Montafoner ließ 15 Schafe sterben

Vorarlberg / 07.08.2019 • 22:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gegen den Mann wurde auch ein Tierhaltungsverbot ausgesprochen. EC
Gegen den Mann wurde auch ein Tierhaltungsverbot ausgesprochen. EC

Kombination aus Hilflosigkeit und Verwahrlosung führten zur Tiertragödie.

Feldkirch Stark abgemagert nimmt der 66-Jährige auf der Anklagebank Platz. Der Montafoner legt der Richterin ein Fotoalbum vor, in dem er die Bilder all seiner Schafe aufbewahrt hat. Er hält die Tiere seit 28 Jahren und liebt sie angeblich. Doch irgendwie sei dem Rentner dann alles entglitten, meint der Verteidiger.

Reihenweise erkrankt

Der Stall liegt unzugänglich und abgeschieden. Im Februar erkrankten zwei Tiere. Der Mann vermutete die Futterumstellung als Ursache. Er kaufte bei verschiedenen Stellen ein. Jedenfalls fraßen die Tiere nicht so recht. Kurz darauf starben sie. Der Tierhalter erwog auch andere Ursachen, wie das Wasser, und hoffte das Problem mit seinem Wissen und seiner Erfahrung lösen zu können. Er griff zu einem „Verdauungsöl“, einem Hausmittel, das beispielsweise Anis und andere Heilpflanzen enthält. „Kurzfristig hatte ich damit Erfolg und sie fraßen wieder“, erinnert er sich. Doch dann starben zwei weitere Tiere. Zu dem Zeitpunkt fürchtete sich der Landwirt davor, man könne ihm angesichts der verstorbenen vier Tiere alle anderen auch wegnehmen. „Außerdem habe ich mich geschämt, dass mir das passiert war“, sagt er.

Die Frau des Schafbesitzers ist seit über zwanzig Jahren Alkoholikerin, ein Problem, das für die Familie immer wieder zur Zerreißprobe wurde. In den letzten Jahren sind zusätzliche gesundheitliche Probleme dazu gekommen. „Sie kontrolliert trotzdem die Finanzen“, erzählt der Mann. Auch finanzielle Motive hätten gegen die Beiziehung eines Tierarztes gesprochen. Von Februar bis 23. April starben 15 Tiere. Was genau die Todesursache war, konnte man nicht mehr feststellen, die Verwesung war zu weit fortgeschritten. Die toten Tiere ließ der 66-Jährige zugedeckt im Stall liegen. „Es war kalt, außerdem war ich so geschockt“, sagt er.

Geldstrafe

Der Montafoner leidet selbst an Depressionen, Schlaflosigkeit, verlor stark an Gewicht und ist nun in psychiatrischer Betreuung. An einer Strafe führt dennoch kein Weg vorbei. 1650 Euro sind zu bezahlen, weitere 1650 Euro werden auf Bewährung ausgesprochen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. EC