Auch in Vorarlberg war ein Hauch von Woodstock zu spüren

15.08.2019 • 13:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
John Sebastian beim Woodstock-Festival 1969. Das diesjährige Jubiläumsfestival sollte das Gefühl von damals wieder aufleben lassen. Zwei Wochen vor Beginn wurde das „Woodstock 50“ wegen organisatorischer Probleme abgesagt.

50 Jahre Woodstock. Das Gefühl von „Peace, Love and Rock’n’Roll“ schwappte auch auf Vorarlberg über.

Tanja Schwendinger

New York, Koblach Bunte T-Shirts, Räucherstäbchen und Peace-Zeichen soweit das Auge reicht: Wohl kein anderes Musikfestival hat sich derart ins kollektive Gedächtnis eingebrannt: Heute vor exakt 50 Jahren ging das erste Woodstock-Festival im Zeichen von „Peace, Love and Rock’n‘ Roll“ über die Bühne. Ursprünglich geplant in Woodstock, stieg das dreitägige Open Air schlussendlich auf einem Maisfeld nahe Bethel rund 150 Kilometer von New York entfernt. Eine halbe Million Menschen feierten den Höhepunkt der Hippiebewegung mit einem friedlichen Fest, während sich die USA mitten im Vietnamkrieg befanden. Viele Künstler, darunter Janis Joplin, Joe Cocker und Jimi Hendrix, legten den Grundstein für ihren Welterfolg und prägten den Musikgeschmack einer ganzen Generation – bis heute. Ausgelegt auf 150.000 Besucher, gab es für die Organisatoren aber viele Probleme zu überwinden. Der Regen verwandelte das Gelände in eine Schlammgrube und auf der Bühne mussten Musiker schon mal mit Stromschlägen fertigwerden. Und trotzdem: Woodstock war ein Welterfolg und steht bis heute für Freiheit und die verbindende Kraft des Rock’n’Roll.

Woodstock vom Kinosessel aus

Das Woodstock-Fieber erfasste 1969 die ganze Welt, doch nur wenige Europäer waren dabei. In Vorarlberg konnte man zumindest vom Kinosessel aus den Geist von Woodstock spüren. Kino-Betreiber Peter Pienz (73) kann sich noch gut an den Andrang im Metrokino erinnern: „Die Dokumenation über Woodstock war über vier Wochen lang ausverkauft. Auch in meinem Open-Air-Kino, welches ich in ganz Österreich betrieben habe, war es der Renner unter den Musikfilmen.“ Auch Rockprofessor Reinhold Bilgeri (69) kann von der „fleischgewordenen Hymne auf die Freiheit einer neuen Generation“ ein Lied singen. „Woodstock hatte eine große Auswirkung auf unser Leben. Nach den reaktionären, kriegerischen Jahren hat man ein neues Lebensgefühl gefeiert. Das war für junge Rockmusiker wie Weihnachten und Ostern zusammen.“

 1970 wurde das Flint-Festival, das als Woodstock von Vorarlberg in die Geschichte einging, veranstaltet. Ein Jahr später trugen es die Initiatoren symbolisch zu Grabe.
1970 wurde das Flint-Festival, das als Woodstock von Vorarlberg in die Geschichte einging, veranstaltet. Ein Jahr später trugen es die Initiatoren symbolisch zu Grabe.

„Ländle ohne Maulkorb“

Einen Hauch von Woodstock konnte man im Ländle auch hautnah erleben. Angelehnt an die Idee des Festivals, initiierte Bilgeri 1970 mit einem Trupp kreativer Köpfe, darunter Noldi Luger, Günter Hagen und Michael Köhlmeier, das Flint-Festival. Bilgeri, der zu jener Zeit seine Musikkarriere startete, trat mit seiner Band „ Wanted“ auf. „Wir wollten uns nichts mehr verbieten lassen, weder Filme noch unsere Gedanken zur Welt. Und so machten wir eben unser eigenes Woodstock.“ Ziel der Gruppe: Ein Ländle ohne Maulkorb, durchlüftet mit einer Ladung Rock’n’Roll. Das Konzept ging auf: 1000 Besucher strömten auf das Gelände unterhalb der Neuburg in Koblach. Eine Fortsetzung im darauffolgenden Jahr wurde von der Landesregierung jedoch verhindert, indem sie das Areal in letzter Sekunde unter Naturschutz stellte. Bei einem Trauerzug trugen die Initiatoren das Open Air 1971 symbolisch zu Grabe. „Das Festival war damals ein schmerzender Stein im Schuh der Politik“, sagt Bilgeri „aber für uns der Beginn der geilsten Lebenszeit.“

Das Woodstock-Festival zog 1969 knapp eine halbe Million Besucher an. Die Organisatoren hatten zu kämpfen, auch mit dem Wetter. ap
Das Woodstock-Festival zog 1969 knapp eine halbe Million Besucher an. Die Organisatoren hatten zu kämpfen, auch mit dem Wetter. ap