Eine rollende Gefahr?

07.08.2019 • 20:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Mutter aus Niederösterreich war mit einem mopedähnlichen E-Fahrrad unterwegs, als der Unfall passierte. APA
Die Mutter aus Niederösterreich war mit einem mopedähnlichen E-Fahrrad unterwegs, als der Unfall passierte. APA

Tödlicher Unfall wirft Fragen zur Sicherheit von Fahrradanhängern auf.

Schwarzach Eine Mutter (39) zieht am Sonntag gegen 21 Uhr ihre beiden Töchter in einem Fahrradanhänger hinter ihrem E-Bike her. Auf einem geraden Abschnitt wird das Gespann von einem Auto erfasst und rund 15 Meter in einen Acker geschleudert. Das knapp zweijährige Mädchen stirbt noch an der Unfallstelle. Ihre vierjährige Schwester erliegt kurz darauf im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Auch die beiden Chihuahua-Hunde überlebten den Unfall nicht.

Der tragische Unfall auf einer Landstraße nahe Korneuburg (NÖ) schockiert nicht nur, er wirft auch zahlreiche Fragen zur Sicherheit solcher Fahrradanhänger auf. Verkehrsminister Andreas Reichhardt hat bereits eine Evaluierung angekündigt. Auch der Vorarlberger Mobilitätslandesrat Johannes Rauch (Grüne, 60) sieht Handlungsbedarf. „Neben der Prüfung der Sicherheit des Transportmittels muss man unbedingt auch die Situation auf der Straße und Tempolimits miteinbeziehen“, fordert er. Es müsse die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer im Mittelpunkt stehen. Dafür brauche es „mehr Radwege, niedrigere Tempolimits und verpflichtende Abbiegeassistenten bei Lkw“.

Generell sei ein Fahrradanhänger besser geeignet als ein Fahrradsitz, sagt Mario Amann, Geschäftsführer der Initiative Sicheres Vorarlberg. „Zum einen ist es nicht leicht, das Kind auf den Sitz zu heben und gleichzeitig darauf zu achten, dass das Rad nicht umfällt. Auch das Fahren mit dem hohen Schwerpunkt muss geübt sein“, führt er aus. Den großen Nachteil des Anhängers sieht Amann in der Spurbreite, vor allem dann, wenn man auf öffentlichen Straßen unterwegs ist. „Dazu kommt, dass die Hänger niedrig und für andere Straßenverkehrsteilnehmer oft schwer zu erkennen sind. Darum ist es von enormer Wichtigkeit, sich entsprechend sichtbar zu machen“, verweist der Experte auf eine unabhängige Lichtanlage zum Rad, die laut Straßenverkehrsordnung (StVo) ebenso verpflichtend ist wie Rückstrahler nach vorne, hinten und auf die Seite sowie eine 1,5 Meter hohe biegsame Fahnenstange mit einem leuchtfarbenen Wimpel.

Zu schmal

Martin Pfanner vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) in Vorarlberg ortet in diesem Zusammenhang ein weiteres Problem: „Die Radwege sind oft zu schmal. Dadurch muss man auf die Straße ausweichen, womit sich das Risiko eines Unfalls um ein Vielfaches erhöht“, unterstreicht er. 

Übrigens: Kinder unter zwölf Jahren müssen einen Helm tragen. Außerdem sollten sie angegurtet werden, damit sie bei einem Unfall nicht herausgeschleudert werden. „Es hilft den Kindern auch nicht, wenn ich als Erwachsener schwere Kopfverletzungen erleide, weil ich keinen Helm getragen habe“, meint Amann, der auch nichts davon hält, wenn der Anhänger mit in die Berge gezogen wird. VN-ger