Holz für Wildschadenzäune in der Kritik

Vorarlberg / 20.08.2019 • 05:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Jungpflanzen sind für das Schalenwild eine richtige Delikatesse. VN/STEURER

Landwirtschaftskammerpräsident hätte lieber heimisches Gehölz.

bregenz Wild und Wald sind mitunter eine heikle Kombination. Um den Einfluss des Schalenwilds auf die Waldverjüngung beobachten und darstellen zu können, wurde vor zwanzig Jahren ein Kontrollsystem eingerichtet, das auf Basis von Vergleichsflächen funktionierte. Allerdings erntete die Sache mehr Tadel als Lob. Jetzt gibt es ein neues Waldverjüngungs-Wildschaden-Kontrollsystem, und auch das ist nicht vor Kritik gefeit. Bemängelt wird, dass für die erforderlichen Zäune keine Pfähle aus heimischem Holz verwendet, sondern Robinien aus Kroatien importiert werden, für die das Land außerdem noch Förderungen ausschüttet.

Diskussionswürdig

Aus der Forstabteilung des Landes heißt es dazu, es gebe keine Vorgaben, aus welchen Materialien die Zäune zu erstellen sind. Das bleibe den nach dem Jagdgesetz verantwortlichen Akteuren in der jeweiligen Wildregion überlassen. Die Robinie habe sich jedoch seit Jahrzehnten im Hochgebirge bewährt. Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger gibt sich zu diesem Thema diplomatisch und meint, 6000 Robinien-Pfähle seien zwar nicht marktbeeinflussend, aber die Verwendung regionaler Hölzer, etwa der Lärche, wäre sicher diskussionswürdig. Landesweit müssen in sechs Pilotregionen insgesamt 750 Wildvergleichszäune errichtet werden, um die Hälfte weniger als vorher, die zudem neun bis zwölf Jahre halten sollen.

So lange dauert eine Beobachtungsserie. Geht ein Zaun kaputt, darf er nicht neu aufgestellt werden, denn das würde das Vergleichsszenario verfälschen. „Die Robinie ist ein sehr dauerhaftes und verwitterungsbeständiges Holz, was den Vorteil hat, dass es keine Chemie braucht, um die Pfähle zu imprägnieren“, erklärt Stephan Phillip von der Forstabteilung und ergänzt noch: „Solche Zäune sind in unseren Gebirgsregionen sehr schwer zu errichten und zu unterhalten.“ Deshalb hätten sich die Verantwortlichen in der Pilotregion Kleinwalsertal für die Robinie entschieden. Dort ist der Bau der Wildvergleichszäune am weitesten fortgeschritten. Bis Jahresende sollen sie landesweit stehen. Pilotregionen werden laut Phillip eingerichtet, um Erfahrungen zu sammeln und Fehler zu vermeiden.

Für die Zäune gibt es außerdem Geld aus dem Landestopf. Material, Arbeit und Transport werden mit 200 bzw. 150 Euro gefördert. Mit diesen Beiträgen sei der Aufwand ziemlich gut abgedeckt, bestätigt Stephan Phillip. Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger zitiert Expertenmeinungen, wonach etwa Fichtenpfähle deutlich weniger lange haltbar sind als Robinien, verweist aber gleichzeitig auf die Lärche als einem regionalen Produkt, die durchaus mit der Robinie mithalten könne. Aus seiner Sicht sind Anschaffungen dieser Art in Zukunft kritisch zu betrachten.

Walter Amann, Obmann des Waldvereins, betont, dass bei einem derart sensiblen Thema wie der Wildschadenssituation die Daten stimmen müssten. „Sich für Robinien zu entscheiden, war deshalb nicht falsch“, meint er. Pfähle aus Schadholz wären nämlich in relativ kurzer Zeit faul. Zudem handle es sich bei den Robinien um eine marginale Menge.

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