb wieder dicker werden.

Im Schnitt müssen für den Bau einer Sickergrube rund 5200 Euro in die Hand genommen werden. Das bedeutet für viele eine hohe finanzielle Belastung. Bereits 2014 stiegen deshalb Anrainer in der Dornbirner Nachbauerstraße auf die Barrikaden. Ihr Protest blieb nicht ungehört, berichtet der zuständige SP-Stadtrat Gebhard Greber: „Ich habe mich letztlich erfolgreich für eine deutlichen Kostenbeitrag der Stadt eingesetzt.“ Die Stadt übernimmt im Schnitt rund 30 Prozent der Errichtungskosten für eine Versickerungsanlage.

240.000 Euro

Im Zeitraum vom Jänner 2017 bis Juli 2019 zahlte die Stadtkasse für 129 Objekte insgesamt 239.287 Euro aus. Da in Dornbirn viele alte Kanäle zu erneuern sind, werden sich die städtischen Beiträge in den nächsten Jahren deutlich erhöhen. Derzeit läuft eine Überprüfung des gesamten Kanalnetzes, die zwei oder drei Jahre dauert und mehrere Millionen Euro kostet. Für Greber ist der Bau von Sickergruben durchaus sinnvoll, weil der Grundwasserspiegel nicht weiter sinkt, eine Überlastung der Kanäle verhindert werden kann oder ein Beitrag zum Hochwasserschutz geleistet wird. HA