Ruf nach Lösung

12.08.2019 • 17:21 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Weiter Diskussion um Beratung zu barrierefreiem Bauen.

hohenems Der politische Diskurs, der um Beratungen zum barrierefreien Bauen zwischen ÖVP und SPÖ ausgefochten wird, überrascht einen nicht: Heribert Amann. Ihn hatte das Institut für Sozialdienste (IfS) nach der Pensionierung des Leiters der Abteilung „Menschengerechtes Bauen“ als bautechnischen Sachverständigen ins Boot geholt. Doch der Werkvertrag, der Ende 2016 ausgelaufen ist, wurde nicht mehr verlängert. „Seitdem liegt dieses Feld brach. Das Land hat de facto keine solche Beratung“, kritisiert der Hohenemser Baumeister und merkt an: „Behinderte haben offenbar keine Lobby.“

Eigenes Konzept erstellt

Dass dieses Angebot nicht mehr finanziert wird, sieht Amann insgesamt als Herabsetzung der Notwendigkeit des barrierefreien Bauens. Er verweist auf die Stadt Innsbruck, die für diesen speziellen Bereich eine eigene Fachkraft angestellt hat. „Bei uns hingegen wird die Verantwortung von einem Ressort ins andere geschoben“, ärgert sich Heribert Amann. Er hat nach dem Auslaufen des Werksvertrags versucht, eine Beratung aufrechtzuerhalten bzw. eine Stelle aufzubauen. Das Konzept sei auf positive Resonanz gestoßen, ebenso seien Gespräche mit Sicheres Vorarlberg, wo Amann die Beratung gerne angesiedelt hätte, gut verlaufen. Auch eine Mitarbeiterin, mit der er sich den Halbtagsjob teilen wollte, hätte Interesse gezeigt. Doch letztlich fielen die Pläne wie ein Kartenhaus in sich zusammen. „Das Vorhaben wurde abgewürgt“, ist Heribert Amann überzeugt. Er vermutet, dass auch der finanzielle Aufwand eine Rolle spielte. Zwischen 80.000 und 100.000 Euro wären für eine solche Beratungsstelle erforderlich gewesen.

Was Amann besonders grämt, ist der Umstand, dass ein aus seiner Sicht sehr wichtiges Angebot ohne eine adäquate Lösung einfach gestrichen wurde. Als er die Beratertätigkeit beim IfS übernahm, absolvierte er die Ausbildung zum zertifizierten Berater für bauliche und gestalterische Barrierefreiheit. Die Ausbildungskosten übernahm das Institut für Sozialdienste. Noch immer bekommt Heribert Amann Anfragen von Privatpersonen, die ihre Wohnung oder ihr Haus barrierefrei gestalten wollen, doch immer muss er darauf hinweisen, dass er als Unternehmer keine kostenlosen Beratungen machen kann. Aus seiner Sicht muss diese Problematik dringend neu geregelt werden. „Es geht auch darum, die Anliegen von Menschen mit Handicap ernstzunehmen“, meint er. VN-MM

„Bei uns wird die Verantwortung von einem Ressort ins andere geschoben.“