Welche Probleme es mit E-Scootern gibt

Vorarlberg / 22.08.2019 • 08:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Laut dem Verband der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster wurden im Vorjahr in Österreich rund 25.000 E-Scooter verkauft. VN/STEURER

Das KFV befürchtet heuer über 1000 Verletzte: „Es gibt hohen Aufklärungsbedarf.“

Geraldine Reiner

Schwarzach Für die einen ist es das Transportmittel der Zukunft, das vor allem in Kombination mit dem öffentlichen Verkehr einen Beitrag zur Lösung der Verkehrsprobleme leisten soll. Die anderen verweisen auf die hohe Verletzungsgefahr und sehen darin ein neues Ärgernis für Radfahrer, Autofahrer oder Fußgänger. In Bregenz und Dornbirn können E-Scooter seit ein paar Wochen ausgeliehen werden. Hinzu kommen zahlreiche elektrische Tretroller in Privatbesitz. Laut dem Verband der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster wurden im Vorjahr in Österreich rund 25.000 Exemplare verkauft, 2019 sollen es bereits 30.000 sein.

Über 1000 Verletzte

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) hat angesichts der rasanten Ausbreitung Beobachtungen, Befragungen und Analysen zu der Thematik durchgeführt. „E-Scooter bieten viele neue Chancen und Möglichkeiten. Dennoch sind sie nicht ganz ungefährlich: Wir rechnen damit, dass sich allein in diesem Jahr mehr als 1000 E-Scooter-Fahrer auf Österreichs Straßen verletzen“, unterstreicht Klaus Robatsch, Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit im KFV.

In den vergangenen Monaten haben Mitarbeiter des KFV über 1500 E-Scooter-Fahrer beobachtet. Dabei hat sich laut Robatsch gezeigt, dass nur ein Prozent beim Abbiegen ordnungsgemäß ein Handzeichen gibt. Die Helmtragequote lag bei gerade einmal drei Prozent, wobei die Nutzer von privaten E-Scootern (zehn Prozent) häufiger einen Helm tragen (zehn Prozent) als jene von Leih-E-Scootern (zwei Prozent). Das bestätigt auch Marcel Loschin (33) von „Rent-a-scoot“ in Bregenz. „Wir bieten die Helme kostenlos an. Die meisten Leute nehmen aber keinen dazu, obwohl wir es empfehlen.“ Weitere Ergebnisse der Beobachtungen: 23 Prozent fuhren verbotenerweise auf dem Gehsteig. Bei drei Prozent der Fahrten waren zwei Personen gemeinsam auf einem Roller unterwegs.

Bewusstseinsbildung

In einer Befragung von mehr als 500 E-Scooter-Fahrern stellte sich heraus, dass 14 Prozent bereits in einen Konflikt mit anderen Verkehrsteilnehmern geraten sind. 17 Prozent kennen Situationen, in denen ihr E-Scooter etwa aufgrund von Nässe, Unerfahrenheit oder der Geschwindigkeit nicht mehr kontrollierbar war. Und: Viele sind mit der Straßenverkehrsordnung nicht vertraut. „Seit Juni dieses Jahres sind E-Scooter Fahrrädern gleichgestellt“, verweist Robatsch unter anderem auf die Helmpflicht für Kinder bis zwölf Jahren, das Fahrverbot auf dem Gehsteig oder die Ausstattungsvorschriften: „Hier ist noch viel Bewusstseinsbildung zu leisten. Nicht nur im Hinblick auf die geltenden gesetzlichen Bestimmungen, sondern auch darüber hinaus: So sollten sich zum Beispiel alle E-Scooter-Fahrer bewusst sein, dass das Tragen eines Helms unabhängig vom Alter dringend zu empfehlen ist“, betont er.