Schweiz-Verbot für Kamele

Vorarlberg / 19.08.2019 • 16:21 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auch im Gras finden es die ausgewachsenen Wüstentiere gemütlich. 
Auch im Gras finden es die ausgewachsenen Wüstentiere gemütlich. 

Zirkusbesitzer Beat Breu fehlen Papiere für seine buckligen Manege-Stars.

LUSTENAU In Schweizer Medien wurde wild spekuliert. Ist es die Infektionskrankheit eines Pferdes, die in Lustenau diagnostiziert wurde? Oder gar die Angst einer Ansteckung mit dem Rinder-TBC-Erreger? Im Mittelpunkt dieser Spekulationen stehen vier Kamele, elf Pferde und sechs Ponys. Sie weilen derzeit auf einer Wiese beim Lustenauer Millenniumpark, unmittelbar neben dem McDonald’s. Vor allem die buckligen Exoten fühlen sich auf der offenen Wiese sichtlich wohl, auch wenn sie eigentlich nicht dort sein sollten.

Den Spekulationen um die Zirkustiere und ihre möglichen Gebrechen setzt Landwirtschaftslandesrat Christian Gantner (38, ÖVP) ein Ende. „Es besteht kein Zusammenhang, weder mit der Pferde-Infektion noch mit der Rinder-TBC. Die Kamele können nicht in die Schweiz eingeführt werden, weil eine Blauzungenimpfung sowie eine Genehmigung für den Auftritt in einem Zirkus fehlen.“

Bubentraum erfüllt

Die Zirkustiere gehören dem ehemaligen Schweizer Radstar Beat Breu (61). Der zweifache Tour-de- Suisse-Sieger und umjubelte Triumphator von zwei Bergetappen bei der Tour de France hat sich nach einigen missglückten geschäftlichen Unternehmungen unlängst einen Zirkus zugelegt und sich nach eigenen Angaben damit einen Bubentraum erfüllt.

Warum die Tiere ausgerechnet in Lustenau sind, hat eine längere Vorgeschichte. Laut der Schweizer Zeitung „Ostschweiz“ schloss sich Breu aus wirtschaftlichen Gründen mit dem „Classic Circus Berlin“ der Familie Lauenburger zusammen. Der „Classic Circus Berlin“ war in den vergangenen Jahren regelmäßig in Österreich unterwegs. Breu übernahm offensichtlich das gesamte Material – von den Zeltanlagen bis zu Tiertransportern – vom deutschen Zirkus und ließ die in Lustenau stationierten Wagen einfach nur mit seinem Namen beschriften.

Kamele auf der Wiese

Den Tieren scheint es im Exil jedoch gut zu gehen, wie sich bei einem VN-Besuch offenbarte. Während die zehn Pferde sowie die Ponys in ihren Zeltstallungen untergebracht sind, genießen die vier Kamele auf der angrenzenden Wiese volle Bewegungsfreiheit. Zwei rumänische Tierpfleger kümmern sich um das Wohlbefinden der Zirkus-Stars und demonstrieren dabei, wie zutraulich die an Menschen gewöhnten Kamele sind. Zwischendurch wälzen sich die Exoten genüsslich im Gras und nähern sich freundlich den Besuchern.

Die Tierpfleger verstehen weder Deutsch noch eine andere Fremdsprache. Sie haben keine Ahnung, wie es mit den Tieren weitergeht. Für die angrenzenden McDonald‘s-Besucher sind die Kamele ein beliebter Blickfang geworden.

Weniger gut geht es Zirkus-Besitzer Beat Breu. Er muss in der Schweiz ohne seine Tiere Vorstellungen anbieten, der Zuschauerandrang hält sich nicht zuletzt deswegen in Grenzen. Am vergangenen Donnerstag sah sich der frühere Radstar zu allem Überdruss auch mit einer Razzia der Eidgenössischen Zollverwaltung, der Schaffhauser Polizei und des Arbeitsinspektorats des Kantons Schaffhausen konfrontiert. Eine Aufführung in Herblingen schien dadurch in Gefahr, konnte dann aber doch stattfinden. Die Razzia brachte kaum Ergebnisse. Lediglich die zu späte Anmeldung eines ausländischen Mitarbeiters wurde bemängelt.

Breu macht Zirkus dicht

Der frühere „Bergfloh“ der internationalen Radszene hat sich mit seinen geschäftlichen Unternehmungen nach der Sportkarriere nicht durch große Erfolge hervorgetan. So erlitt er etwa mit einem „Wildwest-Bordell“ in Oberbüren (Kanton St. Gallen) Schiffbruch und musste Konkurs anmelden. Gestern Abend meldete dann das Schweizer Massenblatt „Blick“ aktuell: Beat Breu sperrt seinen Zirkus sofort zu. Wie es jetzt mit den Tieren in Lustenau weitergeht, ist völlig ungewiss.

„Wegen fehlender Bestätigungen dürfen die Kamele nicht in die Schweiz.“

Pfleger Antonio und Kamel Maritza. Die mächtigen Zirkustiere finden es auf einer Lustenauer „Hoschtat“ ganz okay.VN/Paulitsch
Pfleger Antonio und Kamel Maritza. Die mächtigen Zirkustiere finden es auf einer Lustenauer „Hoschtat“ ganz okay.VN/Paulitsch