Bergrettung, bitte abholen

Vorarlberg / 19.08.2019 • 22:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In Mittelberg wurden ein 82-jähriger Wanderer und seine Gattin mit dem Hubschrauber „Gallus 1“ in Sicherheit gebracht.Bergrettung Vorarlberg
In Mittelberg wurden ein 82-jähriger Wanderer und seine Gattin mit dem Hubschrauber „Gallus 1“ in Sicherheit gebracht.Bergrettung Vorarlberg

Erschöpfte Wanderer hielten die Vorarlberger Bergretter nicht nur am Sonntag auf Trab.

Schwarzach Sie sind die Retter in der Not, doch immer öfter werden sie auch von Menschen gerufen, die bei einem Ausflug in die Berge ihre Kräfte überschätzt haben. In Vorarlberg wurden alleine am Sonntag fünf solcher Einsätze registriert. Auf der Wiesalpe in Mittelberg löste ein 80-jähriger Wanderer einen Bergrettungseinsatz aus, weil er erschöpfungsbedingt nicht mehr weiterkam. Auf der Silvretta Hochalpenstraße musste ein 61-jähriger Radfahrer wegen eines starken Erschöpfungszustandes von der Rettung geborgen werden. Auf dem Wanderweg Schafberghüsli/Kesselweg in St. Gallenkirch eilten die Bergretter einer völlig entkräfteten 82-jährigen Wanderin zu Hilfe. Auf der Zimba im Bereich Steintäli wurde ein 68-jähriger Mann wegen Kreislaufbeschwerden vom Polizeihubschrauber „Libelle“ ins Tal geflogen. Und auf einem Wanderweg in Mittelberg, in der Nähe der Kanzelwand-Bergstation, mussten ein völlig erschöpfter 82-jähriger Wanderer und seine ebenfalls entkräftete Gattin vom Hubschrauber „Gallus 1“ geborgen werden.

Dass die Einsatzkräfte am Sonntag gleich fünf Mal wegen erschöpfter Bergsportler ausrücken mussten, habe vor allem damit zu tun, dass so viele Leute in den Bergen unterwegs waren, analysiert Bertram Klehenz, stellvertretender Leiter der Bergrettung Vorarlberg. „Der Sonntag war der bislang stärkste Tag der Saison.“ Abgesehen davon sei es aber auch so, dass in den letzten Jahren eine Zunahme von solchen Einsätzen zu verzeichnen sei. Klehenz führt das vor allem auf zwei Gründe zurück: eine falsche Leistungseinschätzung und/oder eine falsche Tourenplanung.

Tour statt Tortur

Damit die Tour nicht zur Tortur wird, sollte man sich laut Bergrettung stets die Frage stellen: Ist dieses Ziel für mich bzw. das schwächste Gruppenmitglied erreichbar? Zu hohe Anforderungen an den eigenen Körper gelten nämlich als  häufigster Grund für Bergunfälle. Ausrutschen, Stolpern, Herzkreislaufbeschwerden: Je älter man wird, umso mehr lasse die Kondition nach, sagt der stellvertretende Leiter der Bergrettung Vorarlberg. „Das kommt schleichend. So kann es sein, dass eine Tour, die vor ein paar Jahren noch kein Problem war, plötzlich zu weit ist“, führt er aus.

Alarmiert werden die Bergretter von der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle (RFL). Die Rechnung für den Einsatz muss der Gerettete grundsätzlich aus der eigenen Tasche bezahlen, außer er hat eine private Unfallversicherung. „Da die Krankenkasse nur für den Transport im Tal zuständig ist und nicht für den Transport vom Berg ins Tal, gibt es hier keinen kompletten Kostenersatz von der Krankenkasse“, erläutert der ÖAMTC. Bei alpinen Einsätzen mit sehr schweren Verletzungen bezahle die Kasse ebenfalls nur eine Pauschale für den Transport im Tal. Klehenz empfiehlt daher eine Versicherung für Sport- und Freizeitunfälle. „Das sind ein paar Euro im Monat. Wenn ein Einsatz nötig ist, kommen relativ schnell ein paar Tausend Euro zusammen“, unterstreicht er. vn-ger