Noch nie gab es weniger Felchen

12.08.2019 • 16:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Felchen in großer Zahl als Fang: Davon können die Bodenseefischer derzeit nur träumen. DPA
Felchen in großer Zahl als Fang: Davon können die Bodenseefischer derzeit nur träumen. DPA

Sauberer See, Kormoran, Stichling: Der beliebteste Bodensee-Speisefisch hat viele Feinde.

Bregenz, Fußach Berufsfischer Franz Blum (39) ist desillusioniert. „Ich fahre oft gar nicht mehr hinaus auf den See, um Felchen zu fangen. Die sind derzeit wie verschwunden. Der Diesel kostet mich mehr, als es Ertrag gibt“, sagt der Fußacher achselzuckend. Nicht selten verlieren sich nur noch drei oder vier Stück in den Netzen der Fischer. Viel zu wenig, um damit Kundschaften beliefern zu können. Kommende Woche will er es wieder probieren. „Ich bin ein Optimist. Vielleicht wird es ja besser.“

Problem Kormoran

Warum die Situation für die heimischen Fischer besonders im Zusammenhang mit dem Bodenseeessfisch Nummer eins, dem Felchen, immer prekärer wird, glaubt Blum zu wissen. „Der See ist zu sauber, die Kormorane sind in noch nie gesehener Zahl da und fressen, was sie kriegen können, und auch der Stichling bereitet Probleme.“

Da sind aber auch Phänomene, die sich Blum nicht erklären kann. „Ich entdecke einerseits Felchen, die gut genährt sind, und dann andererseits solche, die fast verhungern. Warum das so ist, weiß ich nicht.“ Hinzu komme, dass sich die Felchen derzeit gut im See verteilen. „In Tiefen zwischen drei und 50 Metern sind sie aufzufinden, aber nicht mehrere gleichzeitig an einer Stelle. Da wird das Fischen schwierig. Ich kann nur hoffen, dass sich das wieder ändert. Vielleicht wird es ja im September besser.“ Blum betont die gute Zusammenarbeit mit dem Naturschutz. Gegen die Kormorane verlangt er jedoch drastische Maßnahmen. „Derzeit kann man denen zuschauen, wie sie die Barschbestände auffressen.“

Auch der Fischereisachverständige des Landes, Nikolaus Schotzko (52), räumt ein, dass es noch nie so wenige Felchen im Bodensee gab wie jetzt. Die Gründe dafür sieht er ebenfalls im nährstoffarmen Wasser des Sees und im Stichling. „Die Fische legen weniger Eier und die Jungen wachsen langsamer. Früher brauchte es zwei Jahre, bis ein Felchen zu einer fangreifen Größe heranwuchs. Jetzt dauert das fünf Jahre.“ Der Stichling gebe dem beliebten Speisefisch den Rest. „Der Stichling kam ursprünglich nur im Uferbereich vor. Er hat sich im Laufe der Zeit in den See hinaus ausgebreitet. Dort frisst er Eier und Laich der Felchen und bis zu drei Zentimeter große Kleinfische“, erklärt er weiter.

Was der Mensch tun kann

Schotzko sieht am Bodensee jedoch auch erfreuliche Entwicklungen. Der regenreiche Mai habe Schilf und Uferbereiche überflutet und so die Entwicklung von Karpfen und Schleien ermöglicht. Auch Brachse und das Rotauge sieht der Experte als Speisefischalternativen zum Felchen.

Der Mensch könne den Fischen ebenfalls Gutes tun. Ökologische Ausgestaltungen der Zuflussbereiche in den See würden den Nährstoffeintrag erhöhen und so auch den Felchen wieder mehr Nahrung verschaffen, ist Schotzko überzeugt.

Dem Berufsfischer Franz Blum bringt all das in der Gegenwart noch wenig. Er wird sich auf dem offenen See wieder auf die Suche nach Felchen begeben und darauf hoffen, dass sich der köstliche Speisefisch doch noch in größerer Zahl für zahlende Kundschaften fangen lässt.

„Die Felchen legen weniger Eier als früher und wachsen langsamer.“