In den Gemeinden wird es immer heißer

Vorarlberg / 11.08.2019 • 18:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Höchsttemperatur im Sommer ist um 1,6 bis 2,1 Grad gestiegen.

Schwarzach Alles begann mit einem Baum. 2017 pflanzten der damalige Landesrat Erich Schwärzler und Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern einen Baum, um den Start der Klimawandelanpassungsregion (Klar) Vorderwald/Egg zu symbolisieren. Neue Zahlen zeigen, wie notwendig diese Anpassung ist: Die durchschnittliche Höchsttemperatur in Vorarlbergs Gemeinden ist in den vergangenen Jahrzehnten um bis zu 2,1 Grad Celsius gestiegen. Die VN haben gemeinsam mit der Rechercheplattform Addendum anhand von Daten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) den Anstieg der mittleren Höchsttemperatur in allen 96 Vorarlberger Gemeinden analysiert.

Neun Vorarlberger Städte und Gemeinden haben eine durchschnittliche Höchsttemperatur von 25 Grad erreicht: Hard, Lustenau, Höchst, Gaißau, Fußach, Meiningen, Mäder, Hohenems und Altach. Der Durchschnitt errechnet sich aus den Tageshöchsttemperaturen der Sommermonate Juni, Juli und August der Jahre 2008 bis 2018. Der Wert wurde mit den Daten der Jahre 1971 bis 2000 verglichen. Zwischen der ersten und der zweiten Periode hat sich die Temperatur in Hard von 22,9 auf 25 Grad erhöht, also wie in Lauterach und Wolfurt um 2,1 Grad.

Während neun Gemeinden 25 Grad durchschnittliche Höchsttemperatur erreichen, schafften es in der Vergleichsperiode neun Gemeinden auf gerade einmal 23 Grad oder mehr. Der heißeste Ort war Meiningen mit 23,2 Grad, der kälteste Damüls mit 16,5 Grad. Die durchschnittliche Höchsttemperatur stieg dort nun um 1,8 Grad auf 18,3. Damüls bleibt jedoch Vorarlbergs Kältepol. Es handelt sich immer um Messungen im Gemeindezentrum. Die Qualität von Spartacus ist insbesondere seit 2010 stark gestiegen, was den Vergleich etwas beeinflussen könnte.

„Das Thema ist in der Gemeindepolitik angekommen“, ist Andreas Bertel vom Vorarlberger Energieinstitut überzeugt. Er und Monika Forster helfen Vorarlbergs Gemeinden bei der Klimawandelanpassung. Jede Gemeinde habe ihre eigenen Herausforderungen, erläutert Bertel. Die einen kämpfen mit Hochwassergefahren, die anderen mit dem Wasserhaushalt, wieder andere mit dem Waldbestand. Er fährt fort: „Von der Raumplanung bis zur Feuerwehr gehen wir mit den Gemeinden jeden Sektor pragmatisch durch. Sind zum Beispiel Glasfronten noch das geeignete Mittel der Architektur?“ Im Gebäudesektor könne davon ausgegangen werden, dass der Wärmebedarf sinke und der Kältebedarf steige.

In 27 Gemeinden lag die durchschnittliche Höchsttemperatur der Jahre 1971 bis 2000 bei 20 Grad Celsius oder weniger. Im Vergleichszeitraum 2008 bis 2018 sind noch sieben Gemeinden so kalt.