Es lebt sich gut im Land

Vorarlberg / 20.08.2019 • 19:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Speziell im stationären Bereich wird viel in technische Neuerungen investiert. Das beschert Vorarlberg viel Lob für die Patientenversorgung.khbg/nussbaumer
Speziell im stationären Bereich wird viel in technische Neuerungen investiert. Das beschert Vorarlberg viel Lob für die Patientenversorgung.khbg/nussbaumer

Gesundheitssystem ist teuer, aber effizient. Weniger tödliche Herzinfarkte.

bregenz Gesundheit kostet – und das nicht zu knapp. In Vorarlberg wird im Vergleich zu anderen Bundesländern besonders viel investiert. Das geht aus der am Dienstag beim Forum Alpbach präsentierten Philips-Studie hervor. Der Pro-Kopf-Aufwand für öffentliche und private Gesundheitsleistungen lag 2017 bei rund 4500 Euro. Nur Wien kam noch über diese Marke. Zum Vergleich: Für Tirol und das Burgenland wurde ein Durchschnitt von 4291 Euro ermittelt. Auf der anderen Seite gibt es in Vorarlberg weniger Todesfälle durch akute Herzinfarkte. Hier kann lediglich die Steiermark mithalten. In Tirol hingegen sterben überdurchschnittlich viele Patienten infolge von Herzinfarkten. Die Bilanz bei der Behandlung von Schlaganfällen fällt ebenfalls positiv aus, was laut Studie auf eine gute stationäre Versorgungsqualität hinweist.

Vorarlberg verzeichnet jährlich etwa 600 Herzinfarkte, rund 500 Patienten werden im Herzkatheterlabor im LKH Feldkirch therapiert. Bei den Schlaganfällen ist die Zahl mit 1100 unverändert hoch, die meisten Betroffenen überleben jedoch. Knapp die Hälfte von ihnen kommt zur Behandlung auf die Stroke Unit.

Vorteil der kurzen Wege

Für Gesundheitslandesrat Christian Bernhard ist diese erfreuliche Entwicklung einfach zu erklären: „Wir haben im Land den Vorteil der kurzen Wege“, spricht er damit auch die oft kritisierte Kranken­hausdichte an. Die Standorte sind seiner Ansicht aber gerechtfertigt, wenn sie richtig bespielt werden. In diesem Zusammenhang kann sich Bernhard vorstellen, dass im Rahmen des Ausbaus der ambulanten Versorgung auch Teile von Krankenanstalten eine spezielle Anlauffunktion übernehmen könnten. Der Studie und Studienautorin Maria Hofmarcher-Holzhacker stellt er insgesamt ein lobendes Zeugnis aus. Es handle sich um eine sehr gut gemachte und solide Arbeit. Auch die Vorarlberger Daten würden passen.

„Wir sind zwar teurer, aber damit kann ich leben, weil es den Menschen zugute kommt“, bemerkt Bernhard. Nicht einverstanden zeigt er sich jedoch mit dem Vorwurf, das Gesundheitssystem arbeite nach wie vor in stark ausgeprägten Silos und mit wenig öffentlich zugänglichen Informationen. Vieles sei sehr spezifisch und nicht leicht verständlich, aber: „Die Politik schläft in diesen Dingen nicht. Da wird fleißig gearbeitet.“

Der Bevölkerung selbst attestiert die Studie ein gesundes Leben. Im Durchschnitt erleben die Vorarlberger 70 Jahre in guter Gesundheit. Als mögliche Gründe werden die niedrige Arbeitslosigkeit, der ausgeprägte Hang zur Vorsorge sowie ein leistungsstarkes Gesundheitssystem angegeben. Was die Fairness im Zugang betrifft, sind die Ergebnisse offenbar zu wenig eindeutig ausgefallen, woraus die Studie den Schluss zieht, dass es einige Anzeichen für Verbesserungsbedarf gibt. In der Gesamtbetrachtung rechtfertigt die gute Versorgung die höheren Ausgaben, die allein im stationären Bereich bei 565 Millionen Euro liegen.

Hoher Finanzierungsbedarf

Dabei wird es allerdings nicht bleiben. „Der Finanzierungsbedarf steigt bis 2030 auf 1,1 Milliarden Euro“, rechnet Hofmarcher-Holzhacker vor. Da ist es vor allem die veränderte Bevölkerungsstruktur, welche die Ausgaben in die Höhe treibt. Auf sie entfallen 34 Prozent der Kosten. In Vorarlberg ist der reale Wachstumsanteil demografischer Entwicklungen besonders hoch. Er beträgt im Durchschnitt der Jahre über 30 Prozent. Technologische Neuerungen haben dagegen einen Anteil von 20 Prozent.

„Die Politik schläft in diesen Dingen nicht. Da wird wirklich fleißig gearbeitet.“