Wer hinter Vorarlbergs letztem Dinosaurier steckt

09.08.2019 • 06:20 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Antonia Sohm ließ sich nicht von ihrem großen Traum vom eigenen Dinosaurier, den sie auf den Namen Ruby getauft hat, abbringen. VN/Stiplovsek

Die VN haben Besuch aus der Kreidezeit bekommen und verraten, wer hinter Ruby, dem Raptor, steckt.

Schwarzach  Ein ganz normaler Nachmittag bei Russmedia in Schwarzach – fast. „Ich muss auflegen, hier läuft gerade ein Dinosaurier durch das Büro“, ruft ein VN-Redakteur aufgeregt ins Telefon. Und tatsächlich: Eine vier Meter lange Urzeitechse, genau genommen ein Velociraptor, der als besonders intelligent und agil gilt, prescht durch den Gang. Die Aufregung ist vorprogrammiert, Handys werden gezückt: Wo Ruby, so der Name der imposanten Erscheinung, auftritt, sorgt sie für Aufsehen.

Nicht alltäglich: Ruby prescht durch die VN-Redaktion.

Vermutlich würde man nicht auf die Idee kommen, dass hinter dem täuschend echt aussehenden Raptor eine so zierliche Person wie die 20-jährige Antonia Sohm steckt. Die Alberschwenderin ist die einzige Dinosaurier-Dame Österreichs, kann für Kindergeburtstage und Veranstaltungen gebucht werden. Damit sorgt sie bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen, die spätestens seit der „Jurassic Park“-Trilogie den Dino-Hype durchlebt haben, für ein Erlebnis der Sonderklasse.

Die VN-Redakteure staunten nicht schlecht über den urzeitlichen Besuch.
Die VN-Redakteure staunten nicht schlecht über den urzeitlichen Besuch.

Aber wie kommt man auf die Idee, sich einen Dinosaurier anzuschaffen? „Ich habe vor zehn Jahren eine „Wetten-Dass..?“-Sendung gesehen“, erzählt die Wälderin. „Seitdem war es mein größter Traum, auch einen Dinosaurier zu haben.“

Der Weg zur eigenen Urzeitechse war keineswegs einfach: „Mein Vorhaben wurde nicht ernst genommen und ich wurde dafür oft belächelt“, erinnert sich die junge Frau, die im Herbst eine Ausbildung zur Medieninformatikerin beginnt. „Auch meine Familie war anfangs gar nicht begeistert, meine Mutter fragte mich: Was willst du denn mit einem Dinosaurier?“  Trotz allem ließ sich die junge Frau von ihrem Traum nicht abbringen und begann, im Internet zu recherchieren. „Es gibt weltweit einige Anbieter, mitunter allerdings zu einem sehr hohen Preis.“

  Antonia Sohm: "Ich wurde von vielen Menschen für mein Vorhaben belächelt."
Antonia Sohm: „Ich wurde von vielen Menschen für mein Vorhaben belächelt.“

Nach jahrelanger Suche wurde die 20-Jährige bei einer chinesischen Firma fündig, die den Dinosaurier zum Preis eines Gebrauchtwagens maßgeschneidert angeboten hat. Jeder Euro kam fortan in die Dino-Kassa, bis sich Sohm im Herbst 2017 das vier mal drei Meter große Tierkostüm bestellt hat. „Doch dann wurde es erst richtig schwierig“, sagt Sohm. „Zuerst kam das Paket nach Hongkong. Dort wurde mir erklärt, dass eine Privatperson keinen Dinosaurier kaufen könne.“ Nach monatelangem Bangen und schlaflosen Nächten glückt es doch noch, die riesige Holzkiste mit dem Dino nach Vorarlberg zu holen. Das war vor eineinhalb Jahren.

„Mir wurde erklärt, dass eine österreichische Privatperson keinen Dinosaurier kaufen könne.“

Antonia Sohm über Herausforderungen beim Dino-Kauf

Durch intensives Training gelingt es Sohm, die Bewegungen so lebensnah wirken zu lassen: „Ich habe mir die „Jurassic Park“-Filme angeschaut und nachzuahmen versucht.“ Das große Maul, begleitet von Gebrüll, kann gerade kleine Kinder schon einmal in Angst und Schrecken versetzen. „Aber nach kurzer Zeit legt sich das. Spätestens dann, wenn sie Ruby streicheln.“

Jeder Auftritt ist Kraftakt

Für die 1,60 Meter große Frau bedeutet jeder Auftritt mit Ruby auch einen Kraftakt. Immerhin wiegt das Kostüm 20 Kilogramm. Innen ausgestattet mit zwei Hebeln zum Steuern des Kopfes und der Augen, einer Kamera, durch die sie nach Außen sieht und einem Ventilator. Denn es kann besonders jetzt im Sommer ganz schön warm werden im Inneren des imposanten Tieres, das mit Schaumstoff gefüllt ist.

Dass Antonia Sohm liebt, was sie macht, spürt man ohne Zweifel: „Ich freue mich einfach, wenn ich den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann.“ Damit hat sie selbst anfängliche Gegner des Projekts überzeugt: „Sie finden es nun toll, was ich mache.“

Weiter Informationen zu Ruby, dem Raptor unter:

https://www.rubytheraptor.at