Jauche am Spullersee stinkt Naturschützern

Vorarlberg / 19.08.2019 • 18:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die ausgebrachte Jauche in der Umgebung des Spullersees sorgt für Aufregung. Metzler
Die ausgebrachte Jauche in der Umgebung des Spullersees sorgt für Aufregung. Metzler

Sträucher, Büsche und Blumen mit Jauche beschüttet.

Dalaas Fotos eines Wanderers zeigen in Jauche gehüllte Sträucher, Blumen und Steine im Bereich des Spullersees kurz vor der Dalaaser Staffel. Die Aufnahmen sind neu, die Problematik nicht. Exakt vor fünf Jahren hatte ein ähnliches Foto bereits für heftige Debatten gesorgt. Auch damals war der Bereich um den Spullersee Schauplatz einer „unsensiblen Jaucheausbringung“.

„Es handelt sich hier um einen einmaligen Fehler, der so nicht mehr vorkommen wird“, hatte der damalige Agrarlandesrat Erich Schwärzler zu dem Vorfall angegeben. „Leider hat sich das nicht bewahrheitet“, ärgert sich nun Grünen-Landesrat Johannes Rauch. „Wir brauchen die Alpwirtschaft in Vorarlberg, ihr Beitrag zur Erhaltung der Kulturlandschaft ist unbezahlbar. Was wir nicht brauchen können, sind derartige ‚wiederholte Einzelfälle‘, wo offenbar die Sensibilität gegenüber Natur und Landschaft nicht ausreichend vorhanden ist. Sie schaden nicht nur der Natur, sondern dem an sich guten Ruf der Alpwirtschaft insgesamt“, so Rauch, der die Landwirtschaft auffordert, in den eigenen Reihen für Ordnung zu sorgen.

„Aus naturschutzrechtlicher Sicht ist dieses Vorgehen sicherlich nicht zu befürworten. Rein rechtlich liegt es aber im Rahmen des Erlaubten“, sagt die stellvertretende Naturschutzanwältin Anna Waibel, der die aktuellen Bilder ebenfalls vorliegen. „Es ist sicher absolut unnötig, Büsche in dem Maß zu beschütten“, so Waibel.

„Ich bin in dieser Sache ein gebranntes Kind“, kontert Johannes Gantner, Obmann der Alpe Spullers. „Sobald Gülle ausgebracht wird, ist der Aufschrei groß. Es redet aber niemand darüber, dass wir 1500 Fronstunden machen, damit andere hier ihre Freizeit verbringen können“, so Gantner. „Ich will nicht behaupten, dass es nicht schöner zu machen gewesen wäre, aber wir mussten heuer auf einen neuen Ausbringer zurückgreifen“, gibt er an. Zudem handle es sich in diesem Bereich um hügeliges Gelände, in dem die Jauche per Druckfass ausgebracht werde. Da sei eine exakte Ausbringung nicht einfach. Den Vorwurf, dass die Ausbringung unverhältnismäßig sei, weist der zuständige Alpobmann klar von sich. „Die Gülle, die wir ausbringen, besteht zu zwei Dritteln aus Wasser und ist somit stark verdünnt“, argumentiert Gantner.

„Das Problem ist, dass so viel Dünger anfällt, dass man mehr weiß, wohin damit“, ortet Franz Ströhle vom Alpenschutzverein ein generelles Problem. Es werde Futtermittel hinaufgekarrt, wodurch zu viel Mist anfalle. „Schon eine einmalige Düngung reicht, um die Alpenflora zu ruinieren“, so Ströhle, der mit den Verursachern hart ins Gericht geht: „Es handelt sich bei solchen Aktionen um ökologisch schwere Vergehen.“

Bereits vor fünf Jahren hatte sich Johannes Gantner dazu bekannt, um noch mehr Sensibilität bemüht zu sein. „Dieses Bemühen wurde uns im Jahr darauf auch von Umweltabteilung und Wasserbauamt attestiert“, versichert der Alpobmann. Ein Bemühen, das aus Sicht der Naturschützer nun einer weiteren Feinjustierung bedarf.

„Rechtlich liegt das Vorgehen im Rahmen des Erlaubten, auch wenn es keine gute Praxis ist.“