150 Wohnungen auf Klostergelände

Vorarlberg / 16.08.2019 • 18:39 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Nachnutzung für das Salvatorkolleg an der Ortsgrenze zwischen Hörbranz und Lochau ist auf Schiene. Verfolgt wird ein Projekt für genossenschaftlichen Wohnbau. VN/Steurer
Die Nachnutzung für das Salvatorkolleg an der Ortsgrenze zwischen Hörbranz und Lochau ist auf Schiene. Verfolgt wird ein Projekt für genossenschaftlichen Wohnbau. VN/Steurer

Mit genossenschaftlichem Wohnbau sind die Weichen für die Zukunft des Salvatorkollegs gestellt.

Hörbranz, Lochau Es sei eine Entscheidung, die weh tut, ließen die Padres des Salvatorianer Ordens vor eineinhalb Jahren wissen. Der fehlende Nachwuchs zwinge sie dazu, das traditionsreiche Kolleg an der Ortsgrenze zwischen Lochau und Hörbranz zu schließen. Seither wird intensiv über eine Nachnutzung der imposanten, mehrere Hektar großen Liegenschaft diskutiert. Ein Verein mit heute 100 Mitgliedern wurde gegründet. Mit einem Grundsatzpapier „Kloster 3000“ sind die Weichen für die Zukunft nun gestellt. „Die Ordensleitung ist zur Überzeugung gekommen, dass wir damit den richtigen Ansatz verfolgen“, sagt Franz Rüf (68), Obmann „Verein zur nachhaltigen Nutzung des Salvatorkollegs“. Erstmals soll demnach in Vorarlberg ein gemeinwohlorientiertes, genossenschaftlich organisiertes Quartier für leistbares Wohnen entstehen. Statt kaufen und mieten setzt der Orden damit auf eine Wohnform, die einem christlichen Ansatz gegen Vereinsamung, für mehr Miteinander und für mehr Verantwortung für Natur und Umwelt folgt, beschreibt Rüf.

Imposante Immobilie

Das Kloster ist ein markanter Blickfang. Denkmalgeschützt. Zur Immobilie gehören über 14 Hektar Grünland und 1,6 Hektar Flächen, die als Sondernutzung Kloster gewidmet sind. Das Hauptgebäude, 6000 Quadratmeter groß, ist 6-stöckig. Es biete in seiner Substanz ideale Voraussetzungen für genossenschaftlich genutzte Bereiche. Gewerbeflächen könnten im Erdgeschoß entstehen, Gemeinschaftsräume, Seminar- und Hotelräumlichkeiten darüber, beschreibt Franz Rüf. Die 16.000 Quadratmeter gewidmete Flächen wären hochverdichtetem Wohnbau vorbehalten. „150 Wohnungen in unterschiedlichen Größenordnungen“, beschreibt der Vereinsobmann. Damit lässt sich auch ein Investitionsvolumen jenseits der 40-Millionen-Euro-Grenze errechnen. Gestalterisch soll das bestehende Kloster durch die baulichen Ergänzungen gestärkt werden. Es sei ursprünglich bereits viel größer geplant gewesen.

Durchmischung entscheidend

Rüf hat für das Projekt mit Paul Stampfl einen ausgewiesenen Experten für genossenschaftlichen Wohnbau gewinnen können. Der 48-Jährige steht dem Verein NeNa-V (Neue Nachbarschaft Vorarlberg) vor. Vom Akademiker bis zum Sozialhilfeempfänger, vom jungen Single bis zum Pensionisten. Stampfl verweist auf die notwendige Durchmischung der Genossenschaftmitglieder. Sie sollen die Gesellschaft abbilden. Eine gewisse Größenordnung vorausgesetzt, würden wirtschaftliche Vorteile entstehen. Vom Carsharing bis zum gemeinsamen Einkauf oder der gemeinschaftlich genutzten Küche würden sich Einsparungen erzielen lassen. „Das zeigen Beispiele etwa in der benachbarten Schweiz, wo genossenschaftlich genutzte Quartiere traditionell eine beliebte Wohnform darstellen“, so Stampfl weiter.

In Vorarlberg ist genossenschaftliches Wohnen noch nicht so richtig angekommen. Dabei biete es viele Vorteile, sei vor allem auch günstiger und trage einen wichtigen Beitrag zu leistbarem Wohnen bei. Den Kostenvorteil beziffert Franz Rüf mit rund einem Drittel, verweist gleichzeitig auch die hohe Bauqualität. Da werde keinesfalls gespart. „Wir wollen Wohnraum hochqualitativ, nachhaltig und energieeffizient erstellen.“

Ordensleitung entscheidet

Die Weichen für das Projekt sind gestellt. Das vorliegende Nutzungsszenario dient jetzt einer Machbarkeitsstudie. Auch die Leiblachtalgemeinden sind längst eingebunden. Erste Arbeitsgruppen haben ihre Arbeit aufgenommen. „Wir gehen den Weg des Vereins wohlwollend mit“, sagt Ordens-Pater Wolfgang Sütterlin im VN-Gespräch. Die Letztentscheidung liege freilich bei der Ordensleitung in München und werde erst getroffen, wenn ein finales Konzept vorliege, das sorgfältig zu prüfen sei.

Eine der Arbeitsgruppen beschäftigt sich mit der Frage, wie der Ort in einer Nachnutzung als geistiges Zentrum weitergeführt werden könne. Für die Padres und Initiatoren ein wichtiges Anliegen. Schließlich gehe es darum, dass die bisherige Arbeit auch nach dem Rückzug des Ordens fortgeführt werden könne, so Pater Wolfgang Sütterlin.

Wenn bis Mitte nächsten Jahres die wichtigsten Fragen geklärt sind und es grünes Licht aus München gibt, könnten bis 2024/2025 die ersten Wohnungen von Genossenschaftsmitgliedern bezogen werden, beschreiben die Initiatoren den zeitlichen Rahmen des Projekts.

„Beim genossenschaftlichen Wohnen rechnen wir mit einen Kostenvorteil von einem Drittel.“

„Bei der Umsetzung ist der richtige Mix der Mitglieder von großer Bedeutung.“

Stichwort

Salvatorkolleg

1893, zwölf Jahre nach der Gründung des Ordens, wurde das Kloster an der Ortsgrenze zwischen Lochau und Hörbranz als Studienkolleg für den Ordensnachwuchs aufgebaut. Bis in die 1970er-Jahre wurde ein Internat geführt. Anfang 2018 hat die Ordensleitung entschlossen, den Betrieb in den nächsten Jahren einzustellen. Die Padres wechseln in andere Standorte, etwa nach Badwurzach im Allgäu. Der Rückzug ist für 2021 geplant.