Karenzpause für Lehrer im Sommer

Vorarlberg / 06.08.2019 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auch im Lehrerberuf gehen weitaus mehr Frauen als Männer in Karenz. Lehrerinnen und Lehrer können ihre Karenz allerdings im Sommer unterbrechen. APA
Auch im Lehrerberuf gehen weitaus mehr Frauen als Männer in Karenz. Lehrerinnen und Lehrer können ihre Karenz allerdings im Sommer unterbrechen. APA

Wenn Lehrer im Sommer pausieren, erhalten sie Gehalt und der Partner kann in Karenz gehen.

Schwarzach Der Staat fördert jedes Paar, das sich die Karenz teilt. Ein Rechenbeispiel mit dem einkommensabhängigen Kinderbetreuungsgeld: Ein Paar entscheidet sich für das zwölf plus zwei Modell. Die Mutter erhält zwölf Monate Betreuungsgeld, der Vater zwei Monate als Bonus. Das steht dem Paar nämlich nur zu, wenn es sich die Betreuungszeit teilt. Beide Eltern können aber nicht gleichzeitig in Karenz, einer muss immer arbeiten. Unterbricht eine Frau also ihre Karenz, muss sie sich einen Job suchen, nur um anschließend wahrscheinlich die Karenz fortzusetzen. Eine Berufsgruppe hat es einfacher. 19 Lehrerinnen und ein Lehrer haben ihre Elternkarenz in Vorarlberg zu Ferienbeginn für zwei Monate unterbrochen, damit ihr Partner in Karenz gehen kann, während sie ihr Gehalt bekommen. Während die Neos ein Ende dieser Praxis fordern, verteidigt die Lehrergewerkschaft die Karenzmöglichkeit.

Modell wird beliebter

In Vorarlbergs Pflichtschulen gibt es derzeit 4700 Lehrerinnen und Lehrer, an den höheren Schulen sind es noch einmal 1900. Von allen Lehrern befinden sich aktuell 364 in Elternkarenz; 352 Frauen und zwölf Männer. Dass der Anteil karenzierter Frauen wesentlich höher ist, ist kein berufstypisches Phänomen, sagt Lehrergewerkschafter Willi Witzemann. „Es ist bei uns in der Gesellschaft immer noch ungewöhnlich.“ Hier müsse ein Umdenken stattfinden. Die Neos haben kürzlich per parlamentarischer Anfrage erfragt, wie die Situation in den Bundesschulen aussieht. Die Antwort zeigt: Unterbrechungen in den Ferien werden beliebter. Österreichweit waren seit 2014 zwischen 900 und 1100 Bundeslehrer pro Jahr in Elternkarenz. 2014 unterbrachen 53 Lehrerinnen ihre Karenz, 2015 waren es 75, 2016 dann 97, 2017 123 und 2018 131 Lehrerinnen.

In Vorarlberg liegen auch Zahlen zu den Pflichtschulen vor, wie eine VN-Anfrage an die Bildungsdirektion ergab. Von 364 Lehrern in Elternkarenz haben 20 ihre Karenz im Juli und August unterbrochen. Darunter sechs Mittelschullehrerinnen, fünf Volksschullehrerinnen und ein Volksschullehrer. Neos-Nationalratsabgeordneter Douglas Hoyos ist im Gespräch mit der Apa überzeugt: „Solche seltsamen Regelungen sind Gründe dafür, dass der Berufsstand immer wieder in Verruf gerät. Es ist für Eltern aus anderen Berufsgruppen nicht nachvollziehbar.“ Lehrergewerkschafter Witzemann widerspricht im VN-Gespräch: „Das mit anderen Berufsgruppen zu vergleichen ist für mich nicht zulässig. Es gibt auch Beispiele für Nachteile für Lehrer als Beamte. Zum Beispiel beim Pensionsantritt mit 65. Es gibt auch keine flexiblen Urlaubszeiten und so weiter.“ Das Thema sei sehr sensibel, gerade in Sommermonaten würden Lehrer immer wieder herablassend behandelt. „Nicht alle Kollegen kommen damit zurecht, die ständigen Anfeindungen machen vielen zu schaffen“, ärgert sich Witzemann.

352 + 12

352 Lehrerinnen und zwölf Lehrer befinden sich in Karenz. 153 in Volksschulen, 88 in Mittelschulen.

19 + 1

19 Lehrerinnen und ein Lehrer haben ihre Karenz im Juli und August unterbrochen. Je sechs in Mittelschulen und Volksschulen, 3 in der AHS, 2 in der BMHS, je 1 in der ASO, LWS und PTS.

4700 + 1900

6600 Lehrerinnen und Lehrer gibt es derzeit in Vorarlberg, 4700 in Pflichtschulen, 1900 in höheren Schulen.