„Es schaut wie ein Teppich aus“

13.08.2019 • 17:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Babak Rezwani (50) erklärt, wie es das Vorarlberg-Wappen auf das Firmenlogo seines Teppichladens in Vancouver Island schaffte.CO
Babak Rezwani (50) erklärt, wie es das Vorarlberg-Wappen auf das Firmenlogo seines Teppichladens in Vancouver Island schaffte.CO

Orientteppichhändler in Kanada nutzt Vorarlberger Landeswappen als Firmenlogo.

Schwarzach Victoria, Vancouver Island, im äußersten Westen Kanadas. Knapp 8500 km oder zehn Flugstunden liegen zwischen Vorarlberg und einem der schönsten Flecken dieser Erde. Und plötzlich steht man vor dem Vorarlberger Landeswappen, angebracht an einem roten Backsteinhaus in der Fortstreet 919. Schnell wird klar, dass es sich hier nicht um eine konsularische Vertretung Vorarlbergs oder eine Außenhandelsstelle handelt, sondern um einen einfachen Teppichladen.

Babak’s Oriental Carpets ist in gelben Lettern auf blauem Grund unter dem roten Wappen zu lesen. Das ist kein Zufall, sondern bewusst so gewählt. Babak Rezwani (50), der Firmeninhaber, ist Österreicher. Als Sohn persischer Einwanderer 1969 in Graz geboren, verbrachte er seine Kindheit und Jugend in der Steiermark. 1988 packte seine Eltern ein zweites Mal das Fernweh und die Rezwanis wanderten mit ihrem Sohn, der gerade die Matura erfolgreich bestanden hatte, nach Vancouver Island aus. 1994 machte sich Barak selbstständig. Auf gut 100 Quadratmetern verkauft er seither Orientteppiche. „Ich wollte damals etwas Österreichisches für mein Geschäft, weil ich mit dieser Kultur aufgewachsen bin. Ich erinnerte mich an das Vorarlberger Wappen, das wie ein Teppich mit Fransen ausschaut“, erklärt Babak Rezwani den doch etwas überraschenden Grund, warum seit 25 Jahren das Vorarlberger Wappen – dem er eine goldene Krone aufgesetzt hat – die Fassade seines Ladens ziert. Und Babak geht mit der Zeit: Egal ob auf Facebook oder Instagram, auch in den sozialen Medien wirbt der Auswanderer und Doppelstaatsbürger mit dem Landeswappen, ursprünglich das Wappen der Grafen von Montfort. Dabei ist Babak Rezwanis Beziehung zu Vorarlberg nicht sehr ausgeprägt. Ja, zum Skifahren sei er einmal am Arlberg gewesen, mehr Verbindung gebe es nicht, lässt der Geschäftsmann keinen Zweifel, dass ausschließlich das „Teppich-Design“ den Ausschlag für die Wahl seines Firmenlogos gab.

An Österreich interessiert

Seine Bande zu Österreich sind über die drei Jahrzehnte sehr eng geblieben. Jeden Tag informiert sich der Teppichhändler via Internet über das Geschehen in der alten Heimat und selbstverständlich werde er wie bei jeder Wahl auch Ende September per Briefwahl seine Stimme abgeben. Für wen, das will er nicht verraten, zuerst müsse für ihn klar ersichtlich sein, was die jeweiligen Parteien inhaltlich anzubieten hätten.

Für die Zeit nach seiner Pensionierung überlegt er gar eine Rückkehr in die Steiermark. „Ich bin zwar schon viel länger in Kanada als in Österreich, aber mein Herz hängt noch immer mehr an Österreich.“ Ob es dann auch wieder an den Arlberg geht? Babak Rezwani lacht: „Warum nicht?“ CO

Stichwort

Das Vorarlberger Landeswappen

Das Wappen – es zeigt eine Kirchenfahne – war ursprünglich das Kriegswappen der Grafen von Montfort. In Friedenszeiten wurde eine schwarze Version verwendet. Die ersten farbigen Versionen tauchten Mitte des 14. Jahrhunderts auf. Nach Ausrufung der Republik 1918 wurde es zum Vorarlberger Landeswappen erklärt. Im ersten Wappengesetz von 1918 wurde das Landeswappen noch als das „Montfortische rote Kriegsbanner“ bezeichnet, später verzichtete man auf den Hinweis auf dem kriegerischen Ursprung.