Wildtierhilfe im Dauereinsatz: Erste Artenschutzstation Vorarlbergs geplant

07.08.2019 • 07:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Katharina Löschnig und ihr Team sind für die wilden Tiere auch nachts im Dauereinsatz. VN/Lerch
Katharina Löschnig und ihr Team sind für die wilden Tiere auch nachts im Dauereinsatz. VN/Lerch

Katharina Löschnig und ihr Team haben vor allem im Sommer alle Hände voll zu tun. Nun hegen sie große Pläne.

Tanja Schwendinger

Satteins Die jüngsten Hitzewellen mit Rekordtemperaturen von bis zu 38 Grad haben nicht nur den Menschen zu schaffen gemacht. Die hohen Temperaturen und die langen Trockenphasen setzen auch dem Tierreich ordentlich zu. Für die Vorarlberger Wildtierhilfe bedeutet das Hochsaison. „Die Hitzeperiode hatte große Auswirkungen auf die Wildtiere, das hat sich auch in der Vielzahl der Anrufe bemerkbar gemacht, die bei uns eingegangen sind“, erklärt Wildtierhilfe-Obfrau Katharina Löschnig (30). Vor allem Dachbrüter wie Mauersegler geraten in Not, da sie unter Dachziegeln brüten und sich ihre Nester im Hochsommer auf bis zu 80 Grad erhitzen. „Die Flucht aus dem Nest bedeutet meist den sicheren Tod für die Tiere. Da die Muttertiere ihre Jungen am Boden nicht versorgen, sind sie auf unsere Hilfe angewiesen.“ Auch viele dehydrierte und unterernährte Tiere sind heuer bei der Wildtierhilfe gelandet. „Der Insektenschwund aufgrund der Trockenheit und Hitze hat den Wildtieren sehr zu schaffen gemacht“, zeigt sich Löschnig besorgt.

Mauersegler sind vor allem während der Hitzeperioden auf Hilfe angewiesen.
Mauersegler sind vor allem während der Hitzeperioden auf Hilfe angewiesen.

Ende Juli war die Situation so dramatisch, dass die ehrenamtlichen Tierhelfer einen Aufnahmestopp verhängen mussten. „Wir sind aus allen Nähten geplatzt, an viel Schlaf war nicht zu denken.“ Langsam aber beruhige sich die Situation. 25 Mauersegler hat die Tierpflegerin in vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit heuer schon aufgepäppelt und wieder ausgewildert, fünf weitere werden noch in dieser Woche in die freie Wildbahn entlassen.

Auch sieben Fledermäuse, darunter eine Langohrfledermaus, die Löschnig ganz besonders am Herzen liegt, haben in der Wohnung der ausgebildeten Tierpflegerin ein vorübergehendes zuhause gefunden. Vor vier Wochen wurde er von einer aufmerksamen Montafoner Familie zu den Experten gebracht. „Als er zu uns gekommen ist wog er etwa ein Gramm. Er hatte keine gute Chancen, aber mittlerweile entwickelt er sich prächtig“, erzählt sie voller Stolz. Im frühen Herbst, nachdem er im Fliegengitterzelt selbstständig gelernt hat Insekten zu jagen, wird er an seinem alten Fundort ausgewildert.

Die kleine Langohrfledermaus entwickelt sich prächtig.
Die kleine Langohrfledermaus entwickelt sich prächtig.

Alleine könnte Katharina Löschnig die vielen auf Hilfe angewiesenen Tiere nicht betreuen. Insgesamt steckt ein achtköpfiges Team jede freie Minute in ihre Zöglinge. Ein Großteil könne glücklicherweise am Telefon abgefangen werden. „Oftmals werden gesunde Jungtiere einfach eingesammelt, wir können schnell erkennen ob ein Tier Hilfe braucht, oder nicht“, sagt Löschnig, die mit ihrem Team regelmäßig Weiterbildungen besucht, um ihr Fachwissen auszubauen.

Mit der Bekanntheit des Vereins steigt laut Löschnig auch die Zahl der Anrufe. „Wir bekommen aus ganz Österreich Anrufe von hilfesuchenden Tierfreunden, außerdem arbeiten wir oftmals rund um die Uhr, um den Tieren die Hilfe zu geben, die sie brauchen. Lange können wir das nicht mehr stemmen.“

Neue Anlaufstelle für Wildtiere

Aus diesem Grund arbeitet der Verein derzeit an seinem wohl größten Projekt: eine Wildtierstation für Vorarlberg. „In Vorarlberg gibt es bislang keine offizielle Stelle, die sich der Wildtiere annimmt.“ Das Konzept für die erste offizielle Wildtierstation sei bereits beim Land eingereicht und die Gespräche dafür, auch bezüglich eines möglichen Standortes, laufen derzeit auf Hochtouren, informiert Löschnig. Sie gibt sich optimistisch, dass das Projekt im Herbst von der Regierung abgesegnet wird. „Wir sind auf Räumlichkeiten und Personal angewiesen, um unseren wilden Nachbarn die Hilfe zu geben, die sie benötigen.“