Urzeitlicher Besuch

Vorarlberg / 09.08.2019 • 17:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Antonia Sohm ließ sich nicht von ihrem Traum vom eigenen Dinosaurier, den sie auf den Namen Ruby getauft hat, abbringen. Überall, wo der Velociraptor auftaucht, sorgt er für Aufsehen. Auch die VN-Redaktion staunte. VN/Stiplovsek
Antonia Sohm ließ sich nicht von ihrem Traum vom eigenen Dinosaurier, den sie auf den Namen Ruby getauft hat, abbringen. Überall, wo der Velociraptor auftaucht, sorgt er für Aufsehen. Auch die VN-Redaktion staunte. VN/Stiplovsek

Vorarlbergs letzter Dinosaurier, Ruby der Raptor, inspizierte die VN-Redaktion.

Schwarzach Ein ganz normaler Nachmittag bei Russmedia in Schwarzach – fast. „Ich muss auflegen, hier läuft gerade ein Dinosaurier durch das Büro“, ruft ein VN-Redakteur aufgeregt ins Telefon. Und tatsächlich: Eine vier Meter lange Urzeitechse, genau genommen ein Velociraptor, der als besonders intelligent und agil gilt, prescht durch den Gang. Die Aufregung ist vorprogrammiert, Handys werden gezückt: Wo Ruby, so der Name der imposanten Erscheinung, auftritt, sorgt er für Aufsehen.

Vermutlich würde man nicht auf die Idee kommen, dass hinter dem täuschend echt aussehenden Raptor eine so zierliche Person wie die 20-jährige Antonia Sohm steckt. Die Alberschwenderin ist die einzige Dinosaurier-Dame Österreichs, kann für Kindergeburtstage und Veranstaltungen gebucht werden. Damit sorgt sie bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen, die spätestens seit der „Jurassic Park“-Trilogie den Dino-Hype durchlebt haben, für ein Erlebnis der Sonderklasse.

Großer Traum erfüllt

Aber wie kommt man auf die Idee, sich einen Dinosaurier anzuschaffen? „Ich habe vor zehn Jahren eine „Wetten, dass..?“-Sendung gesehen“, erzählt die Wälderin. „Seitdem war es mein größter Traum, auch einen Dinosaurier zu haben.“

Der Weg zur eigenen Urzeitechse war jedenfalls nicht einfach: „Mein Vorhaben wurde nicht ernst genommen und ich wurde oft belächelt“, erinnert sich die junge Frau, die im Herbst eine Ausbildung zur Medieninformatikerin beginnt. „Auch meine Familie war anfangs gar nicht begeistert, meine Mutter fragte mich: Was willst du denn mit einem Dinosaurier?“ Trotz allem ließ sie sich von ihrem Traum nicht abbringen und begann zu recherchieren. „Es gibt weltweit einige Anbieter, mitunter allerdings zu einem sehr hohen Preis.“

Nach intensiver Suche wurde die 20-Jährige bei einer chinesischen Firma fündig, die den Dinosaurier zum Preis eines Gebrauchtwagens maßgeschneidert angeboten hat. Jeder Euro kam fortan in die Dino-Kassa, bis sich Sohm im Herbst 2017 das vier mal drei Meter große Tierkostüm bestellt hat. „Doch dann wurde es erst richtig schwierig“, sagt Sohm. „Zuerst kam das Paket nach Hongkong. Dort wurde mir erklärt, dass eine Privatperson keinen Dinosaurier kaufen könne.“

Nach monatelangem Bangen und schlaflosen Nächten glückte es allerdings doch noch, die riesige Holzkiste mit dem Dino nach Vorarlberg zu holen. Das war vor eineinhalb Jahren. Durch intensives Training gelingt es Sohm, die Bewegungen so lebensnah wirken zu lassen: „Ich habe mir die Jurassic- Park-Filme angeschaut und nachzuahmen versucht.“

Jeder Auftritt ist ein Kraftakt

Für die 1,60 Meter große Frau bedeutet jeder Auftritt mit Ruby auch einen Kraftakt. Immerhin wiegt das Kostüm 20 Kilogramm. Innen ausgestattet mit zwei Hebeln zur Steuerung des Körpers, einer Kamera, durch die sie nach außen sieht, und einem Ventilator. Denn es kann sehr warm werden im Inneren des imposanten Tieres, das mit Schaumstoff gefüllt ist. Antonia Sohm liebt, was sie macht: „Ich freue mich einfach, wenn ich ein Lächeln in die Gesichter zaubern kann.“ Damit hat sie selbst anfängliche Gegner des Projekts überzeugt: „Sie finden es nun toll, was ich mache.“

„Ich wurde früher von vielen Menschen für mein Vorhaben belächelt.“

Weiter Informationen zu Ruby, dem Raptor unter: https://www.rubytheraptor.at