„Kaum zu glauben, dass ich 100 bin“

Vorarlberg / 07.08.2019 • 17:14 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„Ich bin wirklich schon 100 Jahre alt“, staunt Trudi Thurnher.
„Ich bin wirklich schon 100 Jahre alt“, staunt Trudi Thurnher.

Trudi Thurnher feiert heute ihren 100. Geburtstag.

Bregenz Heute ist es so weit. Die auch aus dem Film „100 Jahre an einem Tag – Geschichten über Bregenz-Vorkloster, Rieden, Weidach“ bekannte Riednerin Trudi Thurnher feiert heute ihren 100. Geburtstag. Als sie das Licht der Welt am 8. August 1919 in Rieden erblickte, lagen die Schrecken des Ersten Weltkriegs noch nicht einmal ein Jahr zurück. Ab ihrem fünften Lebensjahr wuchs sie behütet im von ihren Eltern gepachteten Gasthaus Zoll an der Bregenzerach auf und erlebte eine schöne Kindheit mit vielen Nachbarskindern. Nach der Volks-, Haupt- und zwei Jahren Handelsschule wurde sie in Marienberg in die Geheimnisse der Hauswirtschaft eingeweiht. Somit war sie bestens ausgerüstet für die Wirtschaft, in der sie den Eltern fleißig half. 1937 bekam sie eine Stelle im Finanzamt, wo es ihr sehr gut gefiel und sie auch während des Zweiten Weltkriegs beschäftigt war. „Wenn ich in den Luftschutzkeller laufen musste, schleppte ich die Schreibmaschine mit und die war schwer“, erinnert sich Trudi.

Liebe gefunden

Ihre große Liebe fand Trudi in ihrem Arbeitskollegen Georg Thurnher. 1947 gab sie ihm ihr Jawort, freute sich mit ihm 1949 über die Geburt ihres Sohnes Armin und schloss 1953 glücklich Tochter Inge in die Arme. „Mein Mann hat gut verdient als Prokurist und Personalchef bei den Illwerken und meine Aufgabe war es, den Haushalt zu führen und die Kinder zu erziehen. Das ist mir auch gut gelungen“, schmunzelt Trudi. „Wir haben eine sehr glückliche Ehe geführt, er war ein wunderbarer Mensch. Als Georg vor 13 Jahre mit 89 Jahren starb, war das das Schrecklichste, was mir je passiert ist und er fehlt mir jeden Tag. Georg war ein Künstler und hat viele wunderschöne Bilder gemalt, die überall im Haus an ihn erinnern.“ Gut, dass Labradorhündin Cora damals bei ihr einzog und seitdem nicht mehr von ihrer Seite weicht. „Sie spürt, ob ich traurig oder fröhlich bin und ich bleibe fit, denn wir gehen jeden Tag ein Runde in Begleitung meiner Tochter.“

Lebensumstände verändern sich dauernd, da ist sich Trudi Thurnher sicher. „Eigentlich wurde mir das erst so mit 15 Jahren bewusst, wenn man langsam erwachsen wird. Seither ist vieles besser geworden, einiges leider nicht.“ Für ihre drei Enkelkinder schreibt sie ihre Lebensgeschichte in einem Buch auf, als Erinnerung und auch zum Nachdenken darüber, dass das Leben früher doch anders war. Da kommen Anekdoten vor wie zum Beispiel, als sie und ihr Mann verreisen wollten, vergaß sie den Reisepass und die Geldtasche zu Hause. Die ganze Reisegruppe musste warten, bis ihr Sohn alles zum Bus gebracht hatte. Noch Jahre später wurde sie von Mitreisenden, die das miterlebt hatten, gefragt, ob sie Pass und Geldtasche dabei habe. Oder als ihr vom Rasenmäher eine Fingerkuppe abgeschnitten wurde und sie im Spital auf der Bahre lag und ihr dort erst aufgefallen ist, dass ihre Füße ganz grün vom abgemähten Gras waren.

Eine große Überraschung war für die Jubilarin die Anfrage, ob sie bereit wäre, in einem Film über Bregenz-Vorkloster, Rieden und Weidach mitzuwirken. „Die Familie hat mich schon ein bisschen gehänselt, dass ich in meinem Alter noch Schauspielerin werde“, lacht sie. Gesehen habe sie den fertigen Film und natürlich wurde sie bei der Premiere gefeiert.

Dankbar

Trudi Thurnher ist dankbar für ein gutes, langes und auch glückliches Leben. Dafür, dass ihre Tochter und ihr Schwiegersohn sie unterstützen, ihr Sohn, der mit seiner Frau in Wien wohnt, erfolgreich ist und sie so oft es möglich ist besucht. Mit viel Freude pflegt die Jubilarin ihren Garten, ernährt sich gesund und schläft gut. „Schön ist auch, dass Cora mich jeden Morgen am Fuß der Treppe und vor allem ihr Frühstück erwartet, das sie vor meinem bekommt“, lacht die Jubilarin. Mit Bürgermeister Linhart, der sich die Zeit genommen hat, ihr persönlich zu gratulieren, hat sie bereits einen schönen Nachmittag erlebt. Ihren 100. Geburtstag und damit den Start in ihr 101. Lebensjahr feiert sie mit der Familie, Freunden und Bekannten bei einem Gottesdienst mit anschließender Agape. Für den Abend ist ein Essen im kleinen Kreis geplant. Ihre Wünsche für die Zukunft drehen sich vor allem um das Wohl der Familie, dass es allen gut geht und sie gesund bleiben. KL

1947 gaben sich Trudi und Georg Thurnher das Jawort.
1947 gaben sich Trudi und Georg Thurnher das Jawort.