Die Ökobilanz der Getränkeverpackungen

Vorarlberg / 09.08.2019 • 07:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
In Vorarlberg wurden im Jahr 2018 2612 Tonnen Metallverpackungen gesammelt. APA

Laut einer Umfrage sind Vorarlberger fleißige Getränkedosen-Recycler. Die Industrie lobt: Dosen seien zu 100 Prozent recycelbar. Was sie nicht sagt: Der Energieaufwand dafür ist hoch.

Geselliges Zusammensein am Wochenende, ohne dass zumindest eine Person ein kühles Bierchen in der Hand hält, ist in unseren Gefilden schwer vorstellbar. Bier ist nicht nur ein Begleiter des gesellschaftlichen Lebens, Bier ist Vorbild. Zumindest, was die Getränkeverpackung betrifft. Die Bierwahl des Vorarlbergers orientiert sich an der Region: Oberländer, Unterländer, Bregenzerwälder; jeder hat sein Bier. Getrunken wird es aus Mehrwegflaschen. Das bedeutet: Kurze Wege zum Kunden, kurze Wege zurück in die Brauerei, eine bessere Ökobilanz geht nicht, sagt der Umweltverband. Bei weiteren Strecken sieht es schon wieder anders aus. Was also ist die beste Verpackung?

Jüngst veröffentlichte die Initiative „Jede Dose zählt“ eine Umfrage, wonach 89 Prozent der Vorarlberger in ihrem Haushalt Getränkedosen aus Aluminium trennen. Damit liegt Vorarlberg österreichweit an der Spitze, nur das Burgenland ist besser. Was Mülltrennung allgemein betrifft, sind die Vorarlberg überhaupt die Nummer eins. Zumindest gaben 77 Prozent an, den Müll auch unterwegs zu trennen. 20 Prozent der befragten Vorarlberger erklärten, regelmäßig Getränke in Dosen zu kaufen. Im Durchschnitt konsumieren die befragten Vorarlberger vier Dosengetränke pro Woche. In Wien und der Steiermark sind es sieben Dosen. 60 Prozent gaben an, Energy Drinks aus Dosen zu konsumieren, 45 Prozent Erfrischungsgetränke, 34 Prozent Bier. Die Initiative „Jede Dose zählt“ setzt sich aus Aluminiumproduzenten, Getränkedosenherstellern, Recyclingbetrieben und anderen Unternehmen zusammen. Sie wirbt also für die Dose und wollte auch wissen, ob den Befragten bekannt sei, dass jede Dose unendlich oft wiederverwertet werden kann. 21 Prozent der Vorarlberger bejahten das. Für die für Österreich verantwortliche Claudia Bierth steht deshalb fest: „Wir sehen das als klaren Auftrag für stärkere Bewusstseinsbildung rund ums Recyclen.“ Eine hohe Recyclingrate sei für die Umweltbilanz von zentraler Bedeutung.

Die Umweltbilanz selbst sehe jedoch nur mäßig rosig aus, betont Jürgen Ulmer vom Vorarlberger Umweltverband. „Glas und Aluminiumdosen sind sowohl in der Herstellung als auch im Recycling sehr energieintensiv. Man muss sie ja zuerst einschmelzen“, betont er. Laut der österreichischen Umweltberatung werden in Österreich jährlich rund fünf Milliarden verpackte Getränke verkauft. Die beste Ökobilanz hat demnach die PET-Mehrwegflasche und die Glas-Mehrwegflasche. PET hat das geringere Transportgewicht, regional gesehen ist die Mehrwegglasflasche vorteilhaft. Dahinter reihen sich Tetrapak-Kartons und PET-Einwegflaschen. Gemessen wird die Ökobilanz in verursachten CO2-Äquivalenten pro Liter Getränk. Äquivalent bedeutet, dass alle verursachten Treibhausgase wie Methan oder Lachgas in die Wirkung von CO2 umgerechnet werden, um Vergleiche ziehen zu können. Die PET-Einwegflaschen kommen auf knapp 100 CO2- Äquivalente pro einer Million Liter. Beim Dosenbier sind es 300, beim Glas-Einweg rund 450. Die Umweltberatung hält fest: „Bierdosen sind dreimal klimaschädlicher als Mehrwegflaschen, Bier in Einwegglasflaschen verursacht sogar fünfmal mehr Treibhausgasemissionen.“

„Littering ist ein großes Problem. Deshalb befürworten wir die Einführung eines allgemeinen Pfand-Systems.“

Jürgen Ulmer, Vorarlberger Umweltverband

In Vorarlberg wurden im vergangenen Jahr 2612 Tonnen Metallverpackungen gesammelt. Ulmer bestätigt: „Wir haben eine sehr hohe Sammelquote, auch beim PET.“ Beim Recycling gebe es aber ein Problem: Man wisse nicht genau, was drin ist. „Beim PET gibt es sogenannte Additionen, also Zusatzstoffe für Farben oder für eine bestimme Oberfläche. Beim Recycling kann es sein, dass der Anteil dieser Additionen erhöht wird. Welche Stoffe das sind, wissen wir nicht.“

Recycling und Sammelquote hin oder her, viel Abfall findet auch den Weg auf Vorarlbergs Wiesen und Waldböden. Littering nennt sich das unachtsame Wegschmeißen von Müll. „Littering ist ein großes Problem. Deshalb befürworten wir die Einführung eines allgemeinen Pfand-Systems.“ Beim Bier funktioniere es schließlich auch.