Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Rom mit Angelika und Goethe

Vorarlberg / 18.08.2019 • 10:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Vor einigen Jahren zeigte das Angelika Kauffmann Museum in Schwarzenberg die Ausstellung „Residenz Rom“, in der die Zeit Kauffmanns in der damaligen italienischen Kunstmetropole aufgearbeitet wurde. Auch derzeit ist ein entscheidendes Bild aus der römischen Zeit von Angelika Kauffmann zu sehen. Es ist eine gemeinsame Ausstellung mit dem vorarlberg museum, „Angelika Kauffmann. Unbekannte Schätze aus Privatsammlungen“, die tatsächlich ein interessantes, weitgehend unbekanntes Bild von Angelika zeigt.

„Ganz in der Nähe, über der Spanischen Treppe bei der Kirche Trinità die Monti, wohnte auch Angelika.“

Die Bregenzer Schau ist natürlich umfangreicher, aber auch das kleine, feine Museum in Schwarzenberg lohnt – wie immer – die Fahrt. Das angesprochene Bild aus römischer Zeit ist das Porträt von Johann Joachim Winckelmann aus dem Jahr 1764, das im Besitz des Kunsthauses Zürich ist. Es ist ein großartiges Porträt, vielleicht das beste, das wir von Winckelmann kennen. Winckelmann war damals Verantwortlicher für die Altertümer in Rom und wurde zum wesentlichen Förderer der Wiederentdeckung der antiken Kunst. Das Porträt entstand während des ersten Aufenthaltes von Angelika in Rom (1754 bis 1766), anschließend zog sie für lange Zeit nach London, um sich 1782 bis zu ihrem Tod 1807 in Rom niederzulassen.
Im September 1786 kam Johann Wolfgang von Goethe nach Rom und ließ sich in der Via del Corso 18, in der Wohnung des befreundeten Malers Heinrich von Tischbein, nieder. Schon nach ganz kurzer Zeit traf er sich mit der damals schon berühmten Malerin: „Bey Angelika Kauffmann bin ich zweymal gewesen, sie ist gar angenehm und man bleibt gern bey ihr“, notiert er in der „Italienischen Reise“. Sehr oft war Goethe bei Angelika, gemeinsames Essen und vor allem Museumsbesuche standen auf dem Programm: „Mit Angelika ist es gar angenehm, Gemälde zu betrachten, da ihr Auge sehr gebildet und ihre mechanische Kunstkenntnis so groß ist.“

Goethe hat wie Angelika viele Spuren in Rom hinterlassen, seine Wohnung wurde zum Museum, zur „Casa di Goethe“, im nahe gelegenen Antico Caffè Greco bei der Spanischen Treppe war Treffpunkt mit anderen Künstlern. Ganz in der Nähe, über der Spanischen Treppe bei der Kirche Trinità die Monti, wohnte auch Angelika. Und nicht weit davon, in der Kirche San Andrea delle Fratte, fand Angelika Kauffmann mit ihrem Mann Antonio Zucchi die letzte Ruhe. Allein diese Orte sind – neben vielen anderen – ein Grund, nach Rom zu fahren. Ganz besonders ist es, einerseits die Bilder in Vorarlberg und andererseits auch die Lebensplätze in Rom zu sehen.

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.