Geduld ist beim Brennen wichtig

Vorarlberg / 12.08.2019 • 17:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Von der Frucht bis zum Destillat – der Bürser Erwin Schrottenbaum ist ein begeisterter Brenner. BI
Von der Frucht bis zum Destillat – der Bürser Erwin Schrottenbaum ist ein begeisterter Brenner. BI

Erwin Schrottenbaum widmet sich dem Schnapsbrennen.

Bürs Erwin und Herlinde Schrottenbaum bilden ein Urgestein der Bludenzer und Bürser Gastronomieszene. Der idyllische Hirschengarten in Bludenz wurde von den beiden engagierten Wirtsleuten 15 Jahre lang bewirtet und bildete einen beliebten Treffpunkt für alle, ab 1995 wurde von ihnen das Restaurant „Rosenegg“ in Bürs übernommen, welches von ihnen liebevoll bis zur Pensionierung geführt wurde. Die zahlreichen Stammgäste vermissen heute noch „ihren“ Erwin und „ihre“ Herlinde. Hohe Qualität und ein ausgezeichneter Service stand für das innovative Gastronomen-Ehepaar stets im Vordergrund.

Familientradition

„Nach 47 Jahren im Gastgewerbe war es Zeit für uns aufzuhören. Wir sind beide sehr zufrieden über die hinter uns liegende Zeit, aber es war auch nötig, etwas Neues zu beginnen. Zu meiner Pensionierung bekam ich zu meiner Überraschung von meinen sieben Brüdern und Hans-Peter Salomon, einem guten Freund, eine Kolonnen-Brennerei geschenkt. Das hat mich sehr gefreut“, zeigt sich Erwin Schrottenbaum begeistert. Schon sein Großvater und sein Vater haben Schnäpse gebrannt. Er habe seinem Papa schon in jungen Jahren dabei geholfen. Mit Übernahme des Elternhauses habe er auch das Schnapsbrennen weitergeführt. „Das ist mir in Fleisch und Blut übergegangen, ich empfand so viel Begeisterung für das Brennen. Dieses muss behutsam vor sich gehen, man braucht viel Geduld und Konzentration. Für mich hat das Brennen immer einen guten Ausgleich zum Arbeitsalltag im Restaurant gebildet, der doch eher stressig war“, führt er weiter aus.

Das Schnapsbrennen ist mehr als ein einmaliger Vorgang, denn bereits im Frühjahr fallen der Baumschnitt und das Düngen an. Im Sommer erfolgt dann das Auslichten, damit genug Sonnenlicht für die Reifung des Obstes durchdringt, und im Herbst, wenn das Obst reif ist, wird es gesammelt und eingemaischt. Bei diesem Arbeitsvorgang wird das Obst zerkleinert, gemahlen und in einem großen Behälter (100 bis 200 Liter) vergoren. Nach sechs bis acht Wochen kann der Fruchtbrei gebrannt werden. „Langsamkeit ist beim Brennen wichtig, sonst wird es nichts“, betont Schrottenbeim sein Brenn-Prinzip. Der gesamte Brennvorgang dauere in etwa drei Stunden.

Goldmedaillengewinner

Das Obst für seine Schnäpse stammt von einer eigenen Streuobstwiese, auf der Äpfel-, Kirschen- und Zwetschken-Hochstammbäume stehen. Auch alte Birnenobstsorten sind dort zu finden. Mit dieser Sorte erhielt der begeisterte Brenner vor vier Jahren eine Goldmedaille als Sortensieger in Vorarlberg. „Die Pflege von Streuobstwiesen rückt glücklicherweise immer mehr in den Fokus. Mir ist die Erhaltung dieser Kulturlandschaft ein großes Anliegen“, erläutert Erwin Schrottenbaum seine Beweggründe. Neu im Programm sind bei ihm auch Kräuterschnäpse aus Enzian und Vogelbeere. Für das Brennen darf nur Obst verwendet werden, das in Vorarlberg gewachsen ist und er selber gesammelt hat. Er ist zudem ein „Abfindungsbrenner“, das heißt, dass er die Steuer für die Maische im Voraus beim Finanzamt zu entrichten hat.

Das Schnapsbrennen beinhaltet durchaus einen sozialen Aspekt. So hat er gleich nach der Pensionierung ein „Brennstüble“ ausgebaut. Und dort trifft sich auch die „Schnapsbrenner AG“, eine humoristische Aktiengemeinschaft, die ebenfalls zu seiner Pensionierung gegründet wurde. „Es gibt hundert Anteile, 92 davon habe ich“, sagt Erwin Schrottenbaum lachend. Langweilig werde es ihm nie. Und wenn, dann putze er eben seine Brennerei. BI

Erwin Schrottenbaum ist unter Tel. 0676 9668002 bzw. per E-Mail an erwin@schrottenbaum.at erreichbar.