So groß ist der Bedarf an Nachhilfe im Land

Vorarlberg / 08.08.2019 • 19:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gemeinsam zu besseren Noten, verspricht das Pilotprojekt der Arbeiterkammer. APA

AK setzt teurer Nachhilfe eine 50-Euro-Lernbegleitung entgegen.

Feldkirch Die Zahlen bleiben dramatisch hoch. Im vergangenen Schuljahr brauchten rund 12.000 der 48.000 Schüler in Vorarlberg eine Nachhilfe, um über die Runden zu kommen. Ob bezahlt oder unbezahlt: Für den Leiter des AK-Bildungsbereichs, Gerhard Ouschan, ist es insgesamt bedenklich, wenn Eltern viel Geld in die Hand nehmen müssen, nur damit ihr Kind in die nächste Schulstufe aufsteigen kann. „Für über 40 Prozent der Haushalte bedeutet das eine enorme finanzielle Belastung“, zitiert er aus einer aktuellen Nachhilfestudie. Immerhin liegen die Kosten bei durchschnittlich 700 Euro. Dieser Entwicklung will die Arbeiterkammer jetzt entgegenwirken und bietet erstmals eine 50-Euro-Lernwoche für die Schulstufen 5 bis 8 an. Start ist am 26. August. Im Mittelpunkt stehen die Fächer Mathematik, Deutsch und Englisch. „In Mathe sind wir voll, in Englisch und Deutsch gibt es noch einige wenige Plätze“, berichtet Ouschan. Viel wichtiger ist ihm jedoch, dass „wir mit dem Angebot die Familien erreicht haben, die es brauchen“.

Konkrete Hilfe statt Studie

Beim Thema Nachhilfe kommt Gerhard Ouschan so richtig in Fahrt. „Mir liegt die Zukunft der Kinder einfach am Herzen“, sagt er und ergänzt resolut: „Ständig wird davon geredet, kein Kind zurückzulassen, aber dann muss dafür auch etwas getan werden.“ Die AK will es mit ihrem Pilotprojekt „Lernbegleitung statt Nachhilfe“ vormachen. Dafür hat die Arbeiterkammer auf eine Landesauswertung der bundesweiten Studie verzichtet. „Das Geld ist in konkreter Hilfe besser angelegt“, meint Ouschan. Die stattdessen durchgeführten Trendrechnungen bestätigten allerdings auch, dass die Nachfrage nach Nachhilfe weiterhin ungebrochen ist. Selbst die Schulen legen zwölf Prozent der Schüler eine Nachhilfe nahe. Für knapp ein Drittel der Schülerinnen und Schüler wird Nachhilfe in Anspruch genommen, um eine negative Note zu verhindern. „Wir haben uns entschieden, genau diese Kinder zu unterstützen, denn es geht auch darum, ihnen die Angst vor schlechten Noten zu nehmen“, erklärt der AK-Bildungsexperte.

Ganztagsbildung

In Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule wurde deshalb eine Lernbegleitung entwickelt, die Kinder anleiten soll, wie sie in Zukunft effizienter und leichter lernen können. Eine große Rolle dabei spielt auch der verschränkte Unterricht mit Lern-, Bewegungs- und Entspannungseinheiten. „Schulische Angebote, bei denen Unterricht, Freizeit, individuelle Förderung und Stärkung sozialer Kompetenzen über den Tag verteilt stattfinden, benötigen kaum oder wenig Nachhilfe“, verweist Gerhard Ouschan neuerlich auf die AK-Nachhilfestudie, die das schon seit Jahren aufzeige. Er plädiert für den raschen Ausbau der ganztägigen Förderung, will in diesem Zusammenhang jedoch nicht mehr von Ganztagsschule, sondern von Ganztagsbildung reden. Mit diesem Terminus könnte seiner Ansicht nach Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass alles, was die Kinder während eines Tages lernen, Bildung ist und für das Leben vorbereitet.

Die AK-Lernbegleitung wird eine Woche lang ganztägig angeboten. Im Preis enthalten sind die pädagogische Begleitung sowie eine gesunde Verpflegung.  Als fachliche Begleiter fungieren Studentinnen und Studenten der Pädagogischen Hochschule. Mit dem Projekt will die AK Vorarlberg ihre Forderung nach dem Ausbau von Ganztagsbildung mit verschränktem Unterricht und Qualitätskontrollen untermauern. „Das Nachhilfemonitoring zeigt ganz klar, dass Nachhilfe durch Ganztagsbildung eingedämmt werden kann“, betont Gerhard Ouschan.