„Altersarmut ist weiblich“

Vorarlberg / 18.08.2019 • 17:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Pensionsansprüche der Frauen sind nur halb so hoch wie jene der Männer.

schwarzach „Altersarmut ist überwiegend weiblich“, sagt Michael Diettrich, Sprecher der Vorarlberger Armutskonferenz und Geschäftsführer der Sozialhilfeeinrichtung „Dowas“. Kein Wunder: Die durchschnittliche Pension, die auf eigener Erwerbstätigkeit beruht, ist bei Frauen viel niedriger als bei Männern. Ganz besonders in Vorarlberg. Das zeigen die Daten, die das Sozialministerium für das vergangene Jahr veröffentlicht hat.

Die Angaben beziehen sich auf Direktpensionen. Das sind Invaliditäts- und Alters-, nicht aber Witwen- und Waisenpensionen. Bei Frauen belaufen sie sich in Vorarlberg auf durchschnittlich 941 Euro. Bei Männern sind es im Unterschied dazu ganze 1782 Euro. Das sind um 89 Prozent mehr. So groß ist die Schere in keinem anderen Bundesland. In Oberösterreich handelt es sich um 86 Prozent, in Tirol um 77 und im Burgenland um 76 Prozent. Am kleinsten ist der Unterschied in Wien. Mit 44 Prozent ist er dort nur halb so groß wie in Vorarlberg: Frauen kommen in der Bundeshauptstadt auf eine durchschnittliche Direktpension von 1238 Euro und Männer auf 1788 Euro.

Die Gründe sind vielfältig. „Wir haben im Ländle mehr nur teilzeitbeschäftigte Frauen als im Österreichschnitt, die zudem noch weniger Stunden arbeiten“, sagt Michael Diettrich. Die Arbeits- und Einkommensexpertin Christine Mayrhuber bestätigte dies zuletzt im Rahmen eines VN-Berichts zur Einkommensschere: In Vorarlberg würden 52 Prozent der Frauen Teilzeit arbeiten. Das ist etwas mehr als die Hälfte. Österreichweit handle es sich dagegen um 48 Prozent. „Dazu kommt, dass die Frauen, die Teilzeit arbeiten, in Vorarlberg auf weniger Stunden kommen als in Gesamtösterreich“, so Mayrhuber.

Das Problem: Wer weniger arbeitet, verdient eher nicht so gut; und wer nicht so gut verdient, kommt alles in allem auch zu bescheideneren Pensionsansprüchen. Bei einem Ehepaar, das auch den Lebensabend gemeinsam verbringt, bleibt das in der Regel ohne schmerzliche Folgen. In diesem Fall ergänzen die höhere Pension des Mannes und die kleinere Pension der Frau einander; für beide kann das ausreichend sein. Schwieriger wird es laut Diettrich vor allem für Frauen, die nach einer Scheidung allein leben; sie haben dann fast nichts. Bei einer Scheidungsrate von über 40 Prozent ist das keine Seltenheit.

Traditionelles Rollenbild

Ausschlaggebend für die hohe Teilzeitquote seien ein traditionelles Rollenbild, wonach sich die Frau um Haushalt und Familie zu kümmern hat, sowie fehlende Kinderbetreuungsangebote, meint Diettrich. Gerade im Hinblick auf die Pension wäre seines Erachtens aber auch eine Bewusstseinsbildung nötig: „Zu viele denken in ihrer Jugend noch nicht ans Alter oder sind überhaupt der Überzeugung, dass es bei ihnen am Ende des Tages ohnehin keine Pension mehr geben wird.“ JOH

„Wir haben im Ländle mehr nur teilzeitbeschäftigte Frauen als im Österreichschnitt.“